Selenskyj schickt Bitte ans Weiße Haus: Trumps Raketen gegen Putins „letzten großen Vorteil“
Kiew, 28. Mai 2026
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Kurzfassung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Brief an US-Präsident Donald Trump und den Kongress um zusätzliche Luftabwehrsysteme gebeten. Unterdessen wies die EU russische Forderungen nach einem Abzug ihres diplomatischen Personals aus Kiew zurück und bestellte den russischen Geschäftsträger ein.
Angesichts massiver russischer Luftangriffe mit ballistischen Raketen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die USA in einem Brief um dringende Verstärkung der Luftverteidigung gebeten.
Selenskyjs Brief: Bitte um Schutz vor ballistischen Raketen
In dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, bittet Selenskyj die US-Regierung, der Ukraine zu helfen, „dieses lebenswichtige Instrument zum Schutz vor dem russischen Terror“ zu sichern. Der Brief ging sowohl an Präsident Donald Trump als auch an den US-Kongress.
Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn bestätigte gegenüber Journalisten den Versand des Schreibens. Darin beklagt der ukrainische Präsident, dass die Waffenlieferungen über das PURL-Programm nicht mehr der Bedrohungslage entsprächen. Das Programm erlaubt es NATO-Verbündeten, US-Waffen für die Ukraine zu kaufen.
Die Ukraine sei beim Schutz vor ballistischen Raketen fast vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig, schrieb Selenskyj. Er betonte, Kiew sei bereit, die benötigten Patriot-Systeme und Abfangraketen zu kaufen.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte unterdessen, er beabsichtige, weiterhin im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu vermitteln. Während eines Besuchs in Indien sagte Rubio: „Jedes Mal, wenn man diese massiven Angriffe der einen oder anderen Seite sieht, ist dies eine mahnende Erinnerung daran, warum dies ein schrecklicher Krieg ist. Er muss beendet werden.“
Massive russische Angriffe am Pfingstwochenende
Am Pfingstwochenende hatte die russische Armee die Ukraine, insbesondere die Hauptstadt Kiew, massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen. Dabei setzte Russland auch die nuklearfähige Hyperschallrakete Oreschnik ein. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland am Sonntag 30 ballistische Raketen ab, von denen nur elf abgefangen werden konnten.
Bei den Angriffen auf Kiew starben zwei Menschen, 91 wurden verletzt. Das Büro der Deutschen Welle und das ARD-Studio in Kiew wurden massiv beschädigt und teilweise zerstört. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja bezeichnete den Schaden am ARD-Studio als unbeabsichtigten Kollateralschaden.
Russland hatte zuvor eine „Reihe systematischer Angriffe“ gegen militärische und politische Entscheidungszentren in Kiew angekündigt und Diplomaten sowie andere Ausländer aufgefordert, die Stadt schnellstmöglich zu verlassen. Moskau begründete die Eskalation als Vergeltung für einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim in der russisch besetzten Region Luhansk.
Die Ukraine wies die Anschuldigung zurück und erklärte, sie habe eine militärische Kommandoeinheit getroffen. Nach Angaben der Besatzungsbehörden wurden bei dem Angriff auf Starobilsk in der Vorwoche 21 Zivilisten getötet. Der ukrainische Generalstab gab an, der Angriff habe einer Drohneneinheit des russischen Militärs gegolten.
Diplomatische Reaktionen: EU und Deutschland weisen Russland zurück
Russlands Außenminister Sergej Lawrow rechtfertigte das Vorgehen in einem Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf Zivilisten. Präsident Wladimir Putin ordnete Vergeltungsmaßnahmen an.
Die EU wies die russische Forderung nach einem Abzug ihres diplomatischen Personals aus Kiew zurück. Die Leiterin der EU-Vertretung in Kiew, Katarina Mathernova, erklärte, die Vertretung werde in Kiew bleiben. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die Verbündeten dazu auf, der russischen Erpressung nicht nachzugeben.
Die EU bestellte den Geschäftsträger der russischen Botschaft in Brüssel ein. Eine Sprecherin der EU-Kommission, Anitta Hipper, nannte die russischen Drohungen auf X eine „inakzeptable Eskalation“. Die EU forderte Russland auf, die Beschießung von Zivilisten einzustellen und einer „vollständigen und bedingungslosen Waffenruhe“ zuzustimmen.
