Waldbrand Südfrankreich: 10.000 Evakuierte, Tour de France betroffen
Narbonne, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Ein außer Kontrolle geratener Waldbrand hat im Südwesten Frankreichs rund 4.600 Hektar Land zerstört und etwa 10.000 Menschen aus 26 Ortschaften zur Flucht gezwungen. Die dritte Etappe der Tour de France musste auf französischer Seite ohne Zuschauer stattfinden, während auf spanischer Seite 2.200 Hektar verbrannten.
Ein Waldbrand in den Ausläufern der französischen Pyrenäen westlich von Perpignan hat bislang etwa 4.600 Hektar Fläche vernichtet und rund 10.000 Menschen aus 26 Ortschaften zur Evakuierung gezwungen.
Ausmaß des Brandes
Wie die Präfektur des Departements Pyrénées-Orientales am Montag mitteilte, fraßen sich die Flammen in einem Gebirgsmassiv westlich von Perpignan durch eine Fläche von 4.600 Hektar. Der örtliche Präfekt Pierre Regnault de la Mothe erklärte auf der Plattform X, der Brand zerstöre weiter Land. Am Montagmorgen verschlechterten sich die Bedingungen nach Angaben des französischen Innenministers Laurent Nunez erneut. Auf einer Satellitenaufnahme vom 5. Juli 2026 waren Rauchschwaden über einem acht Kilometer großen Brandgebiet zwischen Rodes und Ille-sur-Tet zu sehen.
Der Großbrand zwingt die Anwohnerinnen und Anwohner in zwei Dutzend kleinen Städten und Dörfern, ihre Häuser zu verlassen. Die Behörden teilten mit, dass inzwischen etwa 10.000 Menschen evakuiert worden seien. Zuvor war am Wochenende bereits für rund 5.000 Menschen aus Ortschaften in dem Gebirgsmassiv westlich von Perpignan die Evakuierung angeordnet worden. Die Zahl stieg im Laufe des Montags deutlich an, da sich die Lage laut Präfektur weiter zuspitzte.
Evakuierungen und Aufrufe der Behörden
Die Präfektur des Departements Pyrénées-Orientales rief die Menschen in der Region dazu auf, die Straßen vollständig für die Feuerwehrkräfte freizuhalten und nicht in die Häuser zurückzukehren, um dort Besitz in Sicherheit zu bringen. Alle Sicherheitskräfte müssten sich auf die Bekämpfung des Brandes konzentrieren, erklärte die Präfektur. Wer sich nicht an die Einschränkungen halte, müsse mit einem Bußgeld rechnen. Für Firmen, deren Beschäftigte nicht zur Arbeit kommen können, soll eine Kurzarbeitsregelung getroffen werden.
Bei dem Einsatz wurden ein Feuerwehrmann sowie ein Anwohner schwer verletzt. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen das Feuer an, das durch Wind, große Hitze und vor allem durch eine außergewöhnlich hohe Lufttrockenheit angefacht wurde. Die Wetterbedingungen in der Region galten als äußerst kritisch: Für sieben Departements im Südosten Frankreichs wurde die höchste Warnstufe Rot verhängt, während in 41 weiteren Departements eine hohe Waldbrandgefahr besteht. Wegen einer neuen Hitzewelle gilt in 16 Départements die zweithöchste Alarmstufe Orange, erwartet werden Temperaturen von bis zu 40 Grad.
Auswirkungen auf die Tour de France
Innenminister Nunez fasste die Lage mit den Worten zusammen: „Heute geht der Kampf weiter." Die Behörden zeigten sich besorgt, dass die sich ändernden Windrichtungen und die weiterhin trockene Luft die Löscharbeiten zusätzlich erschweren. Auch in den kommenden Tagen sei keine durchgreifende Wetterbesserung in Sicht.
Lage in Spanien
Der Brand wirkt sich unmittelbar auf die Tour de France aus. Die dritte Etappe der Frankreich-Rundfahrt, deren Strecke von Granollers in Spanien zum französischen Zielort Les Angles führt, musste auf der französischen Seite der Grenze ohne Zuschauer stattfinden. Die Veranstalter reagierten damit auf die schwierige Brandlage entlang des Kursverlaufs.
