Waldbrände in Südwesteuropa: Tausende Touristen bei Bordeaux evakuiert, Lage bleibt angespannt
Bordeaux, 28 Juli 2026
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Kurzfassung
Der riesige Waldbrand bei Bordeaux nähert sich der Großstadt auf bis zu 15 Kilometer und hat rund 42.000 Hektar Wald zerstört. Seit Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter viele Touristen; gleichzeitig wüten Brände in Spanien und Portugal.
Bordeaux, 28 Juli 2026
Der seit fast einer Woche wütende Waldbrand im Südwesten Frankreichs hat sich am 28. Juli 2026 auf bis zu 15 Kilometer an die Großstadt Bordeaux herangefressen und rund 42.000 Hektar Wald und Buschland vernichtet, während die Behörden am Dienstag rund 4.000 weitere Touristen aus dem Badeort Lacanau evakuierten.
Ausmaß der Zerstörung
Seit vergangenem Mittwoch breitet sich im Südwesten Frankreichs an der Atlantikküste ein Waldbrand aus, der die Region Gironde und das benachbarte Département Landes erfasst hat. Nach Angaben der Präfektur zerstörten die Flammen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland, eine Fläche von 420 Quadratkilometern und damit größer als die Stadt Köln. Die durch das Feuer vernichtete Fläche habe sich am Dienstag nicht weiter vergrößert, erklärten die Behörden.
Seit dem Wochenende verhinderte die Feuerwehr allerdings eine weitere Ausbreitung, die Lage habe sich stabilisiert, hieß es. Wie die Feuerwehr am Vormittag erklärte, erschweren Hitze und Wind den Kampf gegen die Flammen. Mehrere nächtliche Brandentwicklungen nördlich von Le Porge und nördlich von Cap-Ferret konnten „dank des Einsatzes der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden“, erklärte die zuständige Präfektur in der Gironde.
Allein im Südwesten Frankreichs sind 2.500 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge und 1.500 Soldaten im Einsatz. Dazu kommen 1.440 Polizeikräfte. Unterstützung ist nicht nur aus weiten Teilen Frankreichs, sondern auch aus dem Ausland eingetroffen: Deutschland entsandte am Montag für voraussichtlich fünf Tage zwei Transporthubschrauber und ein Transportflugzeug A400M mit Material in die Krisenregion, 34 Feuerwehrleute aus der Schweiz brachen am Samstag von Genf nach Bordeaux mit Löschfahrzeugen auf, und die Türkei schickte zwei Löschflugzeuge.
Internationale Hilfe
Die EU hatte am Montag erklärt, weitere Flugzeuge zur Brandbekämpfung nach Spanien zu schicken. „Derzeit sind neun Luftfahrzeuge vor Ort im Einsatz, und morgen werden es elf sein – bereitgestellt aus unserer europäischen strategischen Reserve“, sagte EU-Kommissarin Hadja Lahbib. Ein Löschflugzeug vom Typ Canadair CL-415 des französischen Zivilschutzes soll die Lage unter Kontrolle bringen.
Seit Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste in Sicherheit gebracht, darunter viele Touristen. Am Dienstag ordnete die Präfektur in Bordeaux am Vormittag die Räumung von Campingplätzen und Feriensiedlungen in Lacanau und Lacanau Océan an. Es geht um rund 4.000 Menschen, die nach Carcans und Castelnau-de-Médoc gebracht wurden. Die Urlauber sollten sämtliches Gepäck mitnehmen und die Anordnungen der Ordnungskräfte strikt befolgen. In Bordeaux kommen etliche evakuierte Menschen in einem Messezentrum unter.
Der Großbrand könne noch „mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern“, ehe er vollständig gelöscht sei, sagte ein Feuerwehroffizier dem Sender France Info. Im Süden Frankreichs sind Waldbrände ausgebrochen, und mit den Sommermonaten und der Ferienzeit ist eigentlich Hochsaison in der vom Waldbrand betroffenen Präfektur Gironde.
