Yoon Urteil 30 Jahre Haft: Drohnenflüge über Nordkorea
Seoul, 12. Juni 2026
Office of the President of South Korea / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Ein Gericht in Seoul hat den früheren südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol wegen militärischer Drohnenflüge über Nordkorea zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Damit kommt zu der im Februar verhängten lebenslangen Haftstrafe wegen Aufruhrs eine weitere Strafe hinzu.
Ein Gericht in Seoul hat den früheren südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol am Freitag im Zusammenhang mit militärischen Drohnenflügen über Nordkorea zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.
Anklage und Urteil
Das Bezirksgericht in Seoul habe ihn des Machtmissbrauchs und der Feindbegünstigung schuldig gesprochen, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Ein Sprecher des Seoul Central District Court erklärte, Yoon sei „30 Jahre Gefängnis“ für die Anklagepunkte auferlegt worden, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Gegen den inhaftierten konservativen Politiker, der einst oberster Staatsanwalt des Landes war, war im Februar bereits eine lebenslange Haftstrafe verhängt worden. Ein Gericht hatte ihn wegen Aufruhrs verurteilt, weil er versucht hatte, das Kriegsrecht auszurufen. Das Urteil vom Freitag kommt damit zu dieser Strafe hinzu.
Das aktuelle Verfahren dreht sich um Drohnenflüge über Pjöngjang im Oktober 2024. Laut den Gerichtsfeststellungen, über die Yonhap berichtete, war Yoon „von Beginn an den Drohnenflügen über Pjöngjang im Oktober 2024 beteiligt gewesen, um einen Vorwand für die gescheiterte Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 zu schaffen“.
Vorwurf: Drohnen als Vorwand für das Kriegsrecht
Die Staatsanwaltschaft hatte Yoon vorgeworfen, er habe mit den Drohnenflügen die Spannungen mit Nordkorea verschärfen und so einen nationalen Notstand inszenieren wollen. Ein im April vorgelegter Antrag der unter der Leitung von Sonderstaatsanwalt Cho Eun-suk arbeitenden Ermittler hatte ebenfalls eine 30-jährige Freiheitsstrafe für Yoon gefordert.
Die Staatsanwaltschaft hatte Yoon vorgeworfen, er habe mit den Drohnenflügen einen Vorwand für die von ihm Ende 2024 vorgenommene Ausrufung des Kriegsrechts schaffen wollen. Sonderstaatsanwälte erklärten im April, Yoons Bemühen, mit den Drohnen „Kriegsbedingungen zu fabrizieren“, habe die staatliche Sicherheit untergraben.
Neben Yoon wurde auch sein ehemaliger Verteidigungsminister Kim Yong Hyun, ein enger Vertrauter Yoons, der die Kräfte für die Kriegsrechtsausrufung geplant und mobilisiert hatte, in dem Verfahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für Kim 25 Jahre Haft gefordert.
Mitangeklagter Ex-Verteidigungsminister
Das Gericht befand, Yoon und Kim hätten mit den Drohnenflügen provozieren wollen, dass Nordkorea bewaffnete Angriffe oder andere schwere Provokationen gegen Südkorea startet, um so einen nationalen Notstand zu erzeugen. Nach Angaben von Yonhap erklärte das Gericht, die Aktionen hätten die militärischen Interessen Südkoreas geschädigt, indem sie Fähigkeiten offengelegt und die Durchführung künftiger Operationen untergraben hätten.
Der Ex-Präsident wies die Vorwürfe zurück. Seine Anwälte erklärten, er habe die Operation weder angeordnet noch gebilligt. Zudem hätten die Flüge nichts mit dem Kriegsrecht zu tun gehabt, sondern seien eine Reaktion auf nordkoreanische Ballons voller Müll gewesen, die monatelang über die Grenze geschickt worden seien.
Verteidigung weist Vorwürfe zurück
Seine Anwälte kritisierten das Urteil und argumentierten, ein Schuldspruch würde die Sicherheitsinteressen Südkoreas untergraben. Sie äußerten sich zunächst nicht dazu, ob sie Berufung einlegen würden. Yoon kann gegen das Urteil vom Freitag Berufung einlegen.
