Waldbrände in Europa: Bereits doppelt so viele Brände wie im Durchschnitt
Berlin, 16 Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Rekord-Waldbrandjahr 2025 zählt Europa in diesem Jahr bereits doppelt so viele Waldbrände wie im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte. Besonders betroffen sind Frankreich und Spanien, wo große Feuer nahe Paris und in Andalusien zahlreiche Menschenleben gefordert haben. Die EU-Kommission verstärkt ihre zivile Schutzstruktur und stationiert 777 Feuerwehrleute in Risikogebieten.
Berlin, 16 Juli 2026
Die Europäische Kommission und das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS registrieren in diesem Jahr bislang deutlich mehr Waldbrände als üblich, während große Feuer in Frankreich und Spanien Hunderte Einsatzkräfte binden und in Andalusien mindestens 13 Menschen ums Leben kamen.
Lagebild: doppelt so viele Brände wie im Durchschnitt
Bis zum 15. Juli dieses Jahres hat das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS nach Angaben der Europäischen Kommission 1.083 Waldbrände in Europa erfasst. Im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 waren es im selben Zeitraum 516 Brände – die laufende Saison liegt damit bereits bei mehr als dem Doppelten des langjährigen Mittelwerts. Auch im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bilanz ernst aus: Bis Mitte Juli 2025 waren 1.244 Brände gezählt worden.
Die betroffene Fläche ist ebenfalls dramatisch gewachsen. Bis zum Stichtag 15. Juli dieses Jahres verzeichneten die Behörden rund 167.000 Hektar verbrannte Fläche, was nach Angaben der Europäischen Kommission etwa der vierfachen Fläche Wiens entspricht. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es rund 235.000 Hektar – ein Hinweis darauf, dass ein einzelnes Großfeuer in den Statistiken enorme Spuren hinterlassen kann.
Einer der folgenschwersten Brände dieses Sommers wütet südlich von Paris. Nach Angaben der französischen Behörden brach das Feuer am Sonntag im Naherholungsgebiet von Fontainebleau aus, etwa 60 Kilometer südlich von Paris. Das Waldgebiet gilt als „grüne Lunge“ der Hauptstadtregion. Zeitweise wurden mehr als 2.000 Hektar von dem Brand erfasst. Mehr als 1.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
Die Löscharbeiten waren wegen anhaltender Trockenheit und wiederkehrender Windböen besonders schwierig. Die französische Wetterbehörde Météo-France erklärte, „außerdem wehe in der Region derzeit eine trockene Brise und es habe seit mehr als einem Monat überhaupt nicht mehr und seit über zwei Monaten nicht nennenswert geregnet“ (Zitat Charlotte Couture, Expertin bei Météo-France). An dem Brand entwickelten sich zwei große Feuerfronten, die aufgrund des Windes wiederholt aufflammten.
Fontainebleau: Feuer nahe der „grünen Lunge“ von Paris
Am Mittwoch waren nach Behördenangaben weiterhin rund 800 Feuerwehrleute und drei Löschflugzeuge im Einsatz, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Die französischen Behörden teilten mit, der Brand sei eingedämmt, aber noch nicht gelöscht. Frankreich hatte vor dem Feuer nach Angaben der Behörden bereits drei Hitzewellen in diesem Jahr erlebt, die Vegetation und Böden stark ausgetrocknet hatten.
Die Ermittlungen zur Brandursache führten zwischenzeitlich zu sechs Festnahmen, von denen sich vier noch in Untersuchungshaft befinden. Laut Polizei gestand ein etwa 19-jähriger Mann, „mit einem Feuerzeug und Benzin Reisig angezündet zu haben“ (Zitat aus der Polizeimitteilung). Ein weiterer Verdächtiger, ebenfalls rund 19 Jahre alt und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, erklärte, er habe das Feuer ebenfalls mit Benzin und einem Feuerzeug entfacht. Ein dritter Verdächtiger gab an, das Feuer versehentlich durch eine weggeworfene Zigarette ausgelöst zu haben.
Wenige Wochen zuvor hatte bereits ein weiteres Großfeuer in Südwesteuropa große Aufmerksamkeit erregt. In den französischen Pyrenäen vernichtete ein Brand nahe Perpignan etwa 4.900 Hektar Land und führte zur Evakuierung von rund 12.000 Menschen. Rund 20 Gemeinden waren betroffen.
