Ebola-Ausbruch Kongo: Über 900 Verdachtsfälle, WHO fordert | nachrichten360
WHO zählt mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle im Kongo – Kein Impfstoff gegen aktuelle Virusvariante
Bunia, 29. Mai 2026
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Kurzfassung
Die Weltgesundheitsorganisation meldet mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle in der Demokratischen Republik Kongo. Gegen die zirkulierende Bundibugyo-Variante gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie.
In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Ebola-Virus weiter aus, und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt inzwischen mehr als 900 Verdachtsfälle.
Ausbruch in städtischen Zentren
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus gab die Fallzahlen am Sonntag bekannt. Unter den Verdachtsfällen sind 101 laborbestätigte Ebola-Infektionen. Die tatsächliche Zahl der Erkrankten dürfte jedoch höher liegen, da viele Fälle nicht erfasst werden.
Der Ausbruch begann in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes und hat inzwischen mehrere Regionen erreicht. Besonders besorgniserregend ist, dass das Virus in städtischen Zentren angekommen ist, wo mehrere Hunderttausend Menschen leben. Die hohe Mobilität der Bevölkerung in Ituri erleichtert die Verbreitung zusätzlich.
Mehr als 200 Menschen sind nach Schätzungen der kongolesischen Regierung bereits an dem Virus gestorben. Die Sterblichkeitsrate der aktuellen Variante liegt bei etwa 30 bis 50 Prozent.
Florent Uzzeni, Notfallkoordinator von Médecins Sans Frontières in Bunia, beschreibt die schwierige Ausgangslage: „Normalerweise beginnen wir mit den Gegenmaßnahmen, sobald die ersten wenigen Fälle bekannt werden. Nie so spät wie diesmal, als es schon mehrere hundert Fälle gab.“
Der späte Beginn der Eindämmungsmaßnahmen hat fatale Folgen. Uzzeni erklärt: „Wir haben es also mit einem großen Ausbruch zu tun, der schon mehrere Regionen erreicht hat. Und dann kommt auch noch hinzu, dass der Ausbruch in städtischen Zentren angekommen ist, wo mehrere Hunderttausend Menschen leben. Leider erleichtert das die Verbreitung noch mehr.“
Internationale Ausbreitung und Risikobewertung
Die WHO hat das Risiko einer nationalen Ausbreitung in der Demokratischen Republik Kongo am Freitag auf „sehr hoch“ heraufgestuft. Das regionale Risiko wird als „hoch“, das globale Risiko als „gering“ eingeschätzt.
Das Virus hat bereits die Landesgrenzen überschritten. Im benachbarten Uganda stieg die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle am Wochenende auf fünf. Ein US-amerikanischer Staatsbürger, der sich im Kongo infiziert hatte, wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Nach Angaben des Krankenhauses benötigt der Patient keine intensivmedizinische Versorgung.
Die aktuelle Epidemie wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht, die erstmals 2007 nachgewiesen wurde. Gegen diesen Virustyp gibt es nach WHO-Angaben weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine etablierte Behandlung. Die Infektionskette kann nur durchbrochen werden, wenn sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für mindestens drei Wochen isolieren.
Kein Impfstoff gegen Bundibugyo-Variante
Die Eindämmung wird jedoch durch die anhaltenden Kämpfe im Ostkongo massiv erschwert. WHO-Generaldirektor Tedros erklärte, die Gefechte machten es sehr schwierig, den Ausbruch einzudämmen, und forderte eine dringende Waffenruhe.
Die kongolesische Armee kämpft seit Jahren gegen die Miliz M23, die von Ruanda unterstützt wird. Im vergangenen Jahr eroberte M23 Gebiete in den Regionen Nord-Kivu und Süd-Kivu und versucht dort, eine eigene Regierung zu errichten. Der Konflikt dreht sich vor allem um den Zugang zu Rohstoffen.
Kämpfe behindern Eindämmung
Die Gewalt hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. Ebola-Behandlungszentren in den am stärksten betroffenen Städten wurden angegriffen und in Brand gesetzt. In der Provinz Ituri zündeten Demonstranten vergangene Woche Behandlungszelte an, nachdem es einen Streit um die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebola-Opfers gegeben hatte.
Hilfskräfte sehen sich zudem mit Misstrauen und Fehlinformationen in der Bevölkerung konfrontiert. Viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo misstrauen der Regierung und den Gesundheitsbehörden. Manche glauben nicht, dass Ebola existiert.
Francois Kasereka, ein Pfadfinder, arbeitet als Freiwilliger in Bunia daran, die Menschen aufzuklären. Auf einem Markt in der Stadt sagte er: „Ich bin Mitglied der Pfadfinder. Wir arbeiten im Moment als Freiwillige, um die Leute vor Ebola zu warnen und sie darüber aufzuklären, wie sie sich vor Ansteckung schützen können.“
Aufklärung gegen Misstrauen
Kasereka und seine Mitstreiter setzen auf direkte Gespräche. „Wir wollen mit den Menschen reden und ihnen erklären, was Ebola ist und wie das Virus übertragen wird“, sagte er. „Wir tun alles, was wir können, damit die Bevölkerung Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen einhält, Kranke nicht anfasst, und auf gar keinen Fall Tote berührt.“
Das Ziel der Freiwilligen ist klar: „Wir wollen das Ansteckungsrisiko in unserer Stadt und unserer Provinz so gering wie möglich halten.“
Unterdessen traf am Abend die erste Hilfslieferung der Europäischen Union in Bunia ein. UNICEF meldete, dass die Lieferung Schutzmasken, Handschuhe und Medikamente umfasst. Die internationale Gemeinschaft versucht, die Eindämmungsbemühungen zu unterstützen, doch der Zugang zu den betroffenen Gebieten bleibt durch die Kämpfe gefährlich und unberechenbar.
Hilfslieferungen erreichen Bunia
Die WHO betont, dass die Unterbrechung der Infektionsketten oberste Priorität hat. Dafür müssen Erkrankte und Kontaktpersonen identifiziert und isoliert werden – eine Aufgabe, die unter den gegenwärtigen Bedingungen extrem schwierig ist.
Die Kombination aus bewaffnetem Konflikt, Misstrauen in der Bevölkerung und dem Fehlen eines Impfstoffs macht den aktuellen Ausbruch zu einer der komplexesten gesundheitlichen Notlagen der Region seit Jahren. Experten warnen, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte, wenn es nicht gelingt, die Kampfhandlungen zumindest vorübergehend einzustellen.
Fragen & Antworten
Warum gibt es keinen Impfstoff gegen den aktuellen Ebola-Ausbruch im Kongo?
Der Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht, für die es nach Angaben der WHO keinen zugelassenen Impfstoff und keine etablierte Behandlung gibt.
Wie versuchen Freiwillige wie Francois Kasereka, die Ausbreitung von Ebola in Bunia zu verhindern?
Francois Kasereka und andere Pfadfinder klären die Bevölkerung auf Märkten über Hygienemaßnahmen wie Händewaschen auf und warnen davor, Kranke oder Verstorbene zu berühren, um das Ansteckungsrisiko zu senken.
Welche Rolle spielen die Kämpfe mit der M23-Miliz bei der Ebola-Eindämmung?
Die anhaltenden Gefechte im Ostkongo erschweren den Zugang zu betroffenen Gebieten und haben bereits zur Zerstörung von Behandlungszentren geführt, weshalb die WHO eine dringende Waffenruhe fordert.