Iran kündigt Fifa-Beschwerde wegen Einreise-Restriktionen vor WM-Spiel gegen Belgien an
Tijuana, 19. Juni 2026
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Kurzfassung
Der iranische Fußballverband will wegen abgelehnter Einreise-Anträge für Teile seines Trosses vor dem WM-Gruppenspiel gegen Belgien offiziell bei der Fifa Beschwerde einlegen. 15 Mitarbeitenden wurde ein US-Visum verweigert; zudem kritisiert der Verband den Umgang mit dem Team als „dunkles Kapitel“ der WM-Geschichte.
Der iranische Fußballverband will nach der erneuten Ablehnung eines Einreise-Antrags in die USA formell bei der Fifa Beschwerde einlegen und hat den Umgang mit seiner Nationalmannschaft bei der WM-Endrunde scharf kritisiert.
Zwei Tage vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Belgien am Sonntag (21.00 Uhr MESZ) im Los-Angeles-Stadion sei ein Antrag auf Einreise in die USA abgelehnt worden, teilte der iranische Verband am Samstag mit. Verbandssprecher Hossein Mombeyni sprach im Trainingslager im mexikanischen Tijuana von einem Verstoß gegen Fifa-Regeln und Vereinbarungen. „Ein derartiger Verstoß gegen unsere Regeln und Vereinbarungen stellt meiner Meinung nach den Fußball an sich infrage“, sagte Mombeyni. Der Verband werde „seine Unzufriedenheit offiziell zum Ausdruck bringen und über die entsprechenden Kanäle eine formelle Beschwerde bei der Fifa einreichen“.
Reisepläne und fehlende Visa
Zudem seien 15 Personen aus dem Staff von der Einreise in die USA ausgeschlossen, weil ihnen kein Visum erteilt worden sei. Nach Darstellung des Verbandes war die Delegation in den USA deshalb ohne Pressesprecher, Spielanalysten und weitere Mitarbeiter unterwegs. Mombeyni sagte, der Umgang mit der iranischen Nationalmannschaft während der Endrunde stelle ein „dunkles Kapitel in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften“ dar. „Dies wird einen dunklen Fleck in der jüngeren Geschichte der Weltmeisterschaft hinterlassen“, fügte er hinzu.
Die Fifa-Regeln für Weltmeisterschaften sehen vor, dass die Mannschaften am Tag vor einem Spiel von ihrem Quartier zum Spielort reisen sollen. In „außergewöhnlichen Fällen“ sei eine frühere Anreise jedoch möglich. Nach Angaben des Verbandes wollte die iranische Nationalmannschaft, die ihr WM-Quartier in Tijuana hat, zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Belgien am Sonntag in die USA einreisen, und verwies auf „technische Gründe“ für das vorzeitige Eintreffen. Doch auch nach Vorlage dieser Begründung sei der Antrag erneut abgelehnt worden, erklärte der Verbandssprecher.
Hintergrund: Fifa-Regeln und Ausnahmen
Teamchef Amir Ghalenoei beklagte zudem, dass Reisepläne und Entscheidungen für die Mannschaft bislang nicht selbst getroffen werden durften. „Für das letzte Spiel haben sie uns erlaubt, selbst zu entscheiden bei den Reiseplänen“, sagte Ghalenoei einen Tag vor dem Duell mit Belgien. „Ich habe nicht gesagt, er hat uns geholfen“, fügte er mit Blick auf den US-Veranstalter hinzu. Auch bei der Anstoßzeit von 12.00 Uhr Ortszeit am Sonntag – der zugleich um 21.00 Uhr MESZ erfolgenden Partie – wollten die Iraner mit einer früheren Anreise erreichen, „sich an die Spielbedingungen anzupassen, ihre letzte Trainingseinheit zu absolvieren und die Vorbereitungen abzuschließen“. „Dies ist ein bedeutendes internationales Turnier. Dafür will ich mich bedanken“, sagte der Trainer mit spürbarer Ironie.
Die Verlegung des iranischen WM-Quartiers von Arizona in den USA nach Tijuana in Mexiko war bereits zuvor erfolgt. Als Grund dafür hatte der Verband den Krieg und die politischen Spannungen mit den USA genannt. Infolge des Krieges und der politischen Spannungen mit den USA könne die iranische Mannschaft „nur unter strengen Auflagen teilnehmen“, hieß es aus Verbandskreisen. Der Iran kann nach Darstellung des Verbandes nur unter strengen Auflagen an der Endrunde teilnehmen. Beschwerden hatte es zuvor auch schon über fehlende Visa für Team-Mitglieder gegeben.
