Eine Analyse der Boston Consulting Group zeigt eine extreme Vermögenskonzentration in Österreich, wo rund 500 Ultra-High-Net-Worth-Individuals fast zwei Fünftel des gesamten Nettovermögens kontrollieren.

Der aktuelle Global Wealth Report 2025 der Boston Consulting Group (BCG) zeichnet ein detailliertes Bild der österreichischen Vermögensverteilung. Demnach hielten im vergangenen Jahr etwa 500 Personen mit jeweils über 100 Millionen US-Dollar an Finanzanlagen 39 Prozent des gesamten Finanzvermögens des Landes.

Auf der anderen Seite verfügen rund 7,3 Millionen Österreicher über weniger als 250.000 US-Dollar und teilen sich lediglich 30 Prozent des Kuchens. Dazwischen liegt ein Segment von rund 200.000 Wohlhabenden, die neun Prozent des Finanzvermögens halten.

Die Schere geht weiter auseinander

Michael Kahlich, Partner bei BCG in Zürich und Co-Autor des Reports, erklärte: „Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu. Wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren. Das beschleunigt den Vermögensaufbau strukturell.“

Das Nettovermögen Österreichs – also Finanzvermögen plus Sachwerte abzüglich Schulden – wuchs 2025 um 15,8 Prozent auf 2,9 Billionen US-Dollar (2,5 Billionen Euro). Für das Jahr 2030 prognostiziert der Report einen weiteren Anstieg um gut 20 Prozent auf 3,5 Billionen US-Dollar.

Die privaten Finanzanlagen legten um 15,2 Prozent auf 1,2 Billionen US-Dollar zu. Den stärksten Wachstumstreiber bildeten Anleihen mit plus 30 Prozent, gefolgt von Aktien und Investmentfonds mit plus 21 Prozent.

Ein wesentlicher Teil des Zuwachses geht auf Währungseffekte zurück. Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar um 10,4 Prozent auf, was das in Dollar gemessene Vermögen in die Höhe trieb.

Treiber des Wachstums

„2025 war ein außergewöhnlich starkes Vermögensjahr. Finanzmärkte und Sachwerte haben gleichermaßen deutlich zugelegt“, sagte Kahlich. Gleichzeitig seien Aktien und ETFs die größte Assetklasse geblieben und mit rund 20 Prozent Wachstum zum zentralen Motor des privaten Finanzvermögens geworden.

Dennoch betonte Kahlich: „Gleichzeitig zeigt die hohe Bedeutung von Einlagen und Bargeld, dass Sicherheit für viele Haushalte nach wie vor ein zentrales Anlagekriterium ist.“

Zwei Drittel des österreichischen Gesamtvermögens entfallen auf Sachwerte wie Immobilien, die 2,0 Billionen US-Dollar ausmachen. Die Verbindlichkeiten stiegen leicht auf 249 Milliarden US-Dollar.

Weltweit wuchs das Nettovermögen laut BCG um 9,3 Prozent auf den Rekordwert von 550 Billionen US-Dollar. Das globale Finanzvermögen nahm um rund zehn Prozent auf 333 Billionen US-Dollar zu, während Sachwerte um mehr als sieben Prozent auf 281 Billionen US-Dollar zulegten.

Globale Vermögensverhältnisse

Die größten Vermögenskonzentrationen finden sich in den Vereinigten Staaten: Mit 147 Billionen US-Dollar Nettovermögen und nur gut vier Prozent der Weltbevölkerung entfallen auf sie fast 27 Prozent des globalen Wohlstands. China beheimatet mit rund 11.100 die zweitgrößte Gruppe an Ultra-High-Net-Worth-Individuals, gefolgt von den USA mit etwa 37.000. Weltweit zählt die Studie knapp 97.000 Personen in dieser Kategorie.

Neun der zehn reichsten Menschen der Welt stammen aus den USA und haben ihr Vermögen im Technologie-Sektor gemacht. Der reichste Österreicher ist Red-Bull-Erbe Mark Mateschitz mit 39 Milliarden US-Dollar auf Rang 79 der Bloomberg-Milliardärsliste. Zum Vergleich: Tesla-Großaktionär Elon Musk führt mit 728 Milliarden US-Dollar – mehr als die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zusammen.

Hongkong überholte 2025 die Schweiz als weltweit führender Finanzplatz für grenzüberschreitende Vermögen, angetrieben durch starke Kapitalzuflüsse aus Festlandchina. Österreichs Vermögenswachstum liegt im Schnitt Westeuropas, bleibt aber hinter dem globalen Tempo zurück.