Ebola-Ausbruch Kongo: Über 900 Fälle, WHO fordert Waffenruhe | nachrichten360
WHO meldet über 900 Ebola-Verdachtsfälle im Kongo – Kampf gegen Ausbruch durch Gewalt erschwert
Genf, 29. Mai 2026
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Kurzfassung
Die Weltgesundheitsorganisation zählt mehr als 900 mutmaßliche Ebola-Erkrankungen in der Demokratischen Republik Kongo. Kämpfe zwischen Armee und M23-Miliz sowie Misstrauen in der Bevölkerung behindern die Eindämmung des tödlichen Bundibugyo-Virus.
In der Demokratischen Republik Kongo sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle registriert, während anhaltende Kämpfe im Osten des Landes die Bekämpfung des Ausbruchs massiv erschweren.
Ein Ausbruch ohne Impfstoff
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus gab die Fallzahlen am Sonntag bekannt und forderte eine dringende Waffenruhe. Unter den Verdachtsfällen seien 101 laborbestätigte Infektionen. Die kongolesische Regierung schätzt, dass bereits mehr als 200 Menschen an dem Virus gestorben sind.
Der aktuelle Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht, die erstmals 2007 nachgewiesen wurde. Für diesen Erregerstamm gibt es nach WHO-Angaben weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 30 bis 50 Prozent.
Die Bekämpfung des Virus wird durch die prekäre Sicherheitslage im Osten des Landes erheblich behindert. Die kongolesische Armee kämpft dort seit Jahren gegen die M23-Miliz, die von Ruanda unterstützt wird und im vergangenen Jahr Gebiete in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu erobert hat. Die Miliz versucht, eine eigene Regierung zu errichten. Der Konflikt dreht sich vor allem um den Zugang zu Rohstoffen.
Krieg als Brandbeschleuniger
„Die Kämpfe im Ostkongo machen es sehr schwierig, den Ebola-Ausbruch einzudämmen“, erklärte Tedros. Die WHO hatte bereits am Freitag das Risiko einer nationalen Ausbreitung des Virus in der Demokratischen Republik Kongo auf „sehr hoch“ heraufgestuft. Das regionale Risiko wird als „hoch“, das globale Risiko als „niedrig“ eingeschätzt.
Der Ausbruch begann in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes und wurde erst spät entdeckt. Florent Uzzeni, Notfallkoordinator von Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) in Bunia, sagte: „Normalerweise beginnen wir mit den Gegenmaßnahmen, sobald die ersten wenigen Fälle bekannt werden. Nie so spät wie diesmal, als es schon mehrere hundert Fälle gab.“
Uzzeni warnte zudem vor der räumlichen Ausdehnung: „Wir haben es also mit einem großen Ausbruch zu tun, der schon mehrere Regionen erreicht hat.“ Besonders besorgniserregend sei die Verlagerung in städtische Zentren. „Und dann kommt auch noch hinzu, dass der Ausbruch in städtischen Zentren angekommen ist, wo mehrere Hunderttausend Menschen leben. Leider erleichtert das die Verbreitung noch mehr.“
Späte Entdeckung und urbane Verbreitung
Die hohe Mobilität der Bevölkerung in der Provinz Ituri verschärft die Lage zusätzlich. Das Virus hat bereits die nationale Grenze überschritten: Im benachbarten Uganda stieg die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle am Wochenende auf fünf.
Ein US-amerikanischer Staatsbürger, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus infiziert hatte, wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Nach Angaben des Krankenhauses benötigt der Patient keine intensivmedizinische Versorgung.
Die Hilfsorganisationen vor Ort kämpfen nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen Misstrauen und Desinformation in der Bevölkerung. Viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo misstrauen der Regierung und den Gesundheitsbehörden. Einige glauben, dass Ebola gar nicht existiert, andere vermuten, dass die Behörden den Ausbruch für politische oder finanzielle Zwecke ausnutzen wollen.
Misstrauen und Gewalt gegen Helfer
In der Provinz Ituri hatten Demonstranten in der vergangenen Woche Behandlungszelte in Brand gesetzt, nachdem es einen Streit um die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebola-Opfers gegeben hatte. Auch in anderen besonders betroffenen Städten wurden Ebola-Behandlungszentren angegriffen und angezündet.
Trotz der schwierigen Umstände arbeiten Freiwillige unermüdlich daran, die Bevölkerung aufzuklären. Francois Kasereka, ein Pfadfinder, der sich in Bunia ehrenamtlich engagiert, sagte: „Ich bin Mitglied der Pfadfinder. Wir arbeiten im Moment als Freiwillige, um die Leute vor Ebola zu warnen und sie darüber aufzuklären, wie sie sich vor Ansteckung schützen können.“
Kasereka betonte die Bedeutung einfacher Schutzmaßnahmen: „Wir tun alles, was wir können, damit die Bevölkerung Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen einhält, Kranke nicht anfasst, und auf gar keinen Fall Tote berührt.“
Aufklärung an vorderster Front
Sein Ziel sei es, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Wir wollen mit den Menschen reden und ihnen erklären, was Ebola ist und wie das Virus übertragen wird. Wir wollen das Ansteckungsrisiko in unserer Stadt und unserer Provinz so gering wie möglich halten.“
Laut WHO kann die Infektionskette nur durchbrochen werden, wenn sich infizierte Personen und ihre Kontaktpersonen für mindestens drei Wochen isolieren. Die späte Entdeckung des Ausbruchs und die schwierigen Bedingungen vor Ort machen diese Aufgabe jedoch äußerst komplex.
Internationale Hilfe läuft an
Unterdessen erreichten erste Hilfslieferungen der Europäischen Union die Stadt Bunia. Nach Angaben von UNICEF trafen die Lieferungen am Abend ein und umfassten Schutzmasken, Handschuhe und Medikamente.
Fragen & Antworten
Warum ist der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo besonders gefährlich?
Der Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante verursacht, für die es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt. Zudem wurde er erst spät entdeckt, als bereits mehrere hundert Fälle aufgetreten waren, und hat inzwischen dicht besiedelte städtische Zentren erreicht.
Welche Rolle spielen die Kämpfe im Ostkongo bei der Ebola-Bekämpfung?
Die anhaltenden Gefechte zwischen der kongolesischen Armee und der M23-Miliz erschweren den Zugang zu betroffenen Gebieten und behindern die Arbeit der Hilfsteams. WHO-Chef Tedros forderte deshalb eine dringende Waffenruhe, um die Eindämmung des Virus zu ermöglichen.
Wie versuchen Freiwillige wie Francois Kasereka, die Ausbreitung von Ebola zu stoppen?
Francois Kasereka und andere Pfadfinder klären die Bevölkerung in Bunia über Hygienemaßnahmen wie Händewaschen auf und warnen davor, Kranke oder Verstorbene zu berühren. Sie führen Gespräche, um Misstrauen abzubauen und das Ansteckungsrisiko zu verringern.