Ebola-Ausbruch Kongo: Über 900 Fälle, WHO fordert Waffenruhe | nachrichten360
WHO meldet über 900 Ebola-Verdachtsfälle im Kongo – Kein Impfstoff verfügbar
Bunia, 30. Mai 2026
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Kurzfassung
Die WHO hat mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Gegen den Bundibugyo-Virusstamm gibt es weder Impfstoff noch gezielte Therapie, und die anhaltenden Kämpfe erschweren die Eindämmung.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete am Sonntag mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle in der Demokratischen Republik Kongo, während Kämpfe im Osten des Landes die Eindämmung des Ausbruchs massiv behindern.
Kämpfe behindern die Eindämmung
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, dass die Gefechte im Ostkongo die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs sehr schwierig machten. Er rief zu einer dringenden Waffenruhe in der Region auf.
Bei dem aktuellen Ausbruch handelt es sich um die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, die erstmals 2007 nachgewiesen wurde. Nach Angaben der WHO gibt es gegen diesen Stamm weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine etablierte Behandlung.
Die kongolesische Regierung schätzt, dass der Ausbruch bereits mehr als 200 Todesopfer gefordert hat. Unter den über 900 Verdachtsfällen sind 101 laborbestätigte Ebola-Infektionen.
Späte Entdeckung und rasche Ausbreitung
Der Ausbruch begann in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes und wurde erst sehr spät entdeckt. Florent Uzzeni, Notfallkoordinator von Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) in Bunia, sagte: „Normalerweise beginnen wir mit den Gegenmaßnahmen, sobald die ersten wenigen Fälle bekannt werden. Nie so spät wie diesmal, als es schon mehrere hundert Fälle gab.“
Uzzeni fügte hinzu: „Wir haben es also mit einem großen Ausbruch zu tun, der schon mehrere Regionen erreicht hat.“ Die Krankheit sei zudem in städtischen Zentren angekommen, wo Hunderttausende Menschen leben, was die Verbreitung noch mehr erleichtere.
Die hohe Mobilität der Bevölkerung in Ituri begünstigt die Ausbreitung des Virus zusätzlich. Laut WHO kann die Infektionskette nur durchbrochen werden, wenn sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für mindestens drei Wochen isolieren.
Die Sterblichkeitsrate der Bundibugyo-Variante liegt bei etwa 30 bis 50 Prozent. Am Freitag stufte die WHO das Risiko einer nationalen Ausbreitung in der Demokratischen Republik Kongo als „sehr hoch“ ein. Das regionale Risiko wird als „hoch“, das globale Risiko als „niedrig“ bewertet.
Internationale Dimension des Ausbruchs
Das Virus hat bereits die Landesgrenzen überschritten. In Uganda stieg die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle am Wochenende auf fünf an.
Ein US-Bürger, der sich im Kongo mit Ebola infizierte, wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Nach Angaben des Krankenhauses benötigt der Patient keine intensivmedizinische Betreuung.
Die Hilfsmaßnahmen vor Ort werden durch Misstrauen und Fehlinformationen in der Bevölkerung erschwert. Viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo misstrauen der Regierung und den Gesundheitsbehörden; einige glauben, dass Ebola nicht existiert.
Misstrauen und Gewalt gegen Helfer
In der vergangenen Woche setzten Demonstranten in der Provinz Ituri Behandlungszelte in Brand, nachdem es einen Streit um die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebola-Opfers gegeben hatte. Ebola-Behandlungszentren in den am stärksten betroffenen Städten wurden bereits mehrfach angegriffen und angezündet.
Francois Kasereka, ein Pfadfinder, arbeitet als Freiwilliger in Bunia, um die Menschen vor Ebola zu warnen und über Schutzmaßnahmen aufzuklären. Auf einem Markt in der Stadt sagte er: „Ich bin Mitglied der Pfadfinder. Wir arbeiten im Moment als Freiwillige, um die Leute vor Ebola zu warnen und sie darüber aufzuklären, wie sie sich vor Ansteckung schützen können.“
Kasereka betonte die Dringlichkeit der Aufklärungsarbeit: „Wir tun alles, was wir können, damit die Bevölkerung Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen einhält, Kranke nicht anfasst, und auf gar keinen Fall Tote berührt.“
Er fügte hinzu: „Wir wollen mit den Menschen reden und ihnen erklären, was Ebola ist und wie das Virus übertragen wird. Wir wollen das Ansteckungsrisiko in unserer Stadt und unserer Provinz so gering wie möglich halten.“
Hilfe und Aufklärung vor Ort
Unterdessen erreichten erste Hilfslieferungen der Europäischen Union die Stadt Bunia. UNICEF meldete, dass die Lieferungen am Abend eintrafen und Schutzmasken, Handschuhe und Medikamente umfassten.
Der Konflikt im Ostkongo, der die humanitäre Krise verschärft, wird seit Jahren zwischen der kongolesischen Armee und der Miliz M23 ausgetragen. Die M23 wird von Ruanda unterstützt und hat im vergangenen Jahr Gebiete in den Regionen Nord-Kivu und Süd-Kivu erobert.
Der Hintergrundkonflikt im Ostkongo
Die Miliz versucht, eine eigene Regierung zu errichten. Bei dem Konflikt geht es vor allem um den Zugang zu Rohstoffen.
Die Kombination aus bewaffneten Auseinandersetzungen, Misstrauen in der Bevölkerung und dem Fehlen eines Impfstoffs stellt die Helfer vor eine beispiellose Herausforderung. Die WHO und ihre Partnerorganisationen arbeiten unter Hochdruck daran, die Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung einzudämmen.
Fragen & Antworten
Warum gibt es gegen den aktuellen Ebola-Ausbruch keinen Impfstoff?
Der Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht, für die es nach Angaben der WHO weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine etablierte Behandlung gibt.
Was erschwert die Bekämpfung von Ebola im Ostkongo?
Die anhaltenden Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und der M23-Miliz behindern die Hilfsmaßnahmen massiv, zudem herrscht in der Bevölkerung großes Misstrauen gegenüber Behörden und Helfern.
Wie hoch ist das Risiko einer weltweiten Ausbreitung?
Die WHO bewertet das globale Risiko als „niedrig“, das regionale Risiko jedoch als „hoch“ und das Risiko einer nationalen Ausbreitung in der Demokratischen Republik Kongo als „sehr hoch“.