Bei einem schweren Waldbrand in der südspanischen Gemeinde Los Gallardos in der Provinz Almería sind am Donnerstag mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden verletzt.
Brandverlauf und Opfer
Das Feuer brach am Donnerstagnachmittag in der Gemeinde Los Gallardos aus, die rund 300 Kilometer nordöstlich von Málaga liegt. Nach Angaben des andalusischen Gesundheitsministers Antonio Sanz handelt es sich um den Waldbrand "mit den bislang schwersten Folgen" in Andalusien. Die Flammen breiteten sich demnach rasch entlang einer Fernstraße auf das angrenzende Waldgebiet aus.
Die Regionalregierung von Andalusien teilte die aktualisierte Opferzahl von zwölf am Freitagmorgen mit. Zunächst waren sechs Todesopfer gemeldet worden, im Laufe der Nacht und des frühen Morgens wurden sechs weitere Leichen entdeckt. Damit hat sich die Zahl der Toten im Vergleich zu den ersten Meldungen verdoppelt. Einige der Opfer wurden in ihren Fahrzeugen aufgefunden, mehrere Personen seien tot in ihrem Auto aufgefunden worden.
Die Todesfälle ereigneten sich in einem Ortsteil der Nachbargemeinde Bédar. Anwohner mehrerer Ortschaften wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Den Angaben zufolge wurden zudem mehrere Menschen verletzt. Die Rettungsdienste verzeichneten nach Ausbruch des Feuers mehr als 150 Anrufe von Bürgern, die den Brand meldeten.
Einsatzkräfte und Rettungsmaßnahmen
Nach Angaben eines Ministers sind derzeit rund 150 Feuerwehrleute mit fünf Löschfahrzeugen sowie weitere Rettungskräfte in Los Gallardos im Einsatz. Die Notrufe konnten von den Behörden zunächst nicht abschließend bestätigt werden, da die Einsatzkräfte unter schwierigen Bedingungen gegen die Flammen kämpften. Der andalusische Notdienst verkündete die Zahl von zwölf Toten in der Nacht über die Plattform X.
Mögliche Ursache: Herabgefallenes Kabel
Als mögliche Brandursache nannten Zeugen ein herabgefallenes Kabel, das in die ausgetrocknete Vegetation gestürzt sein soll. Berichten zufolge soll es sich um eine heruntergerissene Stromleitung gehandelt haben, die in das vollständig vertrocknete Buschwerk fiel. Die Flammen hätten sich "rasch auf das Waldgebiet nahe der Straße ausgebreitet". Die genauen Umstände werden noch untersucht.
Politische Reaktionen und Anteilnahme
Antonio Sanz sprach von einer "beispiellosen Tragödie" und äußerte sich tief betroffen: "Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen." Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bekundete auf der Plattform X seine "große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes" und sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus.
Spanien wird derzeit von einer schweren Hitzewelle heimgesucht, ebenso wie Portugal und Frankreich. In Teilen Spaniens gilt seit Tagen die höchste Hitzewarnstufe. Die trockene Witterung und die hohen Temperaturen begünstigen nach Einschätzung von Experten die Entstehung und rasche Ausbreitung von Bränden. Auch in Frankreich und Portugal war die Feuerwehr in den vergangenen Tagen wegen Waldbränden im Einsatz.
Hitzewelle begünstigt Brände
Nach Daten des Forest Fire Information System (EFFIS) der Europäischen Kommission haben Großbrände in Spanien seit Jahresbeginn mehr als 50.000 Hektar Land zerstört. Damit erreicht die diesjährige Feuersaison in Spanien ein besorgniserregendes Ausmaß. Der aktuelle Brand in Andalusien ist einer von mehreren Waldbränden, die derzeit gleichzeitig in Spanien wüten.
Die Einsatzkräfte in Andalusien kämpfen weiter gegen die Flammen. Die Behörden warnen die Bevölkerung in der Region Almería, wachsam zu bleiben und die Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen. Die Suche nach möglichen weiteren Opfern in dem betroffenen Waldgebiet dauert an. Unterdessen bereiten die andalusischen Behörden Maßnahmen zur Unterstützung der Hinterbliebenen vor.
Ausblick und weitere Maßnahmen
Die Wetterbedingungen mit anhaltender Trockenheit und extremer Hitze lassen befürchten, dass sich die Lage in den kommenden Tagen weiter zuspitzen könnte. Die Behörden in Andalusien haben die Bevölkerung aufgerufen, Aktivitäten im Freien zu vermeiden und offene Flammen im Freien zu unterlassen. Schulen und öffentliche Einrichtungen in den am stärksten betroffenen Gebieten wurden vorsorglich geschlossen.
Die nationale und regionale Politik hat eine umfassende Aufarbeitung des Vorfalls angekündigt. Neben der Klärung der Brandursache sollen auch Konsequenzen für den Katastrophenschutz und die Waldbrandprävention geprüft werden. Umweltverbände fordern unterdessen verstärkte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, der die Häufigkeit und Intensität solcher Feuer in der Region begünstigt.
