Wiener Börse steigert 2025 Umsatz und Gewinn auf Rekordniveau
Wien, 15. Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Die Wiener Börse hat im Geschäftsjahr 2025 ihren Umsatz auf 90,1 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis auf 53,4 Millionen Euro gesteigert. CEO Christoph Boschan forderte bei der Bilanzpräsentation zugleich politische Reformen, um den heimischen Kapitalmarkt zu stärken.
Die Wiener Börse hat das Geschäftsjahr 2025 mit Rekordwerten bei Umsatz und Gewinn abgeschlossen und fordert von der Politik konkrete Schritte zur Aktivierung des österreichischen Kapitalmarkts.
Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn
Die Wiener Börse hat das Geschäftsjahr 2025 mit den höchsten jemals ausgewiesenen Werten bei Umsatz und Vorsteuerergebnis abgeschlossen. Der konsolidierte Umsatz stieg von 81,8 Millionen Euro auf 90,1 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich von 50,1 Millionen Euro auf 53,4 Millionen Euro. Damit erreichte das Vorsteuerergebnis nach Angaben des Unternehmens einen neuen Höchststand.
Wie die Wiener Börse am Montag bei der Präsentation der Jahreszahlen mitteilte, trugen alle Geschäftsbereiche zum Umsatzwachstum bei. Den größten Anteil am Umsatz hatten 2025 weiterhin das Handels- und Listinggeschäft mit 40,2 Prozent, gefolgt vom Wertpapierverwahrungsgeschäft, das über die Zentrale Verwahrstelle Prag (CSD Prague) vor allem in Tschechien abgewickelt wird und 29,5 Prozent zum Umsatz beisteuerte. Der Verkauf von Marktdaten kam auf 22 Prozent.
Handel und Listing als größte Ertragssäulen
Auch die Handelsaktivität legte deutlich zu. Der Aktienhandelsumsatz an der Wiener Börse erhöhte sich im Jahresvergleich von 74 Milliarden Euro auf 84 Milliarden Euro. Davon entfielen 67 Milliarden Euro auf Wien und 18 Milliarden Euro auf Prag. Das Unternehmen führt das Plus auf das internationale Umfeld zurück. Die Wiener Börse bezeichnet sich nach eigenen Angaben mit rund 31.500 Primärlistings, überwiegend im Anleihensegment, als aktivster Listing-Platz Europas.
Parallel dazu setzte der österreichische Leitindex ATX seine Rekordjagd fort. Im Jahr 2025 durchbrach der ATX mehrere Tausend-Punkte-Marken und überschritt im laufenden Jahr erstmals die Schwelle von 15.000 Punkten. Der ATX erreichte auf Total-Return-Basis – also unter Einbeziehung der Dividenden – ein Plus von 52,17 Prozent, der tschechische PX-Index gewann 61,42 Prozent. Die Wiener Börse AG beschäftigt im Schnitt 169 Vollzeitäquivalente.
ATX auf Rekordkurs, Tschechien als Wachstumstreiber
Bei der Präsentation in Wien sprach CEO Christoph Boschan zugleich von einem "Rekordhoch" für den österreichischen Aktienmarkt. Er nutzte die Gelegenheit, um Forderungen an die Politik zu formulieren. "Österreichs Aktienmarkt befindet sich auf Rekordhoch und sticht auch im internationalen Vergleich hervor. Um es passend zur Fußball-WM zur formulieren: Die Dividende ist der Spielmacher unseres Marktes – weltweit angesehen und begehrt", sagte Boschan.
Boschan sieht jedoch strukturelle Defizite. Im internationalen Vergleich hinkt Österreich deutlich hinterher: Die Börsenkapitalisierung lag nach Weltbank-Daten 2024 bei 23,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland waren es 43,9 Prozent. Die USA und die Schweiz erreichen über 200 Prozent des BIP. Boschan erklärte, in anderen europäischen Ländern gebe es große Staatsfonds oder andere Maßnahmen, um mehr privates Kapital in den Markt zu bringen, "Österreich aber verharrt weitgehend im Stillstand".
Boschan fordert Steuersenkung auf Vorsorgeerträge
Konkrete Reformen forderte Boschan vor allem in der privaten Altersvorsorge. Er plädierte dafür, Erträge aus Wertpapieren, die der privaten Vorsorge dienen, von der Kapitalertragsteuer zu befreien – vorausgesetzt, die Papiere werden über eine bestimmte Mindesthaltefrist gehalten. In Österreich werden Kapitalerträge auf private Vorsorge, die aus bereits versteuertem Einkommen aufgebaut wird, mit 27,5 Prozent besteuert. Andere Länder gingen andere Wege: Deutschland und Polen führten steuerlich begünstigte Sparkonten ein, Tschechien befreit Kursgewinne nach einer Haltedauer von drei Jahren von der Steuer.
Zugleich verwies Boschan auf die Empfehlung der Europäischen Union, Spar- und Investitionskonten mit steuerlichen Vorteilen zu etablieren. "Der Hebel liegt klar in der Stärkung der privaten Vorsorge. Hier gilt es schlicht, der Empfehlung der Europäischen Union zu folgen und Spar- und Investitionskonten mit steuerlichen Vorteilen zu etablieren", sagte er. Darüber hinaus brauche es ein "Auto-Enrollment" für die betriebliche Vorsorge – also eine automatische Anmeldung von Beschäftigten an Vorsorgemodellen, wie sie in anderen Ländern üblich sei. Die Politik habe einen ersten Schritt beim Ausbau der zweiten, der betrieblichen Pensionssäule gemacht, "es brauche aber ein 'Auto-Enrollment', also eine automatische Anmeldung, für die betriebliche Vorsorge. Das sei auch in anderen Ländern üblich und für den Erfolg des Modells entscheidend".