Stimme des Verbandes und Kritik am US-Veranstalter
„Sie versuchen, die Probleme zu minimieren“, sagte Ghalenoei mit Blick auf den US-Veranstalter. Mombeyni wurde noch deutlicher: „Es wirkt auf mich, als hätte Giuliani die Regeln besser studieren sollen“, sagte er. „Leute, die die Regeln nicht umsetzen können, sollten keine Gastgeber sein.“ Damit griff er den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani auf, der in den vergangenen Jahren mehrfach als Berater im Umfeld des US-Präsidenten aufgetreten war und mit scharfen politischen Äußerungen aufgefallen war.
Sportliche Lage: Belgien als nächster Gegner
Sportlich steht für die Iraner am Sonntag in Los Angeles die Partie gegen Belgien an, den Gruppenfavoriten der Staffel. Belgien war zum Auftakt gegen Ägypten nicht über ein 1:1 hinaus gekommen. Der Iran hatte das erste Gruppenspiel gegen Neuseeland ebenfalls im Los-Angeles-Stadion absolviert und 2:2 gespielt. Nach dem Auftaktspiel musste die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei den Spielort Los Angeles noch am Spieltag wieder verlassen, was bei den Iranern zu großem Unmut geführt hatte.
Reaktionen und weiteres Vorgehen
Die Fifa selbst hat sich zu den Vorwürfen des iranischen Verbandes bisher nicht öffentlich geäußert. Auch der US-Veranstalter äußerte sich zunächst nicht zu der angekündigten Beschwerde. Der iranische Verband kündigte an, die Beschwerde „über die entsprechenden Kanäle“ bei der Fifa einzureichen. Damit könnte der Disput um die Visums-Praxis und die Reise-Restriktionen das sportliche Geschehen in der Gruppe noch über das Belgien-Spiel hinaus begleiten – und möglicherweise auf einer der nächsten Fifa-Sitzungen behandelt werden.
Ausblick: Ägypten als letzter Gruppengegner
Ungeachtet des diplomatischen Streits bereitet sich die Mannschaft auf das sportlich wichtige Duell mit Belgien vor. Ghalenoei forderte seine Spieler auf, sich auf das Sportliche zu konzentrieren, obwohl der Verband parallel die formelle Beschwerde vorbereitet. Die Begegnung am Sonntag in Los Angeles gilt für die Iraner als Schlüsselspiel im Kampf um den Einzug in die K.o.-Runde, da ein Punktgewinn gegen Belgien die Chancen auf das Weiterkommen deutlich erhöhen würde.
Das letzte Gruppenspiel bestreitet der Iran am 26. Juni in der dritten Runde gegen Ägypten. Für diese Partie hat der Verband nach eigenen Angaben nun deutlich mehr Mitsprache bei den Reiseplänen erhalten – anders als noch vor den ersten beiden Spielen der Gruppenphase, als „andere diese Entscheidungen und Pläne für uns gemacht“ hätten, wie Ghalenoei kritisierte.
Fragen & Antworten
Worum genau will sich der iranische Verband bei der Fifa beschweren?
Der iranische Verband kritisiert, dass ein Antrag auf vorzeitige Einreise in die USA zwei Tage vor dem Gruppenspiel gegen Belgien abgelehnt wurde und 15 Mitarbeitenden des Staffs kein Visum erhalten haben. Er wirft den US-Verantwortlichen einen Verstoß gegen Fifa-Regeln und Vereinbarungen vor und kündigt eine formelle Beschwerde an.
Warum hat der Iran sein WM-Quartier nach Mexiko verlegt?
Nach Angaben des iranischen Verbandes erfolgte die Verlegung des Quartiers von Arizona in den USA nach Tijuana in Mexiko infolge des Krieges und der politischen Spannungen mit den USA, sodass die Mannschaft nur unter strengen Auflagen an der Endrunde teilnehmen könne.
Wie geht es für den Iran nach dem Belgien-Spiel weiter?
Nach dem Duell mit Belgien am Sonntag im Los-Angeles-Stadion (21.00 Uhr MESZ) bestreitet der Iran am 26. Juni sein letztes Gruppenspiel gegen Ägypten; für diese Partie hat der Verband nach eigenen Angaben mehr Mitsprache bei den Reiseplänen erhalten als zuvor.
Iran beschwert sich bei Fifa: Einreise-Restriktionen vor | nachrichten360