Zugspitztour und stille Rituale: Maren Hammerschmidt erinnert an Laura Dahlmeier
Garmisch-Partenkirchen, 22. Juli 2026
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Kurzfassung
Zum ersten Todestag von Laura Dahlmeier ist ihre frühere Zimmerkollegin Maren Hammerschmidt auf die Zugspitze gestiegen – einen Aufstieg, den die beiden eigentlich gemeinsam machen wollten. Die heute 36-Jährige spricht über Trauer, Rituale mit weißem Salbei und Palo Santo und die Gewissheit, ihre Freundin wiederzusehen.
Am ersten Todestag der ehemaligen Biathletin Laura Dahlmeier ist deren langjährige Zimmerkollegin Maren Hammerschmidt auf die Zugspitze gestiegen und hat mit Erinnerungen, Ritualen und einem Blick auf das Karakorum-Gebirge an ihre Freundin erinnert.
Die Tour auf Deutschlands höchsten Berg war eigentlich als gemeinsames Projekt geplant. "Es wäre richtig schön gewesen, es mit ihr zusammen zu machen. Sie hätte mir in ihrer Heimat jedes Fleckchen zeigen können", sagt Hammerschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Da Laura Dahlmeier am 28. Juli 2025 am Laila Peak im pakistanischen Karakorum durch einen Steinschlag auf rund 5.700 Metern Höhe ums Leben kam, ging Hammerschmidt den Aufstieg nun allein. Die 36-Jährige arbeitet inzwischen als Pressesprecherin des deutschen Biathlon-Teams.
Die enge Freundschaft der beiden hatte beim Weltcup in Hochfilzen im Dezember 2015 begonnen. Weil am Ende "wir quasi übrig geblieben sind", wurden sie zufällig Zimmerkolleginnen. "Wir haben viel gelacht, uns fast jeden Tag gefoppt, hatten einfach unheimlich viel Spaß zusammen", erinnert sich Hammerschmidt. Schnell entwickelte sich ein Vertrauen, das auch über den Sport hinausging: "Laura stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich sie natürlich auch egoistisch ihre Ziele verfolgt hat." Über die ernsten Seiten des Lebens sprachen sie ebenfalls offen.
Eine Freundschaft beginnt in Hochfilzen
Dahlmeier, doppelte Olympiasiegerin und siebenmalige Weltmeisterin, war in der gemeinsamen Zeit der überragende Star des Teams. "Das hat sie aber nie raushängen lassen, das habe ich an ihr immer sehr geschätzt. Sie war einfach die Beste." Auch über Verlust und Tod hatten sie gesprochen – auch über den engen Freund, der kurz vor den Olympischen Spielen 2018 beim Klettern starb. Damals fragte sich Dahlmeier, ob sie ihrer Bergleidenschaft weiter nachgehen sollte. "Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre", sagt Hammerschmidt.
Für Hammerschmidt ist die Trauer auch ein Jahr nach dem Unglück nicht vorbei. "Die Trauer kommt nach wie vor in Wellen, auch wenn es langsam besser wird", erzählt die Ex-Sportlerin. Anfangs habe sie versucht, den Schmerz nicht an sich heranzulassen. "Das hat mir in meinem Trauerprozess natürlich nicht geholfen. Weil es einfach unbegreiflich für mich war." Auch Videos ihrer Freundin habe sie lange nicht ansehen können. "Ich habe immer gedacht, ihr passiert nie irgendwas. Laura war für mich eine Naturgewalt, die unzerstörbar war."
Umso größer sei das Bedauern, Dinge nicht mehr gemeinsam erlebt zu haben. "Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte." Aufschieben wolle sie nun nicht mehr so viel. Eine Erkenntnis, die sie direkt aus dem Verlust zieht.
Rituale und innerer Frieden
Von ihrer Freundin übernommen hat Hammerschmidt Rituale, die bis heute ihren Alltag prägen. "Laura ist immer mit einem Palo Santo (übersetzt "heiliges Holz") gereist", erzählt sie. Zündet sie das Holz an, erinnere sie der Geruch sofort an Laura. Manchmal habe Dahlmeier auch weißen Salbei entzündet, um schlechte Geister zu vertreiben. "Und manchmal hat sie bei uns im Zimmer auch weißen Salbei angezündet." Auch wenn es ihr zu viel werde, greife sie zu einem kleinen Buddha an einer Kette, die Dahlmeier viel bedeutet habe. "Das gibt mir dann ein bisschen Ruhe und Stärke."