Politische Reaktionen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte am Montagabend die Einsatz- und Rettungsleitzentrale (CODIS) in Bordeaux und sprach von der schwersten Lage seit dem Zweiten Weltkrieg. „Die kommenden Wochen werden hart“, warnte er. Er sagte: „Wir werden diesen Kampf zum Schutz der Bevölkerung gewinnen“ und lobte „die bemerkenswerte Arbeit zum Schutz der Zivilbevölkerung“. Macron kündigte an, Wälder künftig „anders“ wiederaufzuforsten, mit Pflanzen und Management, das an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst sei.
Frankreichs Innenminister Laurent Nunez erklärte, die Lage habe sich stabilisiert, hieß es sowohl vonseiten der Feuerwehr als auch vonseiten seines Ministeriums. Unter Kontrolle sei das Feuer aber noch lange nicht. Die Lage bleibe aber schwierig, sagte die Senatorin für das Département Gironde, Nathalie Delattre, am Dienstag dem Sender BFM TV. „Alles werde davon abhängen, wie die Feuerwehrleute an Ort und Stelle vorankämen“, ergänzte sie.
In der Gegend von Biscarrosse rund 40 Kilometer südlich hat sich die Lage indes nach einem anderen Waldbrand in der vergangenen Woche wieder etwas normalisiert. Rund 15.000 Menschen konnten schrittweise in ihre Häuser und auf einen nahe gelegenen Campingplatz zurückkehren, wie die örtliche Verwaltung mitteilte. Die positive Entwicklung bedeute jedoch nicht, dass die Gefahr gebannt sei. Ein Aufflammen der Brände seien weiterhin möglich, insbesondere aufgrund von Wind und Trockenheit.
Auch Spanien ist weiter von großflächigen Waldbränden in Gebieten um die Hauptstadt Madrid sowie nördlich von Valencia betroffen. Die Waldbrände treffen vor allem die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo. Allein in Ávila wurde nach vorläufigen amtlichen Schätzungen eine Fläche von knapp 50.000 Hektar zerstört. Das entspricht rund 500 Quadratkilometern – fast der Fläche des Bodensees. Dieses Feuer ist damit das größte der jüngeren Geschichte Spaniens, das heißt seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1968.
Lage in Spanien
Seit dem Wochenende hat sich die Ausbreitung der Brände zumindest deutlich verlangsamt. „Heute können wir etwas beruhigter sein, insbesondere angesichts der Wetterbedingungen, die uns in den kommenden Stunden erwarten“, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag. „Dank des enormen Einsatzes der Helfer“ sei man vorangekommen, dennoch befänden sich die Arbeiten zur Brandbekämpfung „in einer kritischen Phase“. Spanien erklärte die betroffenen Gebiete zu Katastrophenzonen, wodurch erste Hilfen anliefen.
Die Behörden evakuierten rund 76.000 Menschen, dazu sollen 30.000 in ihren Häusern bleiben. Rund 90.000 Menschen waren zuletzt von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. Auch in der Provinz Castellón im Osten des Landes brennt es weiter. Im Gebiet Vall d'Uixó erfassten die Flammen bisher rund 8.500 Hektar. Dort waren insgesamt rund 16.000 Menschen evakuiert worden, aber rund 6.000 konnten aufgrund der Entspannung der Lage am Montag in ihre Häuser zurückkehren.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez rief „alle Bürger im ganzen Land dazu auf, äußerste Vorsicht walten zu lassen und alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“. Nach einer Krisenausschusssitzung in Madrid sagte er: „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“. Die Regierung werde „bis zur letzten Flamme“ alle verfügbaren Mittel einsetzen. Zugleich warnte er: „Die Leugnung des vom Menschen verursachten Klimawandels sei ‚der schlimmste Brennstoff‘ im Kampf gegen Brände und Klimakrise.“ Insgesamt wüteten in Spanien am Dienstag acht größere Waldbrände. Seit Jahresbeginn verbrannten bereits 175.000 Hektar – das Sechsfache der Fläche im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Brände in Portugal
Mehrere große Waldbrände gibt es auch in Portugal. Insgesamt waren am Dienstagvormittag im ganzen Land 34 Waldbrände aktiv. Die Feuer sind aber alle bislang deutlich kleiner als im iberischen Nachbarland. Sie wurden insgesamt von gut 1.000 Einsatzkräften bekämpft, unterstützt von rund zwanzig Löschflugzeugen und Hubschraubern. Die größten Brände breiten sich den Angaben zufolge bei Braga und Bragança im Norden sowie bei Santarém im Zentrum des Landes aus.
