Ebola-Ausbruch Kongo: Über 900 Verdachtsfälle, WHO fordert | nachrichten360
WHO zählt mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle im Kongo – Eindämmung durch Kämpfe erschwert
Bunia, 29. Mai 2026
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Kurzfassung
Die Weltgesundheitsorganisation hat im Osten der Demokratischen Republik Kongo mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle registriert. Anhaltende Kämpfe zwischen der Armee und der Miliz M23 erschweren die Eindämmung des Ausbruchs erheblich.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo kämpfen Helfer gegen einen großen Ebola-Ausbruch mit mehr als 900 Verdachtsfällen, während bewaffnete Konflikte die Eindämmung des Virus massiv behindern.
Die aktuelle Epidemie wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte. Gegen diesen spezifischen Virustyp gibt es weder einen Impfstoff noch eine gezielte Therapie.
Krieg im Seuchengebiet
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte am Sonntag, die Kämpfe im Ostkongo machten es sehr schwierig, den Ausbruch einzudämmen. Er forderte eine dringende Waffenruhe, um die Ebola-Bekämpfung zu ermöglichen.
Die kongolesische Armee kämpft seit Jahren gegen die Miliz M23 im Osten des Landes. Die von Ruanda unterstützte Gruppe hat im vergangenen Jahr Gebiete in den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu erobert und versucht dort, eine eigene Regierung zu errichten.
Der Konflikt dreht sich nach Einschätzung von Experten vor allem um den Zugang zu Rohstoffen. Die anhaltende Gewalt untergräbt jedoch die ohnehin schwierigen Bemühungen, die Ebola-Epidemie unter Kontrolle zu bringen.
Späte Entdeckung und grenzüberschreitende Ausbreitung
Der Ausbruch begann in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes und wurde sehr spät entdeckt. Florent Uzzeni, Notfallkoordinator von Médecins Sans Frontières in Bunia, sagte: „Normalerweise beginnen wir mit den Gegenmaßnahmen, sobald die ersten wenigen Fälle bekannt werden. Nie so spät wie diesmal, als es schon mehrere hundert Fälle gab.“
Die WHO stufte am Freitag das Risiko einer nationalen Ausbreitung des Virus innerhalb der Demokratischen Republik Kongo als „sehr hoch“ ein. Das regionale Risiko wird als „hoch“ und das globale Risiko als „niedrig“ bewertet.
Das Virus hat bereits die Landesgrenzen überschritten. In Uganda stieg die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle am Wochenende auf fünf. Ein US-Bürger, der sich im Kongo infizierte, wird in der Berliner Charité behandelt, benötigt laut Klinik aber keine Intensivpflege.
In den betroffenen Gebieten herrscht tiefes Misstrauen gegenüber der Regierung und den Gesundheitsbehörden. Einige Menschen glauben, dass Ebola nicht existiert oder dass die Behörden den Ausbruch für politische oder finanzielle Zwecke ausnutzen wollen.
Misstrauen und Gewalt gegen Helfer
Die Folgen dieses Misstrauens sind verheerend. In der Provinz Ituri steckten Demonstranten in der vergangenen Woche Behandlungszelte in Brand, nachdem es einen Streit um die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebola-Opfers gegeben hatte. Ebola-Behandlungszentren in den am stärksten betroffenen Städten wurden angegriffen und angezündet.
Angesichts dieser Herausforderungen setzen Hilfsorganisationen auf Aufklärung. Francois Kasereka, ein Pfadfinder, arbeitet als Freiwilliger auf dem Markt in Bunia. Er sagte: „Ich bin Mitglied der Pfadfinder. Wir arbeiten im Moment als Freiwillige, um die Leute vor Ebola zu warnen und sie darüber aufzuklären, wie sie sich vor Ansteckung schützen können.“
Kasereka und seine Mitstreiter vermitteln grundlegende Schutzmaßnahmen. „Wir tun alles, was wir können, damit die Bevölkerung Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen einhält, Kranke nicht anfasst, und auf gar keinen Fall Tote berührt“, erklärte er.
Aufklärung als wichtigste Waffe
Die Freiwilligen versuchen, mit Aufklärung das Ansteckungsrisiko zu senken. Kasereka betonte: „Wir wollen mit den Menschen reden und ihnen erklären, was Ebola ist und wie das Virus übertragen wird. Wir wollen das Ansteckungsrisiko in unserer Stadt und unserer Provinz so gering wie möglich halten.“
Die Eindämmung wird durch die hohe Mobilität der Bevölkerung in der Provinz Ituri zusätzlich erschwert. Uzzeni von Médecins Sans Frontières warnte: „Wir haben es also mit einem großen Ausbruch zu tun, der schon mehrere Regionen erreicht hat.“
Besonders besorgniserregend ist die Ausbreitung in städtischen Zentren. Uzzeni fügte hinzu: „Und dann kommt auch noch hinzu, dass der Ausbruch in städtischen Zentren angekommen ist, wo mehrere Hunderttausend Menschen leben. Leider erleichtert das die Verbreitung noch mehr.“
Städtische Zentren und hohe Mobilität
Die WHO betont, dass die Infektionskette nur durchbrochen werden kann, wenn sich infizierte Personen und ihre Kontaktpersonen für mindestens drei Wochen isolieren. Die Sterblichkeitsrate der Bundibugyo-Variante liegt Schätzungen zufolge bei etwa 30 bis 50 Prozent.
Unter den mehr als 900 Verdachtsfällen wurden bisher 101 Ebola-Fälle labortechnisch bestätigt. Die Zahl der Todesopfer wird von der kongolesischen Regierung auf mehr als 200 geschätzt.
Erste Hilfslieferungen der Europäischen Union erreichten am Abend die Stadt Bunia. Das Kinderhilfswerk UNICEF berichtete, dass die Lieferungen Schutzmasken, Handschuhe und Medikamente umfassen.
Internationale Hilfe läuft an
Die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus wurde erstmals 2007 nachgewiesen. Da es für diesen Stamm keine etablierte Behandlung gibt, konzentrieren sich die Helfer vor Ort auf die Isolierung von Erkrankten und die Unterbrechung von Übertragungswegen.
Fragen & Antworten
Warum ist der Ebola-Ausbruch im Kongo so schwer einzudämmen?
Die Eindämmung wird durch bewaffnete Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und der M23-Miliz, tiefes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Behörden sowie die späte Entdeckung des Ausbruchs massiv erschwert.
Welche Rolle spielen Freiwillige wie Francois Kasereka bei der Bekämpfung von Ebola?
Freiwillige wie der Pfadfinder Francois Kasereka klären die Bevölkerung auf Märkten über Hygienemaßnahmen und Schutz vor Ansteckung auf, um das Infektionsrisiko zu senken.
Gibt es eine wirksame Behandlung gegen die aktuelle Ebola-Variante?
Gegen die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es derzeit weder einen Impfstoff noch eine gezielte Therapie; die Helfer konzentrieren sich daher auf Isolierung und Aufklärung.