Die geplante Auszeit-WG der Stadt Wien für strafunmündige Kinder, die wiederholt Straftaten begangen haben, ist noch immer nicht offiziell gestartet und hat sich um fast 200.000 Euro verteuert.

Wie die APA unter Berufung auf eine Sprecherin von Wiener NEOS-Stadträtin Bettina Emmerling berichtet, ist vor etwa einer Woche ein 13-jähriger Bub in die sogenannte Auszeit-WG eingezogen. Ein weiteres Kind soll demnächst folgen. Konkrete Falldetails wurden "aus Gründen des Kindesschutzes" nicht genannt. Die Einrichtung verfügt über insgesamt nur zwei Betreuungsplätze und ist für Kinder zwischen elf und 13 Jahren gedacht.

Laut einem Bericht von "Mein Bezirk" sind die jährlichen Kosten des Projekts von ursprünglich 800.000 Euro auf rund 995.000 Euro gestiegen. Das deckt sich mit einer parlamentarischen Anfragebeantwortung, wonach das Projekt "mit fast einer Million Euro jährlich zu Buche schlägt". Der Start der Einrichtung wurde bereits dreimal verschoben, die Vorbereitungen befinden sich nun "in den letzten Zügen".

Kritik von Volksanwalt und Fachleuten

Die Stadt Wien sieht das Projekt als "Ultima Ratio" für wiederholt straffällige Kinder. "Trotz Zuschaltung der Orientierungshilfe sei im Vorfeld keine nachhaltige Durchbrechung des negativen Verhaltens gelungen", erklärte die Stadt. Ein Aufenthalt in der Wohngemeinschaft kann bis zu zwölf Wochen dauern. Zielgruppe sind strafunmündige Kinder, die etwa Delikte wie Raub oder Einbrüche begangen haben.

Schwerwiegende fachliche und rechtliche Bedenken kommen unterdessen von mehreren Seiten. Volksanwalt Bernhard Achitz und mehrere Fachleute kritisieren, dass wichtige Hilfsangebote wie Betreuungsplätze oder psychiatrische Versorgung fehlen. Auch das Vertretungsnetz und Kinder- und Jugendpsychiater äußerten zuvor scharfe Kritik an der rechtlichen Konstruktion über das Heimaufenthaltsgesetz.

Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier hält es für problematisch, wenn Sozialpädagogen über psychische Erkrankungen entscheiden sollen. "Statt kurzfristiger Freiheitsentziehung brauche es mehr Prävention und frühzeitige Unterstützung für betroffene Familien", so der Experte. Auch Kinderrechtsorganisationen bezweifeln, dass eine geschlossene Unterbringung langfristig hilft.

Politische Reaktionen

Politische Kritik kommt aus der FPÖ. Klubobmann Maximilian Krauss bezeichnete das Vorhaben als "Kosten- und Planungsfiasko". "Das ist typisch NEOS: großspurige Ankündigungen, fehlende Planung und am Ende explodierende Kosten", sagte Krauss. Die Stadt Wien weist die Vorwürfe zurück und verweist auf ihre Rolle als letzter Ausweg bei intensiv delinquenten Kindern.

Offen bleibt, wann die Auszeit-WG offiziell in Betrieb gehen wird. Kritiker wie Achitz fordern stattdessen einen Ausbau präventiver Angebote und psychiatrischer Versorgung. Die Stadt betont, dass vor der Unterbringung stets weniger eingriffstiefe Maßnahmen geprüft worden seien.

Offene Fragen und Ausblick

Die Diskussion wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie geht eine Gesellschaft mit Kindern um, die strafrechtlich nicht belangt werden können, aber wiederholt schwere Delikte begehen? Während Wien auf eine geschlossene Unterbringung als letztes Mittel setzt, fordern Fachleute einen Ausbau früher Hilfen.