Waldbrand in Andalusien fordert mindestens zwölf Tote – schlimmster Waldbrand in Spanien seit 2005
Madrid, 10 Juli 2026
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Kurzfassung
Bei einem verheerenden Waldbrand in der südspanischen Provinz Almería sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Die Behörden befürchten einen weiteren Anstieg der Opferzahl, da noch immer Dutzende Menschen vermisst werden.
Madrid, 10 Juli 2026
Bei einem verheerenden Waldbrand in der südspanischen Provinz Almería sind am Donnerstag mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder; die andalusische Regionalregierung meldete zudem mehr als 20 Vermisste.
Ausbruch und Ausbreitung des Feuers
Das Feuer war am Donnerstagnachmittag in der Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen, rund 300 Kilometer nordöstlich von Málaga, und hatte sich rasend schnell in einem bewaldeten Gebiet rund um den nahe gelegenen Ort Bédar ausgebreitet. Nach Angaben des regionalen Gesundheitsministers Antonio Sanz handelte es sich um einen sogenannten Grabenbrand, der durch sehr starken Wind angefacht wurde. Die Einsatzkräfte kämpften unter anderem mit Löschhubschraubern und elf Löschflugzeugen gegen die Flammen, die mehr als 3.000 Hektar Land verbrannten.
Der Bürgermeister von Los Gallardos, Francisco Miguel Reyes, beschrieb das Feuer im staatlichen Fernsehen RTVE als «ein Feuer bislang nie dagewesenen Ausmaßes». Auch Pedro Ridao, Bürgermeister der nahe gelegenen Gemeinde Antas, erklärte: «Im weiteren Verlauf konnten wir sehen, wie das Feuer rasant voranschritt und Bauernhöfe, Ferienhäuser und Autos verschlang, so dass wir einschreiten mussten.» Ridao wies zudem darauf hin, dass vor allem der Wind am Nachmittag die Ausbreitung begünstigt habe.
Die Behörden hatten die Bevölkerung aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Dennoch starben nach offiziellen Angaben mindestens zwölf Menschen, als sie versuchten, sich «auf eigene Faust» über nicht ausgewiesene Routen in Sicherheit zu bringen. Antonio Sanz sagte, die Opfer hätten sich für die Flucht durch ein ausgetrocknetes Flussbett entschieden, statt den Anweisungen zu folgen oder die ausgewiesenen Evakuierungswege zu nutzen – eine «echte Falle».
Opfer und Umstände
Die Guardia Civil fand am frühen Freitagmorgen vier verkohlte Leichen in einem völlig ausgebrannten Fahrzeug auf einer Zufahrtsstraße nahe dem Dorf Bédar. Das Auto hatte das Lenkrad auf der rechten Seite, weshalb die Insassen als mutmaßlich britische Staatsbürger gelten. Das Fahrzeug war in einem ausgetrockneten Flussbett stecken geblieben. Weitere sieben Personen starben, nachdem sie ihre Fahrzeuge verlassen hatten und über eine nicht vorgesehene Route zu fliehen versuchten; die Flammen schnitten ihnen den Weg ab.
Bei den Toten handelt es sich Behörden zufolge überwiegend um Ausländerinnen und Ausländer, die wohl Anweisungen, in ihren Häusern Schutz zu suchen, missachtet hatten. Sanz sagte der Nachrichtenagentur EFE, alles deute darauf hin, dass es sich bei den Toten mehrheitlich – oder sogar ausnahmslos – um ausländische Staatsbürger handle. Bei den Opfern soll es sich großteils um ausländische Touristen oder Ferienhaus-Besitzer handeln, die versucht hatten, auf eigene Faust zu fliehen. Für einen spanischen Staatsbürger, der ebenfalls unter den Toten war, wurden zunächst keine näheren Umstände bekannt gegeben.
Die andalusische Region Almería ist ein Urlaubsziel und Wohnort für viele Ausländer, insbesondere Franzosen, Briten und Belgier. Regionalpräsident Juan Manuel Moreno bestätigte am Freitag im Radiosender Cadena SER, dass die Zahl der Toten auf zwölf gestiegen sei und mehr als 20 Menschen als vermisst galten. Unter den Vermissten befänden sich vermutlich auch Wanderer; Rettungskräfte fanden am Unglücksort mehrere Wanderstöcke.
