Belegschaft von ORF III warnt vor beispiellosem Kahlschlag beim Programm
Wien, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Belegschaft von ORF III hat in einem offenen Brief an die designierte Ingrid Thurnher und den Clemens Pig vor einer Halbierung des Programmbudgets gewarnt und die Pläne als beispiellos im ORF-Konzern kritisiert. Der ORF bestätigt gegenüber der APA lediglich einen enormen Spardruck, ohne sich zur Höhe oder zu Inhalten der geplanten Einsparungen zu äußern.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ORF III haben sich in einem offenen Brief an die designierte Ingrid Thurnher und den Clemens Pig gegen Pläne gestellt, das Programmbudget des Kultursenders von derzeit rund 15 Millionen Euro um die Hälfte zu kürzen.
Die Belegschaft des ORF-Kulturkanals ORF III schlägt Alarm. In einem offenen Brief warnen die Beschäftigten vor einer beispiellosen Halbierung des Programmbudgets, das derzeit etwa 15 Millionen Euro umfasst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden sich direkt an die Ingrid Thurnher und den Clemens Pig mit der dringenden Bitte, die Sparpläne zu überdenken. ORF III stellt eigenen Angaben zufolge jährlich 2.300 originäre Programmstunden her, darunter Live-Übertragungen von Konzerten und Kabarett, umfassende Informations- und Geschichtssendungen sowie Regionalkultur.
In dem Schreiben, das der APA vorliegt, heißt es: „Eine Halbierung des Programmbudgets ist im ORF-Konzern beispiellos." Die Belegschaft erkennt grundsätzlich an, dass auch ORF III einen Beitrag zu den Sparvorgaben leisten muss. Gleichzeitig wehrt man sich jedoch entschieden dagegen, dass Programm und Arbeitsplätze einer „unverhältnismäßigen und unternehmensschädigenden Sparpolitik geopfert werden". Die Verunsicherung unter den Beschäftigten sei groß, wie aus dem Brief hervorgeht: „Die Sparpläne und der drohende Arbeitsplatzverlust verunsichern die Kolleginnen und Kollegen bei ORF III zutiefst."
Belegschaft warnt vor Verlust von Programm und Arbeitsplätzen
ORF III wird derzeit als Tochtergesellschaft des ORF-Konzerns geführt. Schon vor der Wahl des neuen Generaldirektors waren Pläne im Gespräch, den Kultur- und Informationsspartenkanal in das Mutterhaus zu integrieren. Die Belegschaft argumentiert in dem Brief, dass eine solche Halbierung des Programmbudgets angesichts der ohnehin geringeren Produktionskosten und Gehälter bei ORF III „jeder wirtschaftlichen Logik" entbehre. Zugespitzt wird die Lage durch den Umstand, dass die Finanzierungs- und Vertragsbedingungen der ORF-III-Beschäftigten deutlich günstiger sind als im Stammhaus. Sollte die bestehende Struktur aufgelöst werden, besteht nach Einschätzung der Belegschaft die Gefahr, dass nur wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen würden.
Bereits Ende Juni war der Vertrag des Peter Fässlacher auslaufen gelassen worden. Seither nimmt Lou Lorenz-Dittlbacher zusätzlich dessen Aufgaben wahr. Die Kathrin Zierhut-Kunz, hatte in Diskussionsrunden wiederholt vor dem Trugschluss gewarnt, die Eingliederung in den Mutterkonzern würde ORF III automatisch günstiger machen. Zierhut-Kunz hatte sich zeder auch selbst für die ORF-Generaldirektion beworben.
Betroffene Sendungen und Personalia
Die Sorge um konkrete Sendungen treibt die Belegschaft zusätzlich um. In dem Brief werden Formate wie „Land der Berge", die Diskussionsrunde „Runde der ChefredakteurInnen" sowie Opernübertragungen zur Primetime ausdrücklich als gefährdet genannt. Diese Programme stehen sinnbildlich für das kulturelle Profil, mit dem ORF III sich von anderen Sendern abhebt. Sollten sie wegfallen oder stark reduziert werden, wäre der Verlust für das österreichische Publikum spürbar, so die Befürchtung der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.
