Schwere russische Angriffe auf Kiew kurz vor NATO-Gipfel in Ankara
Berlin, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Einen Tag vor dem NATO-Gipfel in Ankara hat Russland die nächste schwere Angriffswelle auf ukrainische Städte gestartet. In der Region Kiew und im Umland der Hauptstadt starben mindestens 17 Menschen, die Zahl der Verletzten liegt bei rund 90.
Einen Tag vor dem NATO-Gipfel in der Türkei hat Russland die nächste schwere Angriffswelle auf ukrainische Städte gestartet und dabei in der Region Kiew und im Umland der Hauptstadt mindestens 17 Menschen getötet.
Nach Angaben von Behörden seien insgesamt 21 Menschen getötet worden, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Rund 90 weitere Personen wurden bei den russischen Angriffen auf Kiew und das Umland in der vorherigen Nacht verletzt. Ersten Berichten zufolge lag die Zahl der Toten in Kiew zunächst bei mindestens 7, stieg dann auf 10 und schließlich auf mindestens 17 in der gesamten Region.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als brutal. Selenskyj zufolge setzte das russische Militär in der Nacht neben 351 Drohnen auch 68 Raketen und Marschflugkörper ein. Bei der Abwehr von Drohnen und Marschflugkörpern sei sein Land erfolgreich gewesen, allerdings nicht bei der Abwehr ballistischer Raketen. Unsere Kämpfer haben heute ein gutes Resultat beim Abschuss von Drohnen und Marschflugkörpern gezeigt, aber leider nicht gegenüber der russischen Ballistik, schrieb Selenskyj.
Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern
Laut Selenskyj ist das Problem bei ballistischen Raketen, dass es nicht genügend Abwehrmittel gibt. Er führte dies auf einen Mangel an geeigneten Abfanggeschossen zurück. Patriot-Raketen seien das einzige wirksame Mittel der Ukraine gegen russische ballistische Raketen. Die Ukraine kann ballistische Raketen nur mit Hilfe westlicher Luftabwehrsysteme, konkret des US-amerikanischen Patriot-Systems, abfangen.
Zugleich warnte Selenskyj: Wenn Patriot-Raketen in den Lagern der Verbündeten verstaubten, ermutige das Russland nur, seinen Krieg gegen Wohnhäuser fortzusetzen. Wenn die entsprechenden Abwehrmittel vorhanden sind, erzielen unsere Soldaten wirklich hohe Abschussquoten, betonte der ukrainische Präsident. Bereits im Frühjahr hatte sich Selenskyj darüber beschwert, dass der Ukraine die Munition für Patriot-Systeme ausgehe.
Mangel an Patriot-Abwehrraketen
Nach russischen Angaben fing das eigene Militär in der Nacht mehr als 600 ukrainische Drohnen ab. Die ukrainische Seite griff nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums rund 20 russische und russisch kontrollierte Gebiete an, darunter die seit 2014 von Moskau annektierte Halbinsel Krim. Russland überzieht die Ukraine seit fast viereinhalb Jahren mit Raketen- und Drohnenangriffen.
Auf der Krim tötete ein Drohnenangriff nach Angaben des von Moskau eingesetzten Gouverneurs Sergei Aksjonow eine Frau und verletzte zwei weitere. In der Hafenstadt Sewastopol wurde nach Angaben von Gouverneur Michail Raswoschajew Energieinfrastruktur getroffen. Raswoschajew schrieb später, die Stromversorgung für die meisten Haushalte sei nach Umstellung auf Reservekapazität wiederhergestellt worden.
Gegenangriffe: Ukraine trifft Ziele in Russland
Die Ukraine ihrerseits hat mit Drohnenangriffen mehrere strategische Ziele in Russland attackiert. Am Montag griffen ukrainische Drohnen nach Angaben des ukrainischen Generalstabs die größte russische Ölraffinerie in Omsk tief in Sibirien an. Die Industriestadt Omsk liegt rund 2.700 Kilometer von der Grenze entfernt. Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs war die Region Omsk in Westsibirien Ziel von Drohnen.
Der Angriff auf Omsk gehört zu den ukrainischen Drohnenschlägen mit der größten Reichweite seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren. Nach russischen Angaben zielte die ukrainische Drohnenwelle auf Hafen- und Ölinfrastruktur. Das unabhängige Internetportal Astra meldete einen weiteren Angriff auf die Raffinerie in der Stadt Jaroslawl nördlich von Moskau. Zudem wurden zwei Schiffe der russischen «Schattenflotte» angegriffen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, die Ukraine verstärkt mit Flugabwehrwaffen zu versorgen. Die Ukraine braucht dringend mehr Luftabwehr. Wir werden dies diese Woche in Ankara beim NATO-Gipfel besprechen, kündigte von der Leyen an. Zudem schrieb sie auf X, Russland habe in der Nacht erneut Zivilisten aus der Luft angegriffen. Der Druck auf Russland werde weiter erhöht, bis das Blutvergießen ein Ende hat.
