Iran WM 2026: Team in Mexiko gelandet – Visa-Streit mit den | nachrichten360
Iranische Nationalmannschaft in Mexiko gelandet – Strapazenreise zur Fußball-WM
Tijuana, 07. Juni 2026
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Kurzfassung
Die iranische Fußball-Nationalmannschaft ist nach einem wochenlangen Streit um US-Visa in Tijuana eingetroffen. Während Spieler und Trainer ihre Einreiseerlaubnis erhielten, bleibt Dutzenden Funktionären die Einreise in die USA verwehrt – ihre Spiele müssen sie als Tagesgäste bestreiten.
Die iranische Fußball-Nationalmannschaft ist am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) in Tijuana im Norden Mexikos eingetroffen, von wo aus sie ihre drei Gruppenspiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA bestreiten wird.
Ankunft unter militärischer Bewachung
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP landete die iranische Delegation am Sonntag gegen 5 Uhr morgens (Ortszeit) in Tijuana. Am Flughafen warteten nach Angaben von Augenzeugen einige Fans mit iranischen Fahnen, dazu sicherten Soldaten der mexikanischen Nationalgarde den Bereich ab. Mittelfeldspieler Amirmohammad Razzaghinia habe beim Boarding in Antalya noch in die Kamera gelächelt und den Daumen gereckt, berichteten iranische Medien.
Die iranische Mannschaft reiste aus dem türkischen Antalya an, wo sie ein Trainingslager absolviert hatte. Ursprünglich hatte der iranische Fußballverband geplant, sein WM-Quartier im US-Bundesstaat Arizona, genauer in Tucson, aufzuschlagen. Wegen des militärischen Konflikts mit den USA verlegte der Verband Ende Mai sein Basiscamp jedoch ins südkalifornische Grenzgebiet nach Tijuana.
Hintergrund: Krieg zwischen den USA und dem Iran
Hintergrund ist der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der Ende Februar mit Bombardierungen der US-Armee und des israelischen Militärs auf Ziele im Iran begonnen hatte. Es ist das erste Mal, dass eine Nationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, während sich ihr Land mit einem Gastgeberland im Kriegszustand befindet.
Der Disput um die Visumsvergabe dauert seit Wochen. Am Freitag hatten die Mitglieder des iranischen Teams ihre Pässe bei der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara eingereicht. Wie der zuständige US-Botschafter in Ankara, Barrack, mitteilte, wurden die Visa für Spieler, Trainer und weitere Teile des Mannschaftsstabs in der Folge genehmigt. US-Regierungsangaben zufolge seien alle für die WM-Teilnahme notwendigen Visa ausgestellt worden.
Spieler bekommen Visa – Funktionäre nicht
Anders sieht es für zahlreiche Funktionäre aus. Iranischen Angaben zufolge wurde insgesamt 15 Angehörigen der iranischen WM-Delegation das Visum verweigert, die iranische Nachrichtenagentur Tasnim sprach von zwölf abgelehnten Anträgen. Eine offizielle Bestätigung des Verbandes stand zunächst noch aus. Betroffen sind nach diesen Berichten unter anderem der Teammanager, Vertreter des Außenministeriums und der Sicherheitsabteilung sowie der Pressechef der Mannschaft.
Wie iranische Medien weiter berichteten, zählt auch Verbandspräsident Mehdi Tadsch zu den Betroffenen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP war er früher ein Kommandant der iranischen Revolutionsgarden – jener Organisation, die von den USA als terroristisch eingestuft wird. US-Außenminister Rubio hatte in dieser Woche betont, dass man es dem Iran nicht erlauben werde, Menschen mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden in seine Delegation aufzunehmen. Schon im Dezember hatte Tadsch nicht an der WM-Auslosung in Washington teilnehmen können, weil er kein Visum erhalten hatte.
Scharfe Kritik aus Teheran
Die iranische Botschaft in der Türkei kritisierte die Visa-Verweigerungen scharf. Sie sprach von einer "willkürliche und diskriminierende Behandlung des iranischen Teams" und erklärte, die Diskriminierung sei "auf die höchste Stufe gehoben" worden. Der iranische Fußballverband bezeichnete das Verhalten der US-Behörden als "politische Einmischung in den Sport in schlimmster Form" und kündigte an, den Fall über die FIFA zu verfolgen, da der Weltverband verpflichtet sei, auch die Visa für die Verbandsfunktionäre zu garantieren.
