WM 2026: Schiedsrichter Artan aus Somalia darf nicht | nachrichten360
WM-Blog: Schiedsrichter Omar Artan darf nicht in die USA einreisen
Winston-Salem, 09 Juni 2026
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Kurzfassung
Der somalische Schiedsrichter Omar Artan ist am Flughafen Miami von den US-Behörden abgewiesen worden und verpasst damit die WM-Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada. Rudi Völler kritisierte den Vorgang und warnte vor weiteren Fällen dieser Art.
Winston-Salem, 09 Juni 2026
Der somalische Schiedsrichter Omar Artan ist am Flughafen Miami International Airport von den US-Behörden abgewiesen worden und kann damit als erster somalischer Unparteiischer der Geschichte nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada pfeifen.
Artan war von der FIFA für die Endrunde nominiert worden und sollte als erster Schiedsrichter aus Somalia überhaupt Spiele einer WM leiten. Nach Angaben eines Vertreters des somalischen Sportministeriums wurde ihm am Montag die Einreise verweigert. FIFA teilte auf Anfrage mit, dass Artan weder trainieren noch Spiele pfeifen könne; sein Status werde sich nach Angaben der US-Behörden vorerst nicht ändern.
Artan weist Vorwürfe zurück
Der 34-Jährige zeigte sich „sehr, sehr enttäuscht“ und sagte der New York Times, er habe alle nötigen Dokumente und ein gültiges Visum besessen. „Ich hatte die richtigen Unterlagen und alles. Ich hatte das richtige Visum. Ich glaube, dass sie ein Problem mit meinem Land haben“, sagte Artan. Ciise Aden Abshir, Berater des somalischen Ministeriums für Jugend und Sport, bestätigte, dass Artan ein gültiges US-Visum gehabt habe. Somalia steht auf einer US-Reiseverbotsliste, die unter Donald Trump eingeführt wurde.
Für die FIFA ist der Fall ein Einschnitt in die Vorbereitung des Turniers. Artan war erst 2025 von der Konföderation des afrikanischen Fußballs (CAF) zum Schiedsrichter des Jahres gewählt worden. Er hatte das Turnier als Teil des FIFA-Aufgebots bestreiten sollen. Über einen Ersatz-Schiedsrichter für seine Spiele wurde zunächst nichts bekannt.
Völler kritisiert Vorgang und warnt vor weiteren Fällen
Rudi Völler verurteilte den Vorfall zwei Tage vor Turnierbeginn im DFB-Quartier in Winston-Salem. „Ich hätte es auch gerne anders gehabt. Das ist nicht schön“, sagte der 66-Jährige. Er erlebt seine fünfte WM, diesmal in dritter Funktion. „Die genauen Hintergründe, warum der Schiedsrichter nicht reingelassen worden ist (ins Land), kann ich nicht beurteilen. Ich würde es gerne beantworten, glauben Sie mir. Ich habe keine Angst, irgendwelche politischen Fragen zu beantworten“, sagte Völler. Mit Blick auf weitere mögliche Fälle fügte er hinzu: „Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird nicht die allerletzte Geschichte gewesen sein. Wir versuchen, uns auf den Fußball zu konzentrieren, eine gute WM zu spielen.“
Politische Spannungen auch im Fall Iran
Der DFB-Sportdirektor nutzte die Gelegenheit, um erneut politische Einflussnahme zu kritisieren, und verwies dabei auf den Fall Iran. Das iranische Nationalteam spielt in der Gruppenphase gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten. Der iranische Fußballverband (FFI) hatte erklärt, die iranischen Fans würden nicht die zugesagte Ticketzuteilung für die Gruppenspiele in den USA erhalten, und den WM-Gastgeber beschuldigt, die Anwesenheit iranischer Anhänger verhindern zu wollen. „Es ist schade. Aber wir sind auch die falschen Ansprechpartner für Probleme, die jetzt gewesen sind und auch noch kommen werden“, sagte Völler.
