Paris, 06 Juli 2026
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist am 06.07.2026 nach Syrien gereist und damit der erste hochrangige westliche Staatschef, der das Land seit dem Ende der Assad-Diktatur im Jahr 2024 besucht.
Historischer Besuch in Damaskus
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nach Syrien gereist und damit der erste hochrangige westliche Staatschef, der das Land seit dem Ende der Assad-Diktatur im Jahr 2024 besucht. Der Besuch Macrons unterstreicht den geopolitischen Wandel Syriens unter Präsident al-Sharaa. Die Ankunft am Flughafen von Damaskus und die zweitägige Reise wurden noch am selben Tag von der syrischen staatlichen Nachrichtenagentur SANA gemeldet und vom Pariser Élysée-Palast bestätigt.
Nach der Machtübernahme hatte der ehemalige Rebellenführer die Nähe zu westlichen Ländern und zu Staaten im Nahen Osten gesucht. Syria's Foreign Minister Asaad al-Shaibani empfing Macron nach der Landung am Flughafen von Damaskus. Der Empfang markiert einen bemerkenswerten Neuanfang in den Beziehungen zwischen Paris und Damaskus.
Der Empfang am Flughafen war der Auftakt zu einem Programm, das mehrere Arbeitsessen und Gespräche mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa sowie Treffen mit Akteuren der syrischen Zivilgesellschaft umfasst. Geplant ist außerdem ein Wirtschaftsforum zum Wiederaufbau Syriens und zu strategischen Korridoren. Im Zentrum steht die Frage, wie Frankreich den Wiederaufbau des Landes nach 13 Jahren Bürgerkrieg vorantreiben kann.
Hintergrund: Frankreichs lange Beziehung zu Syrien
Frankreich hatte nach dem Sturz Assads rasch eine Annäherung an Damaskus gesucht und die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Der letzte französische Staatschef, der Syrien besucht hatte, war Nicolas Sarkozy im Januar 2009. Kein Staatschef eines EU-Landes hatte Syrien seit 2010 besucht.
Die Beziehungen zwischen Paris und Damaskus hatten sich nach dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 dramatisch verschlechtert. Frankreich schloss seine Botschaft in Syrien und trat als erstes Land der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei. Zugleich lieferte Frankreich Waffen an die syrische Opposition im Kampf gegen den IS. Hintergrund ist auch, dass der IS mehrere schwere Terroranschläge in Frankreich verübt hat, darunter die Anschläge von Paris im Jahr 2015.
Vom Dialog zur Wiederannäherung
Frankreich hat eine lange historische Verbindung zu Syrien: Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde Paris zur Mandatsmacht in Syrien und im benachbarten Libanon. Von 1920 bis zur syrischen Unabhängigkeit im Jahr 1946 kontrollierte Paris faktisch die syrische Wirtschaft und das Bildungssystem. Der französische kulturelle und historische Einfluss ist in Syrien und im Libanon bis heute spürbar.
Macron hatte bereits etwas mehr als ein Jahr vor der Reise al-Sharaa im Élysée-Palast in Paris empfangen, obwohl der Islamist damals auf einer EU-Terrorliste stand. Dieser Empfang war damals umstritten. Macron sicherte Syrien Unterstützung beim Wiederaufbau zu, knüpfte diese jedoch an Bedingungen und begründete den Dialog mit nationalen Interessen, vor allem Sicherheitsinteressen, sowie dem Wunsch, den Einfluss auf Syrien nicht China und Russland zu überlassen.
In einem Beitrag auf der Plattform X erklärte Macron: "Ich komme, um das Engagement Frankreichs für das syrische Volk zum Ausdruck zu bringen. Lassen Sie uns gemeinsam ein neues Kapitel der Stabilität und des Friedens aufschlagen." Syrien erhofft sich von der Beziehung zu Frankreich konkrete Hilfe beim Wiederaufbau und eine Stärkung der angeschlagenen Wirtschaft, etwa durch Investitionen.
Geopolitische Verschiebungen
Syrien war während des verheerenden Bürgerkriegs und der brutalen Herrschaft von Bashar al-Assad, der Ende 2024 gestürzt wurde, weitgehend international isoliert. Die islamistische Miliz HTS unter Führung al-Sharaas hatte den langjährigen Machthaber Assad nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg gestürzt. Nach der Machtübernahme wurde al-Sharaa zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seither in Richtung Öffnung und Annäherung an den Westen.
Im Anschluss an den Syrien-Besuch reist Macron zum NATO-Gipfel im türkischen Ankara. Der Besuch Macrons unterstreicht den geopolitischen Wandel Syriens unter Präsident al-Sharaa und signalisiert eine Rückkehr Syriens auf die internationale Bühne. Die Reise gilt als historischer Moment in den Beziehungen zwischen Europa und dem Land nach Jahren der Isolation.
Diese Nachricht wurde am 06.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