Auch auf der spanischen Seite der Grenze wüteten die Flammen. Dort verwüstete das Feuer rund 2.200 Hektar Land, 97 Prozent der Fläche liegen im Naturschutzgebiet Les Gavarres. Besonders angespannt war die Lage im Nordosten Spaniens in der Nähe der Stadt Bisbal d'Empodrá im Hinterland der Touristenregion Costa Brava. Wegen starken Rauchs hatten die Behörden am Freitag rund 45.000 Bewohnerinnen und Bewohner mehrerer Ortschaften östlich von Girona aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Die katalanischen Behörden erklärten am späten Samstagabend, die Lage dort sei stabil und das Feuer werde voraussichtlich im Laufe der Woche gelöscht. Am Sonntag wurde zudem ein 76-jähriger „nicht nüchterner" Mann unter dem Verdacht festgenommen, das Feuer gelegt zu haben.
Weitere Brände in Südeuropa
Weiter südlich in der spanischen Provinz Castellón mussten 500 Menschen vor einem Brand im Nationalpark Sierra de Espadán in Sicherheit gebracht werden. Auch in Griechenland erfasste ein Waldbrand eine Recyclinganlage. Die Behörden riefen die Bewohner einiger Stadtteile von Thessaloniki auf, in ihren Häusern zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten, weil der Rauch Giftstoffe enthalte. Etwa 160 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen, die vom Wind angefacht wurden. Löschflugzeuge seien nach Tagesanbruch gestartet, teilte die Feuerwehr mit. Bei einem weiteren Waldbrand rund 20 Kilometer nordöstlich von Thessaloniki kamen am Mittwoch ein Mann und sein 12-jähriger Sohn ums Leben. In der Region Oreokastro bekämpften rund 115 Feuerwehrleute zusammen mit 38 Löschfahrzeugen und einer unbekannten Anzahl von Freiwilligen den Brand.
In Portugal standen die Einsatzkräfte vor einer weiteren Großlage. In der Region Vouzela in Zentralportugal versuchten mehr als 1.200 Feuerwehrleute, unterstützt von fast 400 Fahrzeugen und 15 Flugzeugen, einen am Donnerstag ausgebrochenen Brand zu löschen. Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus teilte der Nachrichtenagentur AP zufolge mit, das Feuer habe sich in der Region Vouzela auf eine Fläche von 12.000 Hektar ausgebreitet. Das entspricht in etwa der Fläche von 3.100 Fußballfeldern. Auch dort hatte ein Feuer bereits mindestens 2.300 Hektar Busch- und Waldland niedergebrannt. Die Generaldirektion für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der EU teilte mit, dass Spanien am Freitag 120 Feuerwehrleute und 45 Fahrzeuge als Verstärkung nach Portugal entsandt habe.
Europäische Reaktion und Hintergrund
Angesichts der zunehmenden Waldbrandgefahr in ganz Europa werden fast 800 Feuerwehrleute aus 14 Ländern an besonders gefährdeten Gegenden in Zypern, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal stationiert, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte. Die meisten Waldbrände werden nach Angaben der Feuerwehr zwar von Menschen verursacht, häufigere Hitzewellen und die damit verbundene Trockenheit infolge des Klimawandels begünstigen jedoch ihre Ausbreitung.
Die Einsatzkräfte in Südfrankreich bereiteten sich nach den Worten von Innenminister Nunez auf einen weiteren langen Arbeitstag vor. Die Hoffnung ruhe auf einer Wetteränderung in den kommenden Tagen, hieß es aus der Präfektur. Bis dahin gelte: „Heute geht der Kampf weiter."
Fragen & Antworten
Wie groß ist das vom Waldbrand in Südfrankreich betroffene Gebiet?
Nach Angaben der Präfektur des Departements Pyrénées-Orientales haben die Flammen bislang rund 4.600 Hektar Land in einem Gebirgsmassiv westlich von Perpignan zerstört. Auf der spanischen Seite der Grenze verwüstete das Feuer weitere rund 2.200 Hektar, 97 Prozent davon im Naturschutzgebiet Les Gavarres.
Wie viele Menschen mussten evakuiert werden?
Die Behörden evakuierten nach eigenen Angaben rund 10.000 Menschen aus 26 Ortschaften nahe der spanischen Grenze. Am Wochenende waren zunächst etwa 5.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, die Zahl stieg im Laufe des Montags deutlich an.
Welche Auswirkungen hat der Brand auf die Tour de France?
Die dritte Etappe der Tour de France, deren Strecke von Granollers in Spanien zum französischen Zielort Les Angles führt, musste auf der französischen Seite der Grenze ohne Zuschauer stattfinden. Hintergrund war die schwierige Feuerlage entlang des Kursverlaufs.
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