Zelenskyj und Netanyahu zu Gast bei Trump: Gespräche über Ukraine-Krieg und Iran-Konflikt am Tag von Grahams Trauerfeier
Washington, 28 Juli 2026
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag in Washington nacheinander den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskyj und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Oval Office getroffen. Anlass war die Trauerfeier für den verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham, eines langjährigen Unterstützers beider Länder.
Washington, 28 Juli 2026
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag in Washington nacheinander den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskyj und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Weißen Haus empfangen, am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham.
Die Treffen fanden hinter verschlossenen Türen statt, wie das Weiße Haus mitteilte. Demnach begann das Gespräch mit Zelenskyj um 9.47 Uhr Ortszeit (15.47 Uhr MESZ) und dauerte nach Angaben von US-Medien knapp eine Stunde. Unmittelbar danach traf Trump auf Netanyahu; dieses Gespräch dauerte rund anderthalb Stunden.
An dem Treffen mit Netanyahu nahmen nach Angaben des Büros des israelischen Ministerpräsidenten unter anderem Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Vizepräsident J. D. Vance teil. Auch bei dem Gespräch mit Zelenskyj waren US-amerikanische und ukrainische Ressortchefs zugegen.
Anlass der Reise beider Staatschefs war die Trauerfeier für Lindsey Graham, der am 11. Juli im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Herzerkrankung gestorben war. Graham galt als einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine und Israels im US-Kongress und hatte sich in den vergangenen Monaten besonders für ein neues Sanktionspaket gegen Russland stark gemacht.
Anlass: Trauerfeier für Senator Lindsey Graham
Zelenskyj sprach dem Präsidenten sein Beileid aus. Auf der Plattform X schrieb er: «A good meeting with President Trump @POTUS at the Oval Office. Thank you for everything we do together to protect the lives of Ukrainians and advance peace. First and foremost, I offered President Trump our condolences on the passing of Lindsey Graham. He was a true friend of…»
Der ukrainische Präsident veröffentlichte zudem Fotos aus dem Oval Office und bezeichnete die Unterredung als «guten Treffen mit Präsident Donald J. Trump im Oval Office». Er sei den Vereinigten Staaten dankbar für ihre «feste Unterstützung». Trump habe ihm «für alles, was wir gemeinsam tun, um das Leben der Ukrainer zu schützen und den Frieden voranzubringen» gedankt.
Inhaltlich ging es bei dem Gespräch nach Angaben Zelenskyjs vor allem um die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gegen russische Raketenangriffe. «Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können», schrieb der Ukrainer auf X. Eine Sprecherin Trumps, Karoline Leavitt, erklärte, «Beide Treffen verliefen positiv und produktiv!»
Themen mit Zelenskyj: Luftabwehr und Patriot-Lizenz
Trump hatte zuvor angekündigt, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Raketen zu erteilen. Der Aufbau der Produktionskapazitäten in der Ukraine werde allerdings Monate dauern und die Ausbringungsmengen den Bedarf gegen russische Raketenangriffe kaum decken, hieß es in Berichten. Erst Mitte Juli hatte Selenskyj einen Mindestbedarf von 300 Patriot-Abwehrraketen für die drei Wintermonate genannt.
Auch eine Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stand auf der Agenda. Die USA sehen sich in dem Konflikt als Vermittler; ihre Bemühungen für ein Kriegsende seien zuletzt aber auch infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten, schrieb die dpa.
Themen mit Netanyahu: Iran und Geheimdiensterkenntnisse
Das Treffen mit Netanyahu war das erste persönliche Gespräch Trumps mit dem israelischen Regierungschef seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Damals waren die USA und Israel gemeinsam in den Konflikt mit der Islamischen Republik eingetreten. Bei dem Gespräch im Oval Office ging es nach Angaben aus Israel vor allem um den Iran.
Zum Auftakt seiner US-Reise hatte Netanyahu deutlich gemacht: «Wichtigstes Thema bei dem Treffen mit Trump werde Iran sein.» Der israelische Fernsehsender N12 berichtete, Netanyahu wolle Geheimdiensterkenntnisse über angebliche iranische Anstrengungen zum Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten vorlegen, auch durch den höchsten Führer Ajatollah Mojtaba Chamenei hin zu einer Atomwaffe.
Die «New York Post» berief sich unterdessen auf eine israelische Quelle, wonach Netanyahu Trump über die nuklearen Aktivitäten am Standort «Pickaxe Mountain» in Zentraliran unterrichten wollte. Teheran dementiert solche Berichte schon seit Jahren.
Allerdings hatte Trump bereits in einem Interview mit Fox News angekündigt, er bevorzuge eine diplomatische Lösung mit Iran gegenüber schwereren Angriffen. Gegenüber Reportern sagte er mit Blick auf Netanyahu: «Nun, ich brauche Bibi nicht, um mir das zu sagen. Bibi erzählt mir das, weil er möchte, dass ich weiterhin involviert bleibe.» Medienberichten zufolge soll Trump Netanyahu zudem am Telefon angeschrien und als «verrückt» bezeichnet haben.