Mehr als tausend Menschen aus mehreren Ortschaften wurden in Notzelte in benachbarten Orten wie Mojácar gebracht. Aus dem Ort Colloro wurden vorsorglich rund 150 Menschen in Sicherheit gebracht. Auch ein Campingplatz, der von den Flammen noch nicht erreicht worden war, wurde vorsorglich geräumt; Rettungskräfte brachten rund 400 Menschen, darunter viele ältere Personen, in Sicherheit. Die Evakuierten wurden zunächst in einer Sporthalle untergebracht.
Einsatzkräfte und Evakuierungen
Nach Angaben von Gesundheitsminister Sanz waren am Freitagmorgen rund 150 Feuerwehrleute mit fünf Löschfahrzeugen sowie weitere Rettungskräfte in Los Gallardos im Einsatz. Bis Freitagmorgen waren mehr als 460 Rettungskräfte an den Löscharbeiten beteiligt, wobei die Zahl weiter steigen sollte. Auch Notfall-Truppen der spanischen Armee unterstützten den Einsatz. Die Rettungsdienste erhielten am Donnerstag mehr als 150 Notrufe.
Die Brandbekämpfung gestaltete sich aufgrund des durch zahlreiche Schluchten durchzogenen Gebietes schwierig. Am Freitagmorgen hatte der Wind nachgelassen, was die Löscharbeiten begünstigen sollte. Rund 150 Menschen meldeten entsprechende Beobachtungen von Funken aus einer Stromleitung, wie die freie Journalistin Nicole Ris in Spanien berichtete.
Als mögliche Ursache des Feuers gilt eine gerissene Stromleitung, die in die wegen Hitze und Trockenheit stark ausgedörrte Vegetation gefallen war. Funken könnten das Feuer dann ausgelöst haben. Der Energieversorger Endesa wies diese Vermutung jedoch zurück und erklärte, die Leitung habe seit Jahren nicht mehr unter Spannung gestanden. Regionalpräsident Moreno erklärte, das Feuer sei durch ein beschädigtes Kabel verursacht worden.
Mögliche Ursache und historischer Vergleich
Für Spanien ist es der folgenschwerste und tödlichste Waldbrand seit 2005, als elf Feuerwehrleute bei einem durch einen Grill ausgelösten Brand in der zentralspanischen Provinz Guadalajara starben. Dieses Unglück führte zu umfassenden Reformen im spanischen Brandschutz. Nur zwei frühere spanische Waldbrände forderten mehr Tote: einer auf der Kanareninsel La Gomera im Jahr 1984 mit 20 Toten und einer in Lloret de Mar im Jahr 1979 mit 21 Toten.
Der regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz sprach von einer «beispiellosen Tragödie» – es sei der Waldbrand «mit den bislang schwersten Folgen» in Andalusien. «Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen», sagte Sanz. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte auf der Plattform X seine «grosse Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes» zum Ausdruck und sprach den Familien sein Beileid aus.
Das spanische Königshaus erklärte über soziale Netzwerke: «Wir bringen unsere Trauer und unser Beileid gegenüber den Familien und Angehörigen der Verstorbenen sowie allen Betroffenen zum Ausdruck.» Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez und das Königshaus von Monarch Felipe VI. zeigten sich tief betroffen.
Neben den zwölf Toten wurden vier Menschen mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert. Etwa zehn Menschen wurden dem Staatsfernsehen RTVE zufolge verletzt und einige von ihnen in Spitäler gebracht. Die offiziellen Identifizierungsverfahren waren nach Angaben von Sanz noch im Gange.
Reaktionen der Politik
Die Katastrophe weckt Erinnerungen an die verheerenden Waldbrände im benachbarten Portugal im Juni 2017, bei denen während einer Hitzewelle mehr als 60 Menschen ums Leben kamen, die Hälfte von ihnen auf der Flucht in brennenden Autos. Auch in Frankreich und Portugal kämpfte die Feuerwehr in den vergangenen Tagen gegen mehrere Brände. Anfang der Woche hatte ein außer Kontrolle geratener Waldbrand in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze die Rettung von mehr als 10.000 Menschen aus zahlreichen Ortschaften erzwungen.
