Zwei Bombenexplosionen erschüttern Damaskus während Macrons Syrien-Besuch
Damaskus, 07. Juli 2026
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Kurzfassung
Während des ersten Besuchs eines westeuropäischen Staatschefs in Syrien seit dem Sturz des Assad-Regimes sind in Damaskus zwei Bomben detoniert. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und 18 weitere verletzt, darunter vier Polizisten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte seinen Besuch trotz der Anschläge fort.
Während des historischen Besuchs von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Syrien sind am Dienstagmorgen in der Nähe des Hotels, in dem er übernachtet hatte, zwei Bomben detoniert; Macron setzte sein Programm fort.
Explosionen in der Nähe des Hotels
Die syrische Hauptstadt Damaskus ist am Dienstagmorgen gegen 10.20 Uhr Ortszeit von zwei Bombenexplosionen erschüttert worden. Nach Angaben des syrischen Innenministeriums detonierten die Sprengsätze in der Nähe des Hotels «Four Seasons», in dem der französische Präsident Emmanuel Macron am Vorabend für eine überraschende Visite eingetroffen war. Die Hintergründe der Anschläge sind bisher unklar.
Frankreichs Präsident befand sich nach Angaben des Élyséepalastes zum Zeitpunkt der Detonationen bereits auf dem Weg zu einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa und nahm die Explosionen nicht wahr. AFP-Reporter berichteten, sie hätten die Detonationen gehört und Rauch über dem umliegenden Viertel aufsteigen sehen. Krankenwagen fuhren zum Ort des Geschehens, während Sicherheitskräfte mehrere Zufahrten zu dem Gebiet absperrten.
Hintergrund der Anschlagsserie
Bei den Anschlägen wurden nach syrischen Angaben mindestens drei Menschen getötet und 18 weitere verletzt, darunter vier Polizisten. Die Bomben waren in einem am Straßenrand geparkten Auto und in einem Abfalleimer versteckt. Sicherheitskräfte entdeckten die Sprengvorrichtungen und begannen mit Vorbereitungen zur Entschärfung, doch die Bomben detonierten noch während der laufenden Arbeiten.
Der Bombenangriff am Dienstag war bereits der neunte seit Anfang Mai in Damaskus. Bereits am vergangenen Donnerstag waren bei einem Bombenanschlag in einem Café in der Nähe des Justizpalastes neun Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Auch in den Wochen und Monaten zuvor hatte es in der syrischen Hauptstadt mehrere Anschläge gegeben. Zu keinem der Taten bekannte sich bisher eine Gruppe.
Historischer Besuch in Damaskus
Bereits am Montagabend hatte Macron die syrische Hauptstadt erreicht. Er ist der erste westeuropäische Staatschef, der Syrien seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 besucht. Aus europäischen Diplomatenkreisen in Syrien war zu hören, dass Paris die Visite schon seit Monaten vorbereitet hatte. Der Élyséepalast hatte Macrons Reise bis zu seiner Ankunft geheimgehalten und dies unter anderem mit Sicherheitsbedenken begründet.
Nach einem Arbeitsessen besichtigten Macron und Sharaa am Montagabend die berühmte Umayyaden-Moschee in Damaskus. In vorislamischer Zeit war die Moschee einst ein römischer Tempel und danach eine christliche Basilika gewesen. Dieses «Juwel von Syrien» zeuge «von so vielen Jahrhunderten der Geschichte, der Religionen und der Zivilisationen», schrieb Macron. Später am Dienstag will Macron zum NATO-Gipfel in die türkische Hauptstadt Ankara weiterreisen.
Trotz der Explosionen setzte Macron sein Programm wie geplant fort. Wie das französische Präsidialamt mitteilte, werde Macron seinen Besuch in Syrien fortsetzen. «Nichts wird das Streben der Syrerinnen und Syrer nach einem vollständig souveränen, sicheren, pluralistischen und geeinten Syrien behindern können», schrieb Macron im Onlinedienst X. Sein Besuch gehe weiter.
Frankreichs Engagement für Syrien
Auf der Pressekonferenz nach dem Treffen mit Sharaa bezeichnete Macron Frankreich als «verlässlichen und vorhersehbaren Partner» Syriens. Er kündigte an, dass Frankreich die Rückgabe eingefrorener Vermögenswerte im Wert von mehr als 50 Millionen Euro aus dem gefallenen Assad-Regime an Syrien plant. Macron sprach von einem neuen Kapitel der Stabilität und des Friedens.