Spannungen zwischen Washington und Jerusalem
Zwischen den beiden Verbündeten gibt es seit geraumer Zeit Spannungen. Während Israel den Krieg gegen Iran fortsetzen will, drängt Trump auf eine diplomatische Lösung. Hinzu kommt, dass Vizepräsident J. D. Vance Israel zuletzt scharf kritisiert hatte und Trump jüngst ein einseitig wirkendes Abkommen mit Iran sowie ein Nuklearabkommen mit Saudi-Arabien abgeschlossen hat. Der Nahost-Experte Bauke Baumann sagte, das Verhältnis zwischen den USA und Israel sei beschädigt, es gebe einen «Bruch, der Israel schade».
Vor einer richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanyahu entscheidend, eine geschlossene Front mit Trump zu präsentieren. Nach Einschätzung der «Times of Israel» dürfte es jedoch eine große Herausforderung sein, Trump davon zu überzeugen, einen ins Stocken geratenen diplomatischen Prozess zugunsten eines neuen großangelegten Militäreinsatzes aufzugeben.
Das Bild der Beziehung zwischen Trump und Zelenskyj ist ebenfalls komplex. Noch im Februar 2025 hatte Trump seinen ukrainischen Amtskollegen im Oval Office vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen Vorwürfen überzogen und unter anderem vorgeworfen, einen hoffnungslosen Kampf zu führen und einen Dritten Weltkrieg zu riskieren. Nach dem damaligen Treffen hatte Trump die Militärhilfen an die Ukraine und den Austausch von Geheimdienstinformationen zeitweise sistiert.
Belastete Beziehung: Vom Eklat im Februar zum Vatikan-Gespräch
Laut Zelenskyj markierte jedoch ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025 den Wendepunkt. Seitdem hat sich die Zusammenarbeit wieder verbessert; Trump und Zelenskyj trafen sich zuletzt Anfang des Monats beim Nato-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian. In Ankara hob Trump zudem hervor, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Amtskollegen habe.
Sanktionspaket gegen Russland im Senat
Neben den Trauergottesdiensten in Washington stand am Dienstag auch das seit langem im Senat blockierte Sanktionspaket gegen Russland auf der politischen Tagesordnung. Eine Gruppe Senatoren beider Parteien einigte sich auf einen neuen Gesetzentwurf, der Trump ermächtigen soll, Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die fünf größten Käufer russischen Rohöls und Erdgases zu verhängen. Der Entwurf richtet sich auch gegen Länder, die Russland bei der Umgehung von Energiesanktionen helfen, und enthält eine Verlängerung von Sanktionen gegen Iran.
Einige Demokraten kritisieren den Gesetzentwurf, weil Trump neue Vollmachten zur Verhängung von Zöllen erhielte. Dennoch gilt eine Mehrheit im Senat als wahrscheinlich. Nach Grahams Tod versuchen mehrere Senatoren, das zentrale Anliegen ihres verstorbenen Kollegen zum Abschluss zu bringen. Der Senat könnte das Gesetz nach einer ersten Abstimmung am Dienstag noch in dieser Woche bereinigen; das Repräsentantenhaus tagt allerdings erst im September wieder, sodass das Gesetz frühestens dann in Kraft treten könnte.
Im Einklang mit Grahams Wirken soll das Sanktionspaket nach jüngst veröffentlichten Änderungen seinen Namen tragen. Trump hat bereits angekündigt, das Gesetz zu unterzeichnen. Auf den Senat kommt in den kommenden Wochen zudem weiterer Druck zu: Nach dem Gottesdienst in der National Cathedral und der Gedenkfeier auf dem Kapitol, wo Grahams Sarg aufgebahrt war, waren alle 100 Senatoren zu einem Treffen mit Zelenskyj am Abend (US-Ostküstenzeit) eingeladen, wie das US-Portal «The Hill» berichtete.
Hintergrund der Sanktionsdebatte ist auch die weltwirtschaftliche Lage. China und Indien, wichtige Abnehmer russischen Öls, drohen wegen des Gesetzes weitere Belastungen im Handel mit den USA. Trump hatte zuvor bereits einen befristeten Zoll von 25 Prozent auf Waren aus Indien wegen dessen russischer Ölkäufe verhängt. Die US-Regierung hat zudem in den vergangenen Monaten Sanktionen gegen russische Öllieferungen vorübergehend ausgesetzt, um Preissteigerungen auf dem Weltmarkt nach der Schließung der Straße von Hormuz infolge des Iran-Kriegs entgegenzuwirken.
Fragen & Antworten
Wer war Lindsey Graham und warum war sein Tod für Ukraine und Israel bedeutsam?
Lindsey Graham war ein republikanischer US-Senator, der am 11. Juli 2026 im Alter von 71 Jahren an einer Herzerkrankung starb. Er galt als einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine und Israels im US-Kongress und trieb ein neues Sanktionspaket gegen Russland voran.
Worüber sprach Trump mit Netanyahu beim Treffen im Weißen Haus?
Im Mittelpunkt stand der Iran-Krieg, den Israel und die USA Ende Februar gemeinsam begonnen hatten. Netanyahu wollte Trump nach eigener Aussage über angebliche iranische Atomwaffenaktivitäten informieren, während Trump auf eine diplomatische Lösung drängt.
Was ist der Stand des neuen US-Sanktionspakets gegen Russland?
Eine überparteiliche Senatorengruppe einigte sich am Dienstag auf einen Gesetzentwurf, der Zölle von bis zu 100 Prozent auf die fünf größten Käufer russischen Öls und Gases ermöglicht. Der Senat könnte das Gesetz noch in dieser Woche bereinigen, das Repräsentantenhaus tagt jedoch erst im September wieder.
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