Waldbrände in Südwesteuropa: Zehntausende evakuiert, nationale Notstände ausgerufen
Paris/Madrid, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
Beispiellose Waldbrände haben im Südwesten Frankreichs und in Spanien mehr als 160.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Besonders betroffen sind die Region um Bordeaux und der Großraum Madrid, wo die nationale Regierung den Notstand ausrief.
Paris/Madrid, 25. Juli 2026
Beispiellose Waldbrände haben im Südwesten Frankreichs und in Spanien Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen, während die Behörden beider Länder nationale Notstände ausriefen und die Europäische Union Löschflugzeuge entsandte.
Die Waldbrände in Südwesteuropa haben am Wochenende ein Ausmaß erreicht, das selbst erfahrene Katastrophenschützer überrascht. Allein in Spanien erklärte die Regierung den nationalen Notstand für die Region Madrid und die Provinz Ávila, weil mehrere große Feuer außer Kontrolle geraten waren. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach am Samstag von einem «schwierigen Tag mit einer sehr widrigen Situation». Kurz darauf besuchte Ministerpräsident Pedro Sánchez die Einsatzzentrale in Cenicientos westlich von Madrid und warnte, die Lage werde angespannt bleiben, solange die Windentwicklung unklar sei. Sánchez zufolge war es das Ziel aller Maßnahmen, «Leben zu retten».
Ausmaß der Brände
In Frankreich weiteten sich die Flammen unterdessen in Richtung der Großstadt Bordeaux aus. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, das Land habe «noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß» erlebt, und versprach, «alles zu tun», um die Stadt Bordeaux zu schützen. Am Samstagmorgen wurden die westlichen Vororte Le Haillan, Eysines und Merignac vorsorglich geräumt, teilte die Präfektin des Départements Gironde, Sophie Brocas, über die Plattform X mit. Auch der Flughafen Bordeaux lag im Evakuierungsgebiet. Laut Nuñez arbeitet die Regierung «an allen möglichen Szenarien, einschließlich einer Evakuierung von Bordeaux».
Lage in Frankreich
In der Nacht zum Samstag hatten Behörden allein im Umland der Großstadt Bordeaux 57.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Nach Angaben der Präfektur Gironde hatte der seit Mittwoch wütende Großbrand bereits rund 19.000 Hektar Fläche erfasst – eine Fläche größer als Paris. Innenminister Nuñez sagte im Sender TF1, der Waldbrand habe sich über 140 Quadratkilometer ausgebreitet. Die Zahl der Verletzten unter den Einsatzkräften stieg: Etwa 40 der 1.000 Feuerwehrleute, die gegen den Brand bei Cap-Ferret kämpften, wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Zivile Opfer gab es nach offiziellen Angaben zunächst nicht.
Die bei Urlaubern beliebte Halbinsel Cap-Ferret wurde vollständig evakuiert. Rund 44.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Reisende verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon. Wie auf Videobildern der Zeitung «Le Figaro» zu sehen war, wurden Pferde in Biscarrosse aus ihren Stallungen gelassen, damit sie sich über die Straße galoppierend vor dem heranrückenden Brand retten konnten. Sirenen heulten in der Nacht, Bewohnerinnen und Bewohner berichteten, Asche regne vom Himmel und die Luft rieche nach Feuer.
In Saint-Laurent und anderswo richteten die Behörden Notunterkünfte ein. Im Messezentrum Bordeaux-Lac, das zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde, sowie im nahe gelegenen «Parc des Expositions» suchten zahlreiche Menschen Zuflucht. Nach Angaben des Senders France Info harren dort tausende Gestrandete aller Altersklassen auf Feldbetten aus, es bilden sich lange Schlangen vor den Essensausgaben. Rund 24.000 Menschen verließen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte, wie die Präfektin des Départements Gironde, Sophie Brocas, am Freitagnachmittag erklärte. Insgesamt wurden im Südwesten Frankreichs nach und nach rund 141.000 Menschen evakuiert.
Gefahr durch Wind und Klima
Die Behörden im Département Gironde warnten, der Wind habe gedreht und treibe die Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums Bordeaux. Marc Vermeulen, Leiter der Feuerwehr im Département Gironde, sprach von einem «erratischen Feuer». Der Chef der Katastrophenschutzbehörde der Regionalregierung, Novillo, beschrieb das Feuer bei Madrid als «auf seinem Höhepunkt» und derzeit «nicht zu löschen». Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit dem Klimawandel: Häufigere und intensivere Hitzewellen erhöhten das Risiko von Waldbränden, Dürre und außergewöhnliche Hitze hätten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas ausgetrocknet.