Der vergangene Juni war laut dem Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus zudem in Westeuropa der heißeste jemals gemessene. Auch die Temperaturen an den Meeresoberflächen verzeichneten im Juni historische Höchstwerte. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwärmt sich Europa mehr als doppelt so schnell wie der Rest der Welt, wodurch anhaltende Hitzeperioden immer wahrscheinlicher werden.
Klimatischer Kontext und weitere Brände in Europa
Seit Jahresbeginn haben großflächige Brände in Spanien nach Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) mehr als 50.000 Hektar Land zerstört – eine Fläche fast so gross wie der Kanton Basel-Landschaft. 2025 fielen in Spanien mehr als 393.000 Hektar Land den Flammen zum Opfer. In Teilen des Landes gilt seit Tagen die höchste Hitzealarmstufe.
Auch die Tour de France war betroffen. Spanien leidet wie auch Portugal und Frankreich derzeit unter massiver Hitze. Die französische Regierung setzte angesichts der extremen Temperaturen einen bisher einmaligen Notfallplan für Hitze in Kraft, der unter anderem die Einrichtung von Abkühlzentren für gefährdete Menschen vorsieht, wie Regierungssprecherin Maud Bregeon im Sender TF1 ankündigte.
Auch auf Deutschland kommt am Wochenende erneut eine Hitzewelle zu, wie der Deutsche Wetterdienst DWD am Freitag mitteilte. Neue Höchstwerte wie im Juni seien aber nicht zu erwarten, die Temperaturen würden bis zu 35 Grad erreichen, am Montag dann eventuell bis zu 37 Grad. In Großbritannien herrschen seit mehr als einer Woche Temperaturen um die 35 Grad, vor allem im Süden des Landes; wie die BBC am Freitag berichtete, kam es auch vereinzelt zu Tropennächten, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt.
Auch in Österreich baut sich laut ORF-Wetterredaktion und GeoSphere Austria langsam die nächste Hitzewelle auf. So extrem wie zuletzt im Juni werden die Temperaturen jedoch nicht werden, übers Wochenende werden bis 33 Grad erwartet, Anfang nächster Woche können es dann bis zu 35 Grad sein. Die Hitzewellen sowie die Trockenheit und niedrigen Wasserstände setzten heuer auch bereits vielen Gewässern erheblich zu; vielen Fischen droht der Erstickungstod.
Im norditalienischen Piemont weitete sich indes ein Waldbrand innerhalb von 24 Stunden von etwas mehr als 100 auf über 600 Hektar aus. Besonders betroffen ist laut Angaben von Freitag die Gemeinde Premosello Chiovenda am Rande des Nationalparks Val Grande. Der griechische staatliche Wetterdienst warnte vor Waldbrandgefahr; Wettermodelle würden zudem einen Juli vorhersagen, der «wärmer als normal» ist, hieß es.
Diese Nachricht wurde am 10.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind bei dem Waldbrand in Andalusien gestorben?
Nach Angaben der andalusischen Regionalregierung sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Die Behörden befürchten einen weiteren Anstieg, da noch immer mehr als 20 Menschen vermisst werden.
Was war die Ursache des Feuers in Los Gallardos?
Als mögliche Ursache gilt eine gerissene Stromleitung, die in die ausgetrocknete Vegetation fiel. Der Energieversorger Endesa wies dies jedoch zurück und erklärte, die Leitung habe seit Jahren nicht mehr unter Spannung gestanden.
Warum ist dieser Waldbrand der schlimmste in Spanien seit 2005?
Es ist der folgenschwerste Waldbrand seit dem Brand in Guadalajara 2005, bei dem elf Feuerwehrleute starben. Damals löste ein Grill den Brand aus; dieses Unglück führte zu umfassenden Reformen im spanischen Brandschutz.
Waldbrand Andalusien: Zwölf Tote bei Feuer in Almería | nachrichten360