Mit einer erneuten Hitzewelle wird ein Anstieg der Temperaturen und ein Absinken der Luftfeuchtigkeit erwartet. Für Mittwoch prognostizierte Meteo France in der Region einen Spitzenwert von 37 Grad, im Südwesten des Landes sogar bis zu 40 Grad. Die wird nach Angaben des Wetterdienstes Météo-France im Laufe des Tages in weiten Teilen Frankreichs erwartet. Doch auch in Spanien werden Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius erwartet. Dadurch werde die Brandgefahr landesweit auf ein sehr hohes oder extremes Niveau steigen, warnte der spanische Wetterdienst Aemet.
Wetterentwicklung
Die neue Hitzewelle soll bis Ende der Woche andauern. Die wird nach Angaben des Wetterdienstes Météo-France im Laufe des Tages in weiten Teilen Frankreichs erwartet und soll am Mittwoch Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius im Südwesten des Landes mit sich bringen. Ab Mittwoch werden dem Wetterdienst zufolge wieder steigende Temperaturen und auffrischende Wind erwartet, weshalb sich die Situation dann wieder verschlechtern dürfte.
Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. „Das ist ein schwerer Schlag für einen Großteil des vorwiegend vom Tourismus geprägten Departements – der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen, die Saison ist vorbei“, sagte Patrick Seguin, Präsident der Industrie- und Handelskammer der Gironde, dem Sender BFMTV. Finanzminister Roland Lescure sprach von einem „Schock“ für die regionale Wirtschaft, die stark von Weinbau und Tourismus abhängt.
Wirtschaftliche Folgen und Verbraucherrechte
Auch die Rechte betroffener Urlauber sind ein Thema. „Bei einer Pauschalreise können Urlauber kostenfrei stornieren, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen“, erklärte Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt es aktuell aber nicht. Verbraucherschützer betonen, dass Waldbrände als außergewöhnliche Umstände gelten, wenn sie außer Kontrolle geraten sind und eine große Gefahr in der Urlaubsregion darstellen.
Fragen & Antworten
Wie ist die aktuelle Lage beim Waldbrand bei Bordeaux?
Der Waldbrand bei Bordeaux ist nach Angaben der Behörden stabilisiert, aber noch nicht unter Kontrolle. Seit Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht, rund 42.000 Hektar Wald sind verbrannt, und für Dienstag wurde die Evakuierung von rund 4.000 Touristen aus Lacanau angeordnet.
Welche Länder sind außer Frankreich von den Bränden betroffen?
Auch Spanien kämpft mit großen Waldbränden, vor allem in den Regionen Ávila, Madrid, Toledo und Castellón. Rund 90.000 Menschen waren dort zuletzt von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. In Portugal sind 34 Waldbrände aktiv, die größten bei Braga, Bragança und Santarém.
Welche Hilfen erhält Frankreich im Kampf gegen die Brände?
Frankreich erhält Unterstützung aus mehreren Ländern: Deutschland entsandte zwei Transporthubschrauber und ein A400M-Transportflugzeug, die Schweiz schickte 34 Feuerwehrleute, die Türkei zwei Löschflugzeuge, und die EU stellt aus ihrer strategischen Reserve elf Luftfahrzeuge bereit.
Waldbrände Bordeaux: Evakuierung & Lage 28.7.2026 | nachrichten360