Auch die Bundesregierung bestellte den russischen Botschafter ein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte Estland, Lettland und Litauen nach jüngsten Drohnenvorfällen im Baltikum Unterstützung zu.
Ukrainische Gegenschläge und die Raketen-Lücke
Selenskyj kündigte nach Beratungen mit seiner Militärführung neue Gegenschläge auf russisches Territorium an. Die Angriffe zielen besonders auf Einrichtungen der russischen Ölindustrie, um Moskaus Einnahmen aus Energieexporten zu verringern. Der Präsident postet seit Wochen Videos und Fotos von Angriffen in Russland in sozialen Netzwerken.
Militärexperte Nico Lange von der Münchner Sicherheitskonferenz schätzt, dass Russland jährlich rund 850 ballistische Raketen produziert. Die USA bauen im gleichen Zeitraum nur etwa 600 Patriot-PAC-3-Raketen. Pro anfliegender ballistischer Rakete müssen mehrere Abfangraketen einkalkuliert werden.
Lange identifizierte zwei „Achillesfersen“ der russischen Raketenproduktion: Treibstoffchemikalien aus Usbekistan und westliche Mikroelektronik, die über Belarus, Zentralasien und China ins Land gelangt. Er empfahl wirksame Sanktionen gegen westliche Unternehmen in Russlands Lieferketten. „Russlands Lieferketten für die Produktion ballistischer Raketen hart zu unterbrechen, ist die beste Luftverteidigung für Europa. Dazu gehört auch, die Ukraine bei der Bombardierung russischer Fabriken für das Raketenprogramm zu unterstützen“, sagte Lange.
Russlands Rekrutierungsoffensive und Druck auf Nachbarn
Unterdessen setzt Russland finanzielle Anreize, um neue Rekruten zu gewinnen. Präsident Putin unterzeichnete ein Dekret, das neuen Soldaten und ihren Familien Schulden in Höhe von bis zu zehn Millionen Rubel, umgerechnet rund 120.000 Euro, erlässt. Das Angebot gilt für alle Russen, die ab dem 1. Mai einen Vertrag mit der Armee unterzeichnen.
Die Rekruten müssen sich zu mindestens einem Jahr Dienst für die „Erfüllung der Aufgaben der militärischen Spezialoperation“ verpflichten, wie Moskau den Ukraine-Krieg nennt. Russland bietet seit mehr als vier Jahren lukrative Gehälter für Männer, die sich zum Einsatz in der Ukraine verpflichten.
In einem weiteren Schritt verabschiedete Russland ein Gesetz, das der Zentralbank, der Sberbank und der russischen Geldtransportvereinigung erlaubt, eigene Drohnenabwehrsysteme zu betreiben und ihr Personal zu bewaffnen. Der Leiter des Finanzausschusses der Duma, Anatoli Aksakow, erklärte, die Finanzinstitute würden die Kosten selbst tragen.
Russland erhöht zudem den Druck auf Armenien wegen dessen Annäherung an die Europäische Union. Einem Zeitungsbericht zufolge drohte Moskau mit der Kündigung eines günstigen Liefervertrags für Gas, Ölprodukte und Rohdiamanten. Ein Schreiben des russischen Energieministeriums erklärte, die EU-Beitrittsbemühungen Armeniens widersprächen der Partnerschaft mit Moskau.
Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben das Vorrücken der russischen Invasoren deutlich verlangsamt. US-Experten sehen Anzeichen für eine neue Phase im Ukraine-Krieg und Chancen für die Verteidiger. Russland sei zu groß, um sich umfassend gegen ukrainische Angriffsdrohnen zu verteidigen.
Fragen & Antworten
Was fordert Wolodymyr Selenskyj in seinem Brief an Donald Trump?
Selenskyj bittet um zusätzliche Patriot-Luftabwehrsysteme und Abfangraketen, da die Ukraine beim Schutz vor ballistischen Raketen fast vollständig von den USA abhängig ist.
Warum hat Russland die Angriffe auf Kiew am Wochenende verstärkt?
Moskau bezeichnet die Angriffe als Vergeltung für einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim in der besetzten Region Luhansk, bei dem nach russischen Angaben 21 Zivilisten starben.
Wie reagierte die EU auf die russische Forderung nach einem Abzug aus Kiew?
Die EU wies die Forderung zurück, bestellte den russischen Geschäftsträger ein und nannte die Drohungen eine „inakzeptable Eskalation“; die EU-Vertretung bleibt in Kiew.
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