Frankreich beabsichtigt zudem, wieder einen Botschafter nach Syrien zu entsenden. Macron wurde von einer Delegation französischer Unternehmer aus den Bereichen Energie, Bau und Transport begleitet. Der Energieriese Total beteiligt sich bereits an Gasprojekten vor der syrischen Küste, die Reederei CMA CGM betreibt den Hafen von Latakia. Syriens Regierung kündigte zudem an, acht zivile Airbus-Maschinen aus Frankreich zu kaufen.
Zudem kündigte Macron an, 23 archäologische Objekte an Syrien zurückzugeben, die 2010 dem Institut du monde arabe in Paris geliehen worden und wegen des syrischen Bürgerkriegs nicht zurückgebracht worden seien. Am Dienstag soll es demnach ein offizielles Treffen Macrons mit Sharaa und eine gemeinsame Pressekonferenz geben.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Die Gespräche sollen sich unter anderem um mögliche Investitionen in Syrien und den Wiederaufbau des Landes nach dem Bürgerkrieg drehen, der 13 Jahre dauerte. Der syrische Übergangspräsident Sharaa hatte bereits im Mai 2025 Paris besucht, damals war er der erste syrische Staatschef, der von einem westlichen Staatschef empfangen wurde. Schon bei Sharaas Besuch in Paris im Mai 2025 musste Macron sich gegen den Vorwurf verteidigen, einem früheren Jihadisten internationale Legitimität zu verschaffen.
Der syrische Parlamentarier Annas al-Abdah, der einst die syrische Nationalkoalition im Exil, ein gegen Asad gerichtetes Oppositionsbündnis, führte, sieht den Besuch positiv. «Der Besuch eines einflussreichen europäischen Anführers ist äusserst wichtig, um das Vertrauen in Syrien zu stärken», sagte der 59-Jährige. «Ich hoffe vor allem auf neue Investitionen», sagte al-Abdah wenige Stunden vor Macrons Ankunft am Montag.
Syrische Übergangsregierung und Minderheiten
Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA schrieb von einem «historischen Besuch» und einem «entscheidenden Meilenstein zur Wiederherstellung der internationalen Präsenz Syriens». Auch Ahmed al-Sharaa hat eine Einladung zum Treffen der westlichen Militärallianz erhalten.
Sharaa führte einst eine islamistische Miliz an, bevor er begann, sich als pragmatischer Staatsmann zu inszenieren. Er ist sunnitischer Muslim, wie auch die Mehrheit der syrischen Bevölkerung. Seit ihrer Machtübernahme im Dezember 2024 hat die neue, islamistische, syrische Führung unter Sharaa wiederholt versichert, die Minderheiten im Land zu schützen. Paris trete zudem für ein Syrien ein, «das alle seine Bevölkerungsgruppen respektiert», hatte der Élyséepalast angekündigt.
Unter anderem der sogenannte Islamische Staat (IS) hatte wegen Sharaas Anlehnung an den Westen zum Kampf gegen die Regierung aufgerufen. Auch im vergangenen Jahr waren bei Kämpfen rivalisierender Gruppen in Syrien mehrere hundert Menschen getötet worden. Eineinhalb Jahre nach dem Sturz Assads bleibt die Sicherheitslage in dem Land fragil.
Fragile Sicherheitslage
Frankreich werde nicht zulassen, dass in Syrien «eine Alleinherrschaft an die Stelle einer anderen Alleinherrschaft tritt», hatte der Élyséepalast erklärt. Macron werde «für ein freies, pluralistisches Syrien, das alle seine Bevölkerungsgruppen respektiert» eintreten. Syrien solle eine «mäßigende Rolle» in den Spannungen des Nahen Ostens spielen.
Diese Nachricht wurde am 07.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Was ist am 7. Juli 2026 in Damaskus passiert?
In der Nähe des Hotels «Four Seasons», in dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron übernachtet hatte, detonierten zwei Bomben. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und 18 weitere verletzt, darunter vier Polizisten.
Wer ist Ahmed al-Sharaa?
Ahmed al-Sharaa ist der ehemalige Anführer der islamistischen HTS-Miliz, die im Dezember 2024 das Regime von Bashar al-Assad stürzte, und amtiert seither als Übergangspräsident Syriens.
Welche konkreten Zusagen machte Frankreich bei dem Besuch?
Frankreich kündigte an, einen Botschafter nach Syrien zurückzuschicken, eingefrorene Vermögenswerte im Wert von mehr als 50 Millionen Euro aus dem Assad-Regime freizugeben und 23 archäologische Leihgaben des Institut du monde arabe zurückzugeben.
Bombenanschlag Damaskus: Explosionen bei Macrons | nachrichten360