Brände bei Madrid
Mehrere Brände verschmolzen am Freitag zu einem Großfeuer westlich der spanischen Hauptstadt. Das vereinte Feuer zog auf die Gemeinde Navas del Rey zu, etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, und drohte nach Angaben lokaler Vertreter, sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León zu vereinen. Francisco Martin, der Vertreter der Zentralregierung für die Region Madrid, erklärte, weitere 20.000 Menschen seien angewiesen worden, in ihren Häusern Schutz zu suchen. Eine Priorität liege auf dem Schutz der Stadt San Lorenzo und des Escorial, des königlichen Palasts und Klosters von Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert.
Madrid selbst war zwar nicht unmittelbar bedroht, doch der beißende Rauchgeruch drang bis in das Stadtzentrum vor. Das ARD-Studio in Madrid berichtete, der Himmel über der Stadt sei orange, Teile der Stadt rochen nach Feuer, und am Boden sammle sich Asche. Eine Brise wehte den Geruch von Verbranntem in die Stadt hinein. Inzwischen hat die Regierung den nationalen Notstand ausgerufen; das Innenministerium in Madrid begründet den Schritt damit, dass gleich mehrere große Brände außer Kontrolle sind und dazu die Wetterlage die Feuer begünstige. Die Ausrufung erlaubt es dem Staat, mehr Geld bereitzustellen; das Militär übernimmt die Einsatzleitung.
Insgesamt waren in Spanien 63.000 Menschen betroffen, die evakuiert oder zum Verbleib in Gebäuden aufgefordert wurden – darunter 5.000 Urlauber auf einem Campingplatz. In der Region Ávila wurden rund 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner evakuiert. Die spanische Guardia Civil nahm einen Mann fest, der verdächtigt wird, in einem wegen Brandgefahr gesperrten Gebiet eine landwirtschaftliche Maschine eingesetzt zu haben; die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt. In Frankreich leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Männer ein, die trotz Waldbrandwarnungen im Wald gegrillt und geraucht hatten.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die Streitkräfte nach Angaben seines Umfelds auf, sich zu mobilisieren und den Zivilschutz «mit maximaler Verstärkung» zu unterstützen. Er erklärte, insgesamt 1.000 Militärangehörige würden eingesetzt, um gegen die Flammen zu kämpfen. Verteidigungsminister Sébastien Lecornu kündigte später an, die Truppenstärke werde von 1.000 auf 1.500 erhöht. Am Samstagabend wurde die Zahl der betroffenen Regionen erweitert, der Krisenstab tagte erneut, und ein Militärflugzeug vom Typ Airbus A400M mit einer Abwurfeinrichtung startete zu seinem ersten Einsatz; das Spezialflugzeug kann bis zu 20 Tonnen Löschmittel ausbringen.
Die Europäische Union aktivierte den Katastrophenschutzmechanismus. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte am Freitag in Brüssel, vier Canadair-Flugzeuge seien nach Spanien entsandt worden, nach Frankreich drei Flugzeuge und zwei Hubschrauber der EU-Rettungsflotte. Macron kündigte zudem an, Frankreich erhalte unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. Beide Länder würden mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen.
Auch Deutschland bot seine Hilfe an. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland sei bereit, Frankreich im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen. Sein Außenminister Johann Wadephul (CDU) versicherte auf der Plattform X: «In Krisenzeiten hält Europa zusammen», und kündigte Unterstützung für Frankreich und Spanien an. In Spanien traf Ministerpräsident Sánchez am Samstag mit Innenminister Grande-Marlaska im Krisenzentrum von Cenicientos ein, um die Lage zu bewerten.
Internationale Hilfe und EU-Einsatz
Behördenangaben zufolge wurden im Südwesten Frankreichs bisher rund 141.000 Menschen evakuiert. Die Zahl der insgesamt in Sicherheit gebrachten Personen in beiden Ländern wird auf etwa 270.000 geschätzt. Seit Anfang des Jahres verbrannten in Frankreich bereits 50.000 Hektar – etwa dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Nuñez zufolge handelt es sich dabei um einen neuen Höchstwert. Auch in Italien kämpften Rettungskräfte weiter gegen Brände, insbesondere auf Sizilien und in Kalabrien, wo am Freitag allein auf Sizilien Dutzende Feuer gemeldet wurden. In Frankreich brachen zudem Brände im Departement Var und auf der Insel Korsika aus.
Wissenschaftern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten. Eine Mitarbeiterin der Brüsseler Behörde betonte, dass solche Hilfegesuche noch nie so früh im Sommer gekommen seien – die höchste Waldbrand-Alarmstufe werde in der Regel erst im August erreicht. Nun stehen Spanien und Frankreich bereits im Juli mitten in einer beispiellosen Feuersaison.