Die Betroffenen sollen die Nationalmannschaft dennoch nach Tijuana begleiten, um in Mexiko dann erneut Visaanträge für die USA zu stellen. Der iranische Botschafter in Mexiko, Abolfazl Pasandideh, sagte vor Journalisten in Tijuana, man hoffe, dass die Funktionäre noch vor dem ersten Spiel des Irans ein Visum erhielten.
Tagesgäste auf US-Boden
Während die Mannschaft also personell komplett antreten kann, wartet auf sie ein ungewöhnliches logistisches Programm. Nach Angaben des iranischen Botschafters in Mexiko dürfen die iranischen Nationalspieler nur an den Spieltagen in die USA einreisen und müssen noch am selben Tag wieder in ihr Quartier im Nachbarland Mexiko zurückkehren. "Nur Spielen ist auf US-Territorium erlaubt", fasste die iranische Botschaft diese Regelung zusammen. Team-Sprecher Amir Mahdi Alawi sagte hingegen, die Visa befugten zur wiederholten Einreise, und die Spieler würden ein oder zwei Tage vor den Spielen anreisen.
Wie Verbandspräsident Tadsch am Sonntag im iranischen Fernsehen erklärte, werde die Mannschaft am Tag vor den Spielen in die USA einreisen dürfen. Eine endgültige Klärung zwischen iranischen und US-amerikanischen Stellen steht damit weiter aus.
Drei Spiele in den USA, Quartier in Mexiko
Diese organisatorischen Hürden kommen zu einem ohnehin dichten Spielplan hinzu. Das erste Gruppenspiel der Iraner findet am 16. Juni um 18 Uhr Ortszeit in Los Angeles gegen Neuseeland statt. Das dritte Vorrundenspiel findet am 27. Juni in Seattle gegen Ägypten statt. Dazwischen trifft das iranische Team am 21. Juni ebenfalls in Los Angeles auf Belgien. Alle drei Gruppenspiele der Iraner finden in den USA statt.
Das Basiscamp in Tijuana, unmittelbar an der Grenze zum US-Bundesstaat Kalifornien und südlich von San Diego gelegen, ist über 1.700 Kilometer Luftlinie von Seattle entfernt – eine enorme Distanz für Hin- und Rückreisen an einem Spieltag. Hinzu kommen weitere FIFA-Pflichten: So muss der Trainer einer Nationalmannschaft am Vorabend einer Begegnung eine Pressekonferenz am Austragungsort geben, was ebenfalls logistisch mit der Quartierlage in Mexiko abgestimmt werden muss.
Offene Fragen vor dem Turnierstart
Die WM, die am Donnerstag mit dem Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika beginnt, ist die erste, die in drei Ländern ausgetragen wird: in den USA, Mexiko und Kanada. Sie dauert vom 11. Juni bis zum 19. Juli. Weder die FIFA noch die US-Regierung hatten sich bis zum Redaktionsschluss dieses Berichts offiziell zu dem laufenden Visumsstreit geäußert.
Die iranische Botschaft in der Türkei fasste die Lage mit Blick auf das bevorstehende Turnier in düsteren Worten zusammen: Das Team müsse sich auf eine Weltmeisterschaft einstellen, "voller sportlicher und bürokratischer Hürden". Ob und wann die noch wartenden Funktionäre ihre Visa erhalten, ist offen – und wird zeigen, ob die iranische Delegation am Ende doch noch vollständig in den USA auftreten kann.
Fragen & Antworten
Warum ist die iranische Mannschaft in Mexiko und nicht in den USA?
Der iranische Verband verlegte Ende Mai sein ursprünglich in Tucson, Arizona geplantes WM-Quartier nach Tijuana in Mexiko, weil sich die USA und der Iran seit Ende Februar in einem militärischen Konflikt befinden.
Welchen Funktionären wurde das US-Visum verweigert?
Nach iranischen Medienberichten wurde unter anderem Verbandspräsident Mehdi Tadsch, dem Teammanager, Vertretern des Außenministeriums und der Sicherheitsabteilung sowie dem Pressechef die Einreise in die USA verweigert; die Gesamtzahl der abgelehnten Anträge wird mit zwölf bis 15 angegeben.
Wo und gegen wen spielt der Iran in der Vorrunde?
Die Iraner bestreiten alle drei Gruppenspiele in den USA: am 16. Juni in Los Angeles gegen Neuseeland, am 21. Juni ebenfalls in Los Angeles gegen Belgien und am 27. Juni in Seattle gegen Ägypten.