Letzte Testspiele und personelle Sorgen
Parallel zu den sportpolitischen Spannungen laufen die letzten Testspiele. Spanien schlug Peru 3:1 (2:0), die Tore erzielten Oyarzabal in der 2., Pedri in der 32. Minute und der peruvianische Torhüter Pedro Gallese per Eigentor in der 53. Minute. Lamine Yamal (18) und Nico Williams (23) stehen für das spanische Auftaktspiel am Dienstag, 16. Juni, gegen Kap Verde nach ihren Oberschenkelproblemen zur Verfügung. Kroatien gewann gegen Slowenien 2:1 (0:0), die Niederlande schlugen Usbekistan knapp, ein Treffer von Cody Gakpo. Frankreich bezwang Nordirland, wobei Michael Olise drei Tore erzielte. Norwegen trennte sich 1:1 (0:1) von Marokko, Brahim Díaz von Real Madrid traf für Marokko in der 8. Minute, Martin Ödegaard glich in der 75. Minute aus. Norwegen spielt in Gruppe I mit Irak, Frankreich und Senegal, Marokko in Gruppe C mit Brasilien, Haiti und Schottland.
Die Niederlande werden das Turnier allerdings ohne zwei Akteure in Angriff nehmen. Torhüter Bart Verbruggen verletzte sich, Verteidiger Quentin Timber wurde für die WM abgemeldet. Schottlands Kapitän Andy Robertson erinnerte nach der Qualifikation an seinen verstorbenen Teamkollegen Diogo Jota: „Ich habe es gut verborgen, aber heute war ich am Ende. Ich konnte meinen Kumpel Diogo Jota heute nicht aus meinem Kopf bekommen. Ich weiß, dass er irgendwo da oben über mich lächelt heute Nacht.“ Jotas Witwe Rute Cardoso wandte sich im Rahmen der FIFA-Serie „Letters That Unite“ an Robertson: „Wenn du den Rasen betrittst, weiß ich, dass du nicht allein hinausgehst. Diogo wird immer bei dir sein. (…) Hüte diesen Traum, Andy. Lebe ihn für dich selbst und für ihn.“
Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt
Das Eröffnungsspiel bestreiten am Donnerstag um 21:00 Uhr im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt die Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika. Schiedsrichter der Partie ist der Brasilianer Wilton Sampaio, 44 Jahre alt und seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, der bereits vier Spiele der WM 2022 in Katar geleitet hatte. Die FIFA hatte die Ansetzung im Vorfeld bekanntgegeben. In Mexiko-Stadt ist in diesen Tagen zudem mit heftigem Regen, Überschwemmungen und Einschränkungen im U-Bahn-Verkehr zu rechnen, während sich vor der mexikanischen Pazifikküste ein tropischer Sturm bildet. Das Sekretariat für integriertes Risikomanagement und Bevölkerungsschutz hat für mehrere Stadtbezirke „Orange Alerts“ herausgegeben.
Abseits des sportlichen Geschehens sorgt auch ein juristisches Nachspiel um die FIFA für Aufmerksamkeit. Michel Platini, Michel Platini, hat in Frankreich eine Strafanzeige gegen Gianni Infantino und fünf weitere ehemalige Schweizer Justiz- und Fußballfunktionäre erstattet. Er wirft ihnen Verschwörung vor, um seine Wahl zum FIFA-Präsidenten zu verhindern.
Der Weltmeister-Titel wird in den kommenden Wochen in den drei Co-Gastgeberländern USA, Mexiko und Kanada vergeben. Die Diskussion um die Einreise Artans und die Sorge vor weiteren ähnlichen Fällen dürfte das Turnier in den kommenden Tagen weiter begleiten.
Fragen & Antworten
Wer ist Omar Artan und warum sorgt sein Fall für Aufsehen?
Omar Artan ist ein 34-jähriger somalischer Schiedsrichter, der 2025 von der CAF zum Schiedsrichter des Jahres gewählt wurde und als erster Unparteiischer seines Landes für die WM-Endrunde 2026 nominiert war.
Warum wurde Artan die Einreise in die USA verweigert?
Artan und das somalische Sportministerium erklären, er habe ein gültiges Visum und alle nötigen Dokumente besessen. Somalia steht allerdings auf einer US-Reiseverbotsliste, die unter Donald Trump eingeführt wurde.
Was hat Rudi Völler zu dem Vorfall gesagt?
Völler bezeichnete den Vorgang als „nicht schön“ und äußerte die Sorge, dass es nicht der letzte Fall dieser Art bleiben werde. Gleichzeitig betonte er, der DFB wolle sich auf den Fußball konzentrieren.