Vozinha hält Spanien torlos und wird zum Social-Media-Star
Atlanta, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Der 40-jährige kapverdische Torhüter Vozinha hat beim 0:0 gegen Spanien in der WM-Gruppenphase eine Galavorstellung gezeigt und ist über Nacht zum Social-Media-Phänomen aufgestiegen. Innerhalb weniger Stunden explodierte seine Instagram-Followerzahl von rund 43.000 auf über 2,6 Millionen – mehr als das Vierfache der Einwohner Kap Verdes.
Atlanta, 16 Juni 2026
Der 40-jährige kapverdische Torhüter Vozinha hat Spanien beim 0:0 in der WM-Gruppenphase in Atlanta mit sieben Paraden zur Verzweiflung getrieben und ist binnen Stunden zum Social-Media-Star aufgestiegen.
Ein Abend für die Geschichtsbücher
Es war der Abend, an dem ein Torhüter aus einem Land mit rund 600.000 Einwohnern die fußballerische Großmacht Spanien an den Rand einer Blamage führte. Vozinha, mit bürgerlichem Namen Josimar José Évora Dias, avancierte beim WM-Debüt seines Heimatlandes gegen den Europameister zum Mann des Spiels und rettete Kap Verde einen Punkt, den die Mannschaft von Trainer Bubista ausgelassen wie einen Sieg bejubelte.
Die spanische Mannschaft dominierte Ballbesitz und Abschlüsse, doch am Ende fehlte ihr die Durchschlagskraft. 27 Torschüsse gaben die Iberer ab, sieben davon entschärfte Vozinha. Nur einmal, in der 37. Minute, musste er das Glück in Anspruch nehmen, als ein Ball an den Pfosten klatschte. Die spanische Sporttageszeitung „Marca" titelte nach dem Schlusspfiff „Ein Desaster zum Auftakt", das Konkurrenzblatt „AS" legte nach: „Spanien versagt gegen Kap Verde."
Vom Straßenfußballer zum Profi
Für Vozinha war die Partie der vorläufige Höhepunkt einer ungewöhnlichen Karriere. Erst mit 25 Jahren hatte er den Sprung in den Profifußball geschafft, sein Debüt gab er beim angolanischen Klub Progresso. Danach führte ihn sein Weg über moldauische, zyprische, slowakische und portugiesische Stationen – heute spielt er für GD Chaves in der portugiesischen zweiten Liga. Sein Marktwert wird vom Online-Portal transfermarkt auf lediglich 50.000 Euro beziffert.
Seinen Spitznamen „Vozinha" – portugiesisch für „kleine Großmutter" – verdankt der gebürtige Mindelaner den älteren Kindern seiner Heimatstadt. „Ich spielte in den Straßen meiner Heimatstadt oft mit älteren Kindern Fußball. Da ich bei meinen Großeltern wohnte, machten sich die anderen Kinder lustig über mich, indem sie sagten, ich würde mich bei meinen Großeltern beklagen. So kam es zum Spitznamen Vozinha."
Tränen, Großeltern und ein Traum
Trotz der späten Karriere hatte sich Vozinha den Traum von der WM bewahrt. „Ich habe mein ganzes Leben lang für diesen Moment gearbeitet, für diesen Traum", sagte er nach dem Spiel. Er sei 2012 in die Nationalmannschaft gekommen und habe zeitweise ans Aufhören gedacht. „Doch ich bin dabei geblieben, denn ich hatte diesen Traum von der WM."
Nach dem Abpfiff flossen Tränen – nicht nur wegen des Resultats. Vozinha weinte in den Armen seiner Mitspieler, als er an seine Großeltern dachte, bei denen er aufgewachsen war. „Ich habe wegen meiner Großeltern geweint. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und traurigerweise sind sie vor ein paar Jahren gestorben. Sie haben alles für mich getan." Auch die Situation seiner Mutter bewegte den Schlussmann: „Sie konnte heute nicht hier sein, weil wir die Kaution für das Visum nicht rechtzeitig zahlen konnten", erklärte er.
Die Bürde der US-Visumskaution
Hintergrund: Bürger aus Kap Verde müssen für ein US-Visum eine Kaution zwischen 5.000 und 15.000 Dollar hinterlegen – Teil der verschärften Visapolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Damit konnte Vozinhas Mutter die Reise nach Atlanta nicht antreten. „Das ist schon recht spät", berichtete der Keeper.
Vozinhas Trainer Bubista würdigte seinen Torhüter in höchsten Tönen: „Heute hat er eine beeindruckende Leistung gezeigt. Er ist ein ziemlich erfahrener Spieler und hat all die Jahre dafür gekämpft, hier auf dieser Weltbühne zu stehen." Verteidiger Pico Lopes, der den Kapitän auf dem Platz erlebt, beschrieb ihn als akribischen Anführer: „He lives and breathes Cape Verde. Er ist immer darauf aus, dass wir pünktlich sind. Aber das ist seine Art. Und du siehst es heute – er geht mit gutem Beispiel voran."