Nordische Länder als Vorbild
Außerdem forderte Boschan den Aufbau "großer nationaler Kapitalsammelstellen". "Es braucht große nationale Kapitalsammelstellen", sagte er bei der Pressekonferenz am Montag. Als Vorbilder nannte Boschan die nordischen Länder, allen voran Schweden, Norwegen und Dänemark.
Trotz dieser Kritik sieht Boschan eine wachsende Anlegerbasis in Österreich. Laut dem aktuellen "Aktienbarometer" – einer gemeinsamen Studie der Industriellenvereinigung, des Aktienforums und der Wiener Börse – halten 31 Prozent der rund 2.000 Befragten in Österreich Wertpapiere. Das ist ein Anstieg um rund 25 Prozent gegenüber der ersten Erhebung im Jahr 2023. Allerdings relativierte Boschan die Aussagekraft dieser Zahl: Die steigende Zahl der Wertpapierbesitzer zeige wachsendes Interesse am Aktienmarkt, sage aber nichts über das tatsächlich investierte Kapitalvolumen aus.
350 Milliarden Euro in niedrig verzinsten Anlagen
Tatsächlich liegt nach Boschans Darstellung viel Geld in niedrig verzinsten Anlagen. Mehr als 350 Milliarden Euro in Österreich seien in niedrig verzinsten Einlagen oder Bargeld geparkt. Diese Mittel in den Kapitalmarkt zu lenken, sei eine der zentralen Aufgaben, die aus seiner Sicht nur mit politischer Flankierung gelingen könne.
Auch der Aufsichtsrat der Wiener Börse AG sieht das wachsende Interesse der Bevölkerung als Auftrag. Vizepräsidentin Angelika Sommer-Hemetsberger erklärte: "Der steigende Wertpapierbesitz in Österreich zeigt, dass viele Menschen die Chancen des Kapitalmarkts längst erkannt haben. Nun gilt es, dieses Interesse durch bessere politische Rahmenbedingungen weiter zu fördern." Sommer-Hemetsberger ist Vizepräsidentin des Aufsichtsrats der Wiener Börse.
Ausblick und direct market plus
Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Boschan zuversichtlich. Er rechne damit, dass der Wachstumskurs der Wiener Börse im aktuellen Jahr anhalte, machte aber keine konkreten Angaben zu Zahlen. Zu den geplanten Schritten zählt unter anderem, dass die Wiener Börse den direct market plus als EU-SME-Wachstumsmarkt registrieren lassen will, um den Kapitalmarktzugang für kleinere Unternehmen zu verbessern. Im abgelaufenen Jahr gab es an dem Segment drei Neuaufnahmen und in Prag zwei Börsengänge.
Insgesamt zeichnet die Wiener Börse für 2025 das Bild eines Unternehmens, das operativ auf Rekordkurs ist, sich gleichzeitig aber mehr politischen Rückhalt wünscht. Mit der Forderung nach einer Befreiung der Vorsorgeerträge von der KESt bei Mindesthaltefrist, einem automatischen Anmeldesystem für die betriebliche Vorsorge und dem Aufbau großer nationaler Kapitalsammelstellen verknüpft Boschan den Rekordgewinn klar mit einer Reformagenda. Ob diese Ankurbelung gelingt, dürfte die Entwicklung der Aktienkultur in Österreich in den kommenden Jahren mitbestimmen.
Die Wiener Börse AG legte am Montag in Wien ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 vor. Das Unternehmen gehört zu den zentralen Handelsplätzen in Mittel- und Osteuropa und betreibt neben dem Wiener Handelsplatz unter anderem die Prager Börse. Mit dem vorgelegten Ergebnis knüpft das Haus an eine längere Phase stabiler Erträge an und setzt zugleich Akzente in der politischen Debatte über die Stärkung des heimischen Kapitalmarkts.
Fragen & Antworten
Wie hat sich die Wiener Börse im Jahr 2025 wirtschaftlich entwickelt?
Die Wiener Börse steigerte den konsolidierten Umsatz von 81,8 Millionen auf 90,1 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis von 50,1 Millionen auf 53,4 Millionen Euro – beides Rekordwerte.
Welche Forderungen stellte CEO Christoph Boschan an die Politik?
Boschan verlangte eine Befreiung der Vorsorgeerträge von der Kapitalertragsteuer bei einer Mindesthaltefrist, eine automatische Anmeldung an die betriebliche Vorsorge ("Auto-Enrollment") sowie den Aufbau großer nationaler Kapitalsammelstellen nach nordischem Vorbild.
Welche Rolle spielt Tschechien für die Wiener Börse?
Das Depotgeschäft in Tschechien, abgewickelt über die Zentrale Verwahrstelle Prag, trug 29,5 Prozent zum Umsatz bei; auf den Prager Handelsplatz entfielen 18 Milliarden Euro des gesamten Aktienhandelsumsatzes von 84 Milliarden Euro.
Wiener Börse 2025: Rekordgewinn und Forderungen an Politik | nachrichten360