Dahlmeier war dem Buddhismus zugeneigt und glaubte fest an eine Verbindung über den Tod hinaus. "Laura glaubte sehr stark an eine innere Kraft und dass man auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sein kann", sagt Hammerschmidt. Auch ihre Mutter Susi Dahlmeier bringt diese Haltung zum Ausdruck: "Das war sie und das ist sie." Hammerschmidt teilt diesen Glauben: "Ich kann nicht sagen, wo man dann sein wird. Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt."
Der Unglückstag am Laila Peak
Dahlmeier, die als ausgebildete Bergführerin den Laila Peak ursprünglich mit ihrem im Januar 2022 bei einem Lawinenunglück gestorbenen Ex-Freund erklimmen wollte, hatte den Gipfelsturm bei schwierigen Wetterbedingungen abgebrochen. Beim Abstieg auf 5.700 Metern Höhe wurde sie von einem Steinschlag am Kopf getroffen, eine Bergung war nicht mehr möglich. Die Nachricht vom Tod habe Hammerschmidt an einem ganz alltäglichen Abend erreicht. "Ich habe das noch sehr bildlich vor Augen, weil ich bei mir zu Hause abends durch den Garten gegangen bin und gegossen habe", erinnert sie sich.
Die Zugspitze stand für Hammerschmidt am Ende für das, was bleibt: ein gemeinsamer Plan, der nun allein verwirklicht wurde, aber das Gefühl, Laura Dahlmeier auf dem Berg nahe zu sein. "Aber ich habe es des Öfteren im Kopf und wenn ich Sachen mache, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, denke ich tatsächlich oft: Das hätte Laura gefallen", sagt sie.
Auch Dahlmeiers Freundschaft habe Spuren im Blick auf das eigene Leben hinterlassen: "Dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns öfter zu sehen", erzählt Hammerschmidt. Heute sagt sie sich: "Wir müssen ja noch einige Gespräche führen" – und meint damit vor allem die Gespräche, die ihr mit ihrer verstorbenen Freundin bleiben.
Was bleibt: Erinnerung und offene Gespräche
Wie sehr ihr Verstorbener fehlt, bringt Hammerschmidt in einem Bild auf den Punkt, das den Kreis zu Dahlmeiers Berg schließt: "Der schönste Friedhof für Laura" sei der Ort, an dem alles begann – die Berge, die sie "quasi verschluckt" haben.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die Erinnerung weiterwandert. Beim nächsten Mal, wenn Hammerschmidt ein Stück Palo Santo entzündet, wenn sie im Garten steht oder wenn sie die Zugspitze im Morgennebel sieht, ist Laura Dahlmeier für einen Moment wieder ganz nah.
Die Geschichte der beiden ist auch die Geschichte einer Sportlerin, die für ihre Disziplin brannte und für ihre Freundin da war. "Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre", sagt Hammerschmidt – der Satz bleibt unvollendet, weil manches über den Tod hinaus nicht zu Ende erzählt werden kann.
Fragen & Antworten
Wer war Laura Dahlmeier?
Laura Dahlmeier war eine deutsche Biathletin und siebenmalige Weltmeisterin, die doppelte Olympiasiegerin war und am 28. Juli 2025 am Laila Peak im Karakorum durch einen Steinschlag ums Leben kam.
Wie entstand die Freundschaft zwischen Hammerschmidt und Dahlmeier?
Maren Hammerschmidt und Laura Dahlmeier lernten sich beim Weltcup in Hochfilzen im Dezember 2015 kennen und wurden zufällig Zimmerkolleginnen, weil am Ende "wir quasi übrig geblieben sind".
Was bedeutet die Zugspitze für Maren Hammerschmidt?
Die Tour auf die Zugspitze war ursprünglich als gemeinsames Projekt der beiden Freundinnen geplant; nach Dahlmeiers Tod ist sie für Hammerschmidt ein Ort der Erinnerung an ihre verstorbene Freundin.
Hammerschmidt erinnert an Dahlmeier: Zugspitze zum Jahrestag | nachrichten360