Hintergrund: Notstand und Klimawandel
In Spanien löste die Regierung den nationalen Notstand aus, was zusätzliche Mittel freisetzt und den militärischen Notfalleinheiten den Vorrang gibt. Innenministerium und Notfalleinheit UME koordinieren seither zentral alle Rettungsmaßnahmen und ziehen Ressourcen aus nicht betroffenen Regionen hinzu. Mit der Ausrufung übernahm eine direkt der Zentralregierung unterstehende militärische Kriseneinheit die Einsatzleitung. Die Maßnahme war erst die zweite Aktivierung des 2015 eingeführten nationalen Notstandsmechanismus in der Geschichte Spaniens nach dem landesweiten Stromausfall im April 2025.
In Madrid sprach Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso (PP) vom «schlimmsten Brand in der Geschichte» der Region und beschrieb die Lage als «Katastrophe». Sie kritisierte zugleich den Zentralregierungsvertreter für Madrid scharf, nachdem dieser die Kürze ihres Notstandsantrags bemängelt hatte. Die Stimmung in der Hauptstadt bleibt angespannt: Der Himmel über Teilen der Stadt ist orange, und auch das Zentrum Madrids riecht nach Rauch. Die spanische Regierung warnte, aufkommender Wind könnte die Löscharbeiten im Laufe des Tages weiter erschweren. Die Entwicklungen der kommenden Stunden gelten als entscheidend.
Auch die Weltraumnation NASA ist betroffen: Die Waldbrände zwangen die Raumfahrtbehörde, eine ihrer drei globalen Deep-Space-Bodenstationen in Robledo, rund 65 Kilometer westlich von Madrid, vorsorglich zu evakuieren. Sobald es die Lage zulasse, würden mögliche Schäden an der Anlage bewertet, erklärte die NASA. Das RescEU-Zivilschutzprogramm verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge und fünf Helikopter sowie einen Pool von 777 Feuerwehrleuten, die in besonders gefährdeten Regionen stationiert sind. Beide Länder erhalten zudem Satellitenbilder aus dem Copernicus-Programm.
Während der Evakuierung bewiesen Anwohner und freiwillige Helfer bemerkenswerte Solidarität. Dutzende Freiwillige halfen beim Organisieren von Schlafplätzen und Mahlzeiten; Bäckereien und Supermärkte spendeten Essen. Auch Urlauber wie der aus der Region Hannover stammende Jaak Beil, der mit seiner Familie in Biscarrosse urlaubt, beobachteten die Lage am Becken von Arcachon aus der Ferne. Beil berichtete, alle starrten nervös auf ihre Handys und zum Himmel: «Alle gucken immer aufgeregt auf die Handys und zum Himmel», um die Windrichtung und mögliche Veränderungen der Lage zu verfolgen. Der Campingplatz arbeite eng mit den Behörden zusammen und informiere die Gäste laufend, hieß es aus der Anlage.
Die Lage bleibt ernst: Die Feuer in der Region Madrid sind nach Behördenangaben weiterhin «nicht zu löschen». Hunderte Quadratkilometer Wald sind bereits vernichtet, Zehntausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. In Südwesteuropa hat ein Sommer begonnen, der die Risiken des Klimawandels mit einer Wucht sichtbar macht, wie sie die Behörden so früh in der Saison noch nie erlebt haben.
Insgesamt sind in den beiden am stärksten betroffenen EU-Ländern Frankreich und Spanien rund 270.000 Menschen evakuiert worden. Die internationale Hilfsbereitschaft ist groß, doch die Wettervorhersagen sind unbeständig: Temperaturen in der Region erreichten bis zu 40 Grad Celsius, und für Samstag wurden Windböen von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erwartet, die die Löscharbeiten zusätzlich erschweren können. Die Regierungen beider Länder appellierten an die Bevölkerung, die Anweisungen der Behörden zu befolgen und die Zufahrtswege für Einsatzkräfte freizuhalten.
Fragen & Antworten
Warum hat Spanien den nationalen Notstand ausgerufen?
Die spanische Regierung erklärte den Notstand für die Region Madrid und die Provinz Ávila, weil mehrere große Brände außer Kontrolle geraten waren und die Wetterlage die Löscharbeiten weiter erschwerte. Es war das erste Mal, dass der Mechanismus wegen Waldbränden aktiviert wurde.
Wie viele Menschen sind in Frankreich und Spanien insgesamt evakuiert worden?
In Frankreich wurden laut Innenminister Nuñez rund 141.000 bis 167.000 Menschen in Sicherheit gebracht, in Spanien rund 60.000 bis 73.000. Insgesamt sind damit in den beiden am stärksten betroffenen EU-Ländern etwa 270.000 Menschen evakuiert worden.
Welche Hilfe erhält Frankreich und Spanien aus dem Ausland?
Die Europäische Union entsandte Canadair-Flugzeuge und Hubschrauber beider Länder, Kroatien, Tschechien und die Slowakei stellten Löschflugzeuge und Hubschrauber bereit, und die Bundesregierung bot Frankreich über den EU-Katastrophenschutzmechanismus Unterstützung an.
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