Yoons Anwälte sagten zudem, die Drohnenflüge seien eine Reaktion auf nordkoreanische Ballons gewesen, die Tausende von mülltragenden Ballons zuvor im Jahr 2024 in den Süden geschickt hatten. Nordkorea hatte Seoul im Oktober 2024 dreimal beschuldigt, Drohnen über Pjöngjang geflogen zu haben, um Propagandaflugblätter abzuwerfen.
Hintergrund: Amtsenthebung und politische Krise
Yoon war im vergangenen Jahr des Amtes enthoben worden, nachdem das Verfassungsgericht seine Amtsenthebung bestätigt hatte. Aus der dadurch ausgelösten vorgezogenen Neuwahl ging der liberale Politiker Lee Jae Myung als Sieger hervor.
Sein Vorgehen hatte die viertgrösste Volkswirtschaft Asiens in eine schwere politische Krise gestürzt. Das im Dezember 2024 verhängte Kriegsrecht dauerte etwa sechs Stunden an, bis Abgeordnete eine Blockade aus Soldaten und Polizisten am Parlament durchbrachen und die Aufhebung des Kriegsrechts beschlossen, woraufhin Yoons Kabinett die Maßnahme zurücknehmen musste.
In seiner Fernsehansprache am 3. Dezember 2024 hatte Yoon liberale Abgeordnete beschuldigt, nordkoreasympathisierende „antistaatliche“ Kräfte zu sein, und eine Reihe von Beschwerden angeführt, insbesondere die Amtsenthebungen hochrangiger Beamter durch die Opposition und Kürzungen seines Regierungshaushalts. Yoon hat gegen die Verurteilung Berufung eingelegt und darauf bestanden, dass er das Kriegsrecht „allein zum Wohle der Nation“ verhängt habe.
Ausblick: Weitere Verfahren und Berufung
Die Staatsanwaltschaft hatte im April eine 30-jährige Haftstrafe für Yoon gefordert. Yoon wurde im Juli 2025 festgenommen; gegen ihn laufen mehrere Strafverfahren. Neben der lebenslangen Strafe und dem aktuellen Urteil stehen weitere Verfahren aus, in denen es unter anderem um den Vorwurf der Korruption und um Vorwürfe im Zusammenhang mit der Kriegsrechtsausrufung selbst geht.
Yoon ist derzeit in Haft. Seine Anwälte kündigten unmittelbar nach der Urteilsverkündung keine konkreten Schritte an. Beobachter wiesen darauf hin, dass die zusätzliche Strafe vor allem symbolische Bedeutung hat, da Yoon wegen seiner vorherigen Verurteilung ohnehin schon lebenslang im Gefängnis bleibt.
Fragen & Antworten
Worum geht es in dem Urteil gegen Yoon Suk Yeol vom 12. Juni 2026?
Das Bezirksgericht in Seoul verurteilte den früheren Präsidenten Yoon Suk Yeol wegen militärischer Drohnenflüge über Nordkorea zu 30 Jahren Gefängnis. Er wurde des Machtmissbrauchs und der Feindbegünstigung schuldig gesprochen.
Welche Rolle spielten die Drohnenflüge über Pjöngjang im Verfahren?
Das Gericht stellte fest, dass Yoon von Beginn an an den Drohnenflügen über Pjöngjang im Oktober 2024 beteiligt war. Nach Überzeugung des Gerichts sollten die Flüge einen Vorwand für die gescheiterte Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 schaffen.
Welche Strafe hatte Yoon bereits im Februar erhalten, und was steht ihm nun zu?
Im Februar war Yoon bereits wegen Aufruhrs im Zusammenhang mit seinem Versuch, das Kriegsrecht auszurufen, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Zu dieser Strafe kommt nun die zusätzliche 30-jährige Haftstrafe; Yoon kann gegen das Urteil vom Freitag Berufung einlegen.
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