Reaktionen aus dem Team
Mitspieler sprachen zudem mit Stolz über ihren Routinier. „Manchmal machen wir Witze über ihn wegen seines Alters. Aber das ist eine große Ehre für mich, ich bin sehr stolz", meinte der Torwart selbst. „Wir freuen uns alle so unglaublich für ihn", ergänzte ein 31-jähriger Teamkollege. Laut dem Datenanbieter Opta ist Vozinha der älteste Torwart in der WM-Geschichte, der bei seinem Debüt ohne Gegentor blieb.
Doch nicht nur sportlich sorgte der Auftritt für Aufsehen. Bereits zur Halbzeit hatte der brasilianische Sender Caze TV in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, Vozinha auf mehr als 100.000 Follower zu bringen. Das Ziel war binnen einer Minute erreicht. Wenige Stunden nach dem Abpfiff knackte der Keeper die Zwei-Millionen-Marke auf Instagram, am Dienstagmorgen waren es bereits mehr als 5,5 Millionen. Zum Vergleich: Kap Verde hat rund 530.000 bis 600.000 Einwohner.
Der Instagram-Sturm
„Keine Worte … nur Stolz, Dankbarkeit und Verantwortung", schrieb der Keeper in der Nacht auf Mittwoch auf Instagram, versehen mit einem Herz-Emoji neben der Flagge Kap Verdes. „Ich habe heute alle Menschen repräsentiert, die mir beigestanden haben." Seine Zukunft ist allerdings noch offen: Der Vertrag beim portugiesischen Zweitligisten GD Chaves läuft aus.
Trotz des Punktgewinns gegen den Favoriten steht Kap Verde bereits unter Druck. Im nächsten Spiel gegen Saudi-Arabien am Sonntag ist ein Sieg Pflicht, will der Turnierneuling die Chancen auf das Achtelfinale wahren. „Natürlich hat dieses Ergebnis niemand erwartet", gab der spanische Mittelfeldspieler Simon zu. Trainer Luis de la Fuente versuchte zu beschwichtigen: „Wenn der Ball nicht rein geht, geht er nicht rein. Das sind Dinge, die passieren, gerade bei einer Weltmeisterschaft."
Auf der anderen Seite war die Stimmung ausgelassen. „Ein Traum ist wahr geworden! Wir kommen aus einem kleinen Land mit limitierten Möglichkeiten. Eine ganze Generation hat von diesem Tag geträumt, hat ihn aber nicht erreicht. Jetzt ist er da", sagte Verteidiger Pico Lopes. Die Kapverdier feierten den Abend wie einen historischen Triumph – und ihren 40-jährigen Torhüter als Sinnbild einer Generation, die endlich auf der großen Bühne angekommen ist.
Ausblick auf die kommenden Spiele
Auch im spanischen Lager räumte man den überragenden Auftritt des Gegners ein. „Es gab Schüsse, es gab Chancen und wir drängten darauf, das Spiel zu entscheiden. Aber es gibt auch einen Gegner. Wir müssen im Abschluss einfach besser werden", sagte Mittelfeld-Stratege Rodri. Torhüter Unai Simon meinte: „Das ist sehr ungewöhnlich. Nicht einmal der Einsatz von Lamine Yamal konnte den schlechten Eindruck wettmachen."
Damit hat Vozinha, der sein 90. Länderspiel bestritt, in 90 Minuten mehr Aufmerksamkeit erlangt als in seiner gesamten bisherigen Karriere. Was als Außenseiter-Märchen begann, wurde durch eine Mischung aus sportlicher Heldentat, persönlicher Geschichte und viraler Begeisterung zu einer der prägenden Geschichten der bisherigen WM. Der Routinier, der einst in den Straßen Mindelos gegen ältere Kinder kickte, steht nun im Rampenlicht der Fußballwelt.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Höhenflug anhält – sportlich wie digital. Eines aber hat Vozinha schon jetzt bewiesen: Auch mit 40 Jahren kann ein WM-Debüt der Beginn einer neuen Karriere sein. Die Geschichte vom „kleinen Opa" aus Kap Verde ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
Fragen & Antworten
Wer ist Vozinha?
Vozinha, bürgerlich Josimar José Évora Dias, ist ein 40-jähriger kapverdischer Torhüter, der für den portugiesischen Zweitligisten GD Chaves spielt und am Montag in Atlanta sein WM-Debüt feierte.
Was ist beim Spiel zwischen Spanien und Kap Verde passiert?
Kap Verde erreichte beim ersten WM-Spiel der Landesgeschichte ein überraschendes 0:0 gegen Europameister Spanien; Vozinha glänzte mit sieben Paraden und traf den Pfosten in der 37. Minute.
Warum ist Vozinha zum Internet-Star geworden?
Nach dem Spiel stieg seine Instagram-Followerzahl von rund 43.000 auf über 2,6 Millionen – befeuert durch einen Aufruf des brasilianischen Senders Caze TV in der Halbzeit und seine emotionale Reaktion auf dem Platz.
Vozinha: 40-jähriger Kap-Verde-Keeper wird Internet-Star | nachrichten360