ORF bestätigt Spardruck, verweist auf Konzernstrategie
Auf Anfrage der APA wollte sich der ORF weder zur Höhe noch zu inhaltlichen Details der kolportierten Sparmaßnahmen äußern. Das Unternehmen bestätigte lediglich, dass der Spardruck enorm sei und sich „trotz struktureller Sparmaßnahmen" direkt auf die ORF-Programmproduktion auswirke. Weiters hieß es, Entscheidungen über konkrete Maßnahmen seien „das Ergebnis konzernweit koordinierter programmstrategischer Maßnahmen, deren oberstes Ziel es ist, weiterhin die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Kernaufträge und Produktion publikumsstarker ORF-Angebote sicherzustellen".
Zugleich stellte der ORF fest: „Programmangebote werden nur in jenen Bereichen gekürzt, wo es die strategische Evaluation empfiehlt. Aktuell werden deshalb u.a. programmliche und produktionsstrukturelle Doppel- oder Mehrgleisigkeiten evaluiert und gegebenenfalls bereinigt." Darüber hinaus kündigte das Unternehmen an, die Kulturangebote und Strukturen des ORF würden „verstärkt das Angebot von ORF III unterstützen, um sicherzustellen, dass dort weiterhin ein umfassendes Kulturprogramm angeboten werden kann".
Finanzielle Lage und Ausblick
Das Gesamtkonfliktbündel aus finanziellem Druck, organisatorischem Umbau und personeller Ungewissheit fällt in eine ohnehin sensible Phase. ORF III war zuletzt auch wegen der fragwürdigen Finanzierung mehrerer Dokumentationen in die Kritik geraten. Die Belegschaft sieht nun die Programmidentität und die Zukunft des Senders akut gefährdet. Der offene Brief ist ein Versuch, vor dem Amtsantritt der neuen Generaldirektion noch Gehör zu finden und eine Abkehr von einer „unverhältnismäßigen" Sparpolitik zu erreichen.
Die finanzielle Gesamtsituation von ORF III bleibt eng: Das Gesamtbudget des Senders wird mit rund 30 Millionen Euro beziffert, wovon rund die Hälfte, eben jene 15 Millionen Euro, auf das Programmbudget entfallen. Sollte dieser Programmtopf halbiert werden, blieben nur noch etwa 7,5 Millionen Euro für 2.300 Stunden Programm im Jahr – ein Wert, der nach Einschätzung der Belegschaft unterhalb jeder wirtschaftlich vertretbaren Schwelle läge.
Hintergrund: ORF III zwischen Tochterstatus und Integration
Der ORF verweist zur Begründung der nötigen Einsparungen auf eine breite Palette struktureller Gründe, darunter sinkende Erträge aus dem Programmentgelt und steigende Kosten in Produktion und Distribution. Eine endgültige Entscheidung über das Ausmaß der Kürzungen bei ORF III ist nach Angaben des Unternehmens noch nicht gefallen. Fest steht jedoch, dass die Verhandlungen unmittelbar nach dem Antritt der neuen Führung an Dynamik gewinnen dürften – und dass die Belegschaft ihren Widerstand über den offenen Brief hinaus fortsetzen will.
Fragen & Antworten
Wogegen richtet sich der offene Brief der ORF-III-Belegschaft?
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden sich gegen Pläne, das Programmbudget von ORF III von derzeit rund 15 Millionen Euro zu halbieren, und bezeichnen einen solchen Schritt als beispiellos im ORF-Konzern. Der Brief wurde an die Ingrid Thurnher und den Clemens Pig adressiert.
Welche Sendungen sind nach Einschätzung der Belegschaft besonders gefährdet?
In dem offenen Brief werden ausdrücklich Formate wie „Land der Berge", die „Runde der ChefredakteurInnen" sowie Opernübertragungen zur Primetime als gefährdet genannt. Diese Programme prägen das kulturelle Profil von ORF III.
Wie reagiert der ORF auf die Vorwürfe?
Der ORF bestätigt gegenüber der APA einen enormen Spardruck und verweist auf konzernweit koordinierte programmstrategische Maßnahmen. Zur konkreten Höhe oder zu Inhalten der geplanten Einsparungen bei ORF III äußert sich das Unternehmen nicht.
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