Der ORF steht vor massiven Budgetkürzungen, nachdem die österreichische Bundesregierung plant, die gesetzliche Kompensationszahlung von 85 Millionen Euro zu streichen.

Generaldirektorin Ingrid Thurnher erklärte am Mittwoch bei einer Veranstaltung im ORF-Zentrum, dass kolportiert werde, dass zusätzlich zum gegenwärtig zu stemmenden Sparpaket ein weiteres in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr auf das Medienhaus zukomme.

Die Kürzung betrifft die Bundeskompensation für den Verlust des Vorsteuerabzugs, die mit der Umstellung auf die Haushaltsabgabe eingeführt wurde. Die Haushaltsabgabe selbst ist effektiv bei 15,30 Euro eingefroren, was den ORF zwingt, allein 2027 bereits 54 Millionen Euro einzusparen.

Drastische Warnung der Generaldirektorin

Thurnher warnte eindringlich vor den Folgen: „Das ist in einer Dimension und Kurzfristigkeit, die an den Grundfesten rüttelt.“ Sie stellte die Frage, ob es den ORF, so wie wir ihn kennen, in dieser Ausprägung, dieser Größe und dieser Stärke noch geben kann.

„Das Publikum wird das spüren“, sagte Thurnher weiter. Gleichzeitig betonte sie, dass der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags – „unabhängige, qualitätsvolle Information“ – von Kürzungen tabu sein müsse.

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti bekräftigte die Sparvorgabe: „Ja, der ORF wird weiter sparen müssen.“ Der Sender müsse seinen Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten.

Rechtliche Optionen und Stellenabbau

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer erklärte gegenüber der APA, dass alle Bereiche des ORF gleichermaßen belastet werden müssten. „Wir müssen unseren Beitrag leisten und uns nach der Decke strecken“, so Lederer.

Das bestehende Sperrkonto des ORF umfasst 30 Millionen Euro und kann nur im ersten Jahr helfen, Maßnahmen einzuleiten. Zwischen 300 und 400 Arbeitsplätze sind potenziell gefährdet, detaillierte Pläne liegen jedoch noch nicht vor.