Ermittlungen: Geständnisse und Festnahmen
In Spanien kämpften die Einsatzkräfte unterdessen an mehreren Fronten. Am 3. Juli brach in der nordostspanischen Region Katalonien nahe der Gemeinde La Bisbal d'Empordà an der Costa Brava ein Feuer aus, das bis zum 4. Juli rund 2.200 Hektar Vegetation zerstörte. 400 Feuerwehrleute und zehn Löschflugzeuge waren dort im Einsatz, bevor die Flammen zumindest teilweise unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Die mit Abstand schlimmste Bilanz dieses Sommers aber zog ein Waldbrand in Andalusien, bei dem nach Angaben der spanischen Behörden mindestens 13 Menschen ums Leben kamen. Zwölf der 13 Todesopfer stammten aus dem Ausland. Die spanischen Behörden gaben am Dienstagabend die Identität aller Todesopfer bekannt: den USA stammte ein Opfer, drei kamen aus Belgien, sieben aus Großbritannien, eines aus Spanien. Bei dem 13. Opfer handelt es sich um eine 93-jährige Britin, die am Sonntag im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag.
Andalusien: 13 Tote nach Brand in Südspanien
In dem Brandgebiet waren zwölf bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen gefunden worden. Nach Behördenangaben sollen mehrere ausländische Staatsangehörige zu den Todesopfern gehören, die Anweisungen ignoriert hatten, in ihren Wohnungen zu bleiben, und versucht hatten, vor den Flammen zu fliehen. Als Ursache des andalusischen Feuers nannten die Behörden ein durchtrenntes Stromkabel.
Angesichts der Häufung schwerer Brände verstärkt die Europäische Kommission ihre zivile Schutzstruktur. Im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens sollen 777 Feuerwehrleute in Hochrisikogebieten stationiert werden, ergänzt um 22 Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber aus einer EU-Flotte zusätzlich zu den nationalen Ressourcen. Damit reagiert die Kommission auf eine Saison, die das Ausmaß früherer Jahre übertrifft.
2025 war nach Angaben der Europäischen Kommission die schlimmste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen mit einer Gesamtfläche von mehr als einer Milliarde verbrannter Hektar in ganz Europa. Als Reaktion hatte die Kommission eine Strategie für Prävention, Reaktion und Wiederaufbau entwickelt, die unter anderem vorsieht, widerstandsfähigere Landschaften zu schaffen und das Risikobewusstsein in der Bevölkerung zu stärken.
EU reagiert: mehr Einsatzkräfte und Löschflugzeuge
Welche Faktoren die diesjährige Brände begünstigen, ordnete Dr. Mortimer Müller vom Institut für Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gegenüber dem Deutschlandfunk ein: „Das Worst-Case-Szenario sei eine Kombination aus langer Trockenheit, überdurchschnittlichen Temperaturen und sehr geringer Luftfeuchtigkeit“ (Zitat Dr. Mortimer Müller). Hinzu komme starker Wind, der Brände besonders intensiv und gefährlich mache.
Rekordjahr 2025 und Ursachenanalyse
Deutschlandfunk sendete diese Nachricht am 15.07.2026. Vor dem Hintergrund einer anhaltenden Dürre in weiten Teilen West- und Südeuropas rechnen Behörden damit, dass die Zahl der Brände und die betroffene Fläche weiter steigen werden, solange keine flächendeckenden Niederschläge fallen. Die kommenden Wochen gelten als entscheidend dafür, ob die Saison das Ausmaß des Vorjahres erreicht oder übertrifft.
Fragen & Antworten
Wie viele Waldbrände hat es in diesem Jahr in Europa bereits gegeben?
Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS wurden bis zum 15. Juli 2026 insgesamt 1.083 Waldbrände registriert – mehr als das Doppelte des Durchschnitts von 516 Bränden im gleichen Zeitraum der Jahre 2006 bis 2025.
Was ist über den Brand bei Fontainebleau bekannt?
Das Feuer brach am Sonntag im Naherholungsgebiet von Fontainebleau rund 60 Kilometer südlich von Paris aus und erfasste zeitweise mehr als 2.000 Hektar. Mehr als 1.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht; sechs Verdächtige wurden festgenommen, vier davon befinden sich in Untersuchungshaft.
Warum sterben bei Bränden in Südeuropa so viele Menschen?
Beim Waldbrand in Andalusien kamen mindestens 13 Menschen ums Leben, zwölf davon stammten aus dem Ausland. Nach Behördenangaben ignorierten mehrere Opfer Anweisungen, in den Wohnungen zu bleiben, und versuchten zu fliehen.
Waldbrände Europa 2026: Doppelte Anzahl, Tote in Andalusien | nachrichten360