Appelle an den NATO-Gipfel
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky hat daraufhin die Nato zu mehr Hilfe bei der Flugabwehr aufgerufen. Es ist äußerst wichtig, dass die Welt, allen voran Amerika und unsere europäischen Partner, vom NATO-Gipfel starke Entscheidungen zur Unterstützung unserer Luftabwehr und zum Schutz von Zivilisten mitbringt, schrieb Selenskyj auf Telegramm. Dieser dürfe nicht nur „leere Worte" hervorbringen, sondern mehr Schutz für die Ukraine.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich vor dem NATO-Gipfel optimistisch über Fortschritte bei der Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Präsident Putin will, dass es endet. Das kann ich Ihnen sehr deutlich sagen, sagte Trump. Ich glaube, wir werden den Krieg beenden, fügte er hinzu. Eine Einigung sei näher, „als die Menschen glauben". Trump hatte am Samstag sowohl mit Putin als auch mit Selenskyj telefoniert. Trump erklärte zudem, Gespräche mit Russland und der Ukraine liefen weiter.
Trump optimistisch – Telefonate mit Putin und Selenskyj
Ein Treffen zwischen Trump und Selenskyj am Rande des Gipfels in Ankara ist nach Angaben des Weißen Hauses für Mittwoch geplant. Nach Angaben eines hochrangigen US-Regierungsvertreters soll es bei dem Treffen um Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges in der Ukraine gehen. Trump wird im Anschluss mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen. Selenski wird am Mittwoch am Nato-Gipfel in Ankara mit US-Präsident Trump zusammentreffen.
Der zweitägige NATO-Gipfel in Ankara beginnt am Dienstag. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte im Vorfeld ebenfalls zu mehr Unterstützung für die Ukraine, insbesondere bei der Luftabwehr, aufgerufen und Verbündete sowie Partner aufgefordert, ihre Hilfe fortzusetzen. Selenski fordert Nato-Beschlüsse nach Raketenangriff.
Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen soll der NATO-Gipfel der Ukraine Finanzzusagen von mindestens 140 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre geben. Laut einem Vertreter der Bundesregierung besteht dieser Betrag aus einem 90-Milliarden-Euro-Darlehen der EU und bilateraler Hilfe. Der Entwurf der Gipfelerklärung sieht demnach 70 Milliarden Euro für 2026 und mindestens 70 Milliarden Euro für 2027 vor, die von europäischen Partnern zusammen mit Kanada bereitgestellt werden sollen.
Finanzzusagen und politische Erwartungen
Seit Beginn der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben sich die USA weitgehend aus der Ukraine-Hilfe zurückgezogen. Nach dem G7-Gipfel in Evian, Frankreich, gibt es Hoffnung, dass Trump wieder stärker in die Unterstützung der Ukraine eingebunden werden kann. Der US-Krieg gegen den Iran habe die weltweiten Bestände an Patriot-Abwehrraketen weiter verringert, hieß es. Eine ukrainische NATO-Mitgliedschaft wird beim Gipfel in Ankara voraussichtlich nicht zur Sprache kommen, da die USA ihre ablehnende Haltung nicht geändert haben.
Zelenskyj hatte zudem angedeutet, dass die Ukraine Patriot-Raketen selbst herstellen könnte, dazu aber US-Lizenzen und Genehmigungen benötige. Russland habe bei den Angriffen Marschflugkörper und Raketen eingesetzt. Marschflugkörper können von Angreifern leichter manövriert werden und sind aufgrund ihrer niedrigen Flughöhe für Luftabwehrradar schwerer zu entdecken. Ballistische Raketen sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger zu verteidigen.
Die Ukraine griff mit Drohnen außerdem Ostseehäfen und die Krim an. Russland meldete ukrainische Angriffe in verschiedenen Teilen des Landes. Der Bericht wurde am 06.07.2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Quellen: Agenturen, SRF.
Der ukrainische Präsident hatte zudem erklärt, dass Selenskyj auch ein Ende des Krieges wolle. Mit Blick auf das Treffen mit Trump sagte er, die Welt müsse starke Entscheidungen zum Schutz der Zivilbevölkerung mitbringen. Das Treffen gilt als wichtiger Test für die Frage, ob Trump den Druck auf Moskau erhöhen wird.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind bei den russischen Angriffen auf Kiew ums Leben gekommen?
Behörden zufolge seien insgesamt 21 Menschen getötet worden. In der Region Kiew und im Umland der Hauptstadt starben mindestens 17 Menschen, rund 90 weitere wurden verletzt.
Warum kann die Ukraine ballistische Raketen nicht abfangen?
Nach Angaben von Präsident Selenskyj fehlt es der Ukraine an geeigneten Abfangraketen. Patriot-Raketen seien das einzige wirksame Mittel gegen russische ballistische Raketen.
Was plant der NATO-Gipfel in Ankara für die Ukraine?
Der zweitägige NATO-Gipfel beginnt am Dienstag in Ankara und soll laut deutschen Regierungskreisen Finanzzusagen von mindestens 140 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre beschließen, insbesondere zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr.
Russische Angriffe auf Kiew: Gipfel in Ankara – News | nachrichten360