Peter Weinelt, der Wiener Stadtwerke, hat im APA-Interview den Ausbau erneuerbarer Energien als zentralen Schutzschild gegen geopolitische Krisen, steigende Gaspreise und die Folgen des Klimawandels für Wien bezeichnet.
Weinelt warnte vor einer langfristigen Abhängigkeit von fossilen Importen und verwies auf die Rolle der Straße von Hormuz: „Das sind alles Erpressungssituationen, denen man sich nicht sehenden Auges langfristig ausliefern kann.“ Schon seit 2022 habe Europa „auf die schmerzhafte Tour gelernt, was Abhängigkeit bedeutet“, so der Stadtwerke-Chef.
Gleichzeitig zeigte er sich über Fortschritte bei der Diversifizierung der Gasversorgung erleichtert: „Es ist wirklich gelungen, LNG-Terminals et cetera und den Lieferantenkreis auszuweiten.“ Dadurch wirke sich die Iran-Krise auf die heimische Gasversorgung weniger stark aus als noch 2022. Allerdings bezeichnete er die Preisbewegungen am Gasmarkt als „Jo-Jo-Spiel“, gekoppelt an politische Entwicklungen rund um Waffenstillstände und Abkommen zwischen Kriegsparteien.
Klimawandel und Preisschwankungen
Beim Blick auf die aktuelle Energiebilanz verwies Weinelt auf die Folgen des Klimawandels: „Der Klimawandel ist eine Tatsache, das merkt man an der Trockenheit, das merkt man an den Temperaturen. Da gibt es verschiedene Studien dazu, aber es reicht die Praxis.“ Die heurige Dürre habe die Stromerzeugung aus Laufwasserkraft verringert, während die Hitze – auch wegen Klimaanlagen – die Stromnachfrage um rund 20 Prozent nach oben getrieben habe.
Wien Energie erzeugt Fernwärme derzeit noch zu etwa 60 Prozent aus fossilem Erdgas. Bis 2040 soll die Fernwärme Wiens vollständig auf erneuerbare Quellen umgestellt und die Gasheizung in der Stadt komplett abgedreht werden. Weinelt sprach von einem „Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das nicht gekommen ist, unter der Vorgängerregierung, natürlich war das nicht hilfreich“, und kritisierte damit das Ausbleiben des bereits angekündigten Gesetzes.
Tiefengeothermie als Kernprojekt
Ein zentraler Baustein der Wärmewende ist die Tiefengeothermie. Bei vollem Ausbau in den 2030er-Jahren sollen rund 200.000 der rund eine Million Wiener Haushalte mit geothermischer Wärme versorgt werden. Die erste Tiefenbohrung in Aspern ist für den Winter 2027 geplant, weitere größere Bohrungen in Donaustadt in Vorbereitung. Insgesamt sollen künftig rund 56 Prozent der Wiener Haushalte mit Fernwärme heizen, in weniger dicht bebauten und hügeligen Stadtteilen sind große Wärmepumpen vorgesehen.
Bei der Geschwindigkeit der Umrüstung verwies Weinelt auf die laufenden Anstrengungen von Wien Energie: Derzeit werden pro Jahr rund 10.000 Wohnungen von Gasetagenheizungen auf Fernwärme oder Wärmepumpen umgestellt – ein Volumen, das die Wiener Stadtwerke mit einer mittelgroßen österreichischen Stadt vergleichen.
Milliarden für Importe und Verkehrswende
Weinelt unterstrich zudem die geopolitische Dimension der Energiewende. Österreich gebe jährlich „die berühmten 10 bis 12 Milliarden Euro“ für Benzin, Diesel und Gas aus. Diese Mittel könnten durch heimische Erneuerbare teilweise im Land gehalten werden, was gleichzeitig die Verwundbarkeit durch globale Krisen verringere. Auch die Wiener Linien und die städtischen Bahnen stellten ihre Busse von Diesel auf Elektroantrieb um, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
Insgesamt zeichnete der Stadtwerke-Chef das Bild einer Doppelstrategie: kurzfristig Diversifizierung der Lieferanten und konsequenter Ausbau der Erneuerbaren, mittelfristig die Abkehr von Gas. Wien solle damit nicht nur klimafit, sondern auch gegen geopolitische Verwerfungen und Preisschocks besser aufgestellt sein.
Das Interview mit Peter Weinelt wurde von der Austria Presse Agentur (APA) geführt und am 20. Juli 2026 veröffentlicht. Darin bündelte der der Wiener Stadtwerke die energiepolitischen Linien des stadteigenen Konzerns, zu dem auch Wien Energie und die Wiener Linien gehören.
