Völler bleibt DFB-Sportdirektor – Rücktritt nach WM erwogen | nachrichten360
Völler bleibt DFB-Sportdirektor und spricht über Rücktrittsgedanken nach WM
Mainz, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat beim Internationalen Trainerkongress in Mainz eingeräumt, dass er nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft einen Rücktritt erwogen hatte. Nach Gesprächen mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und der DFB-Führung erfüllt er seinen Vertrag bis zur EM 2028.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat beim Internationalen Trainerkongress in Mainz eingeräumt, nach dem frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft einen Rücktritt erwogen zu haben, und nach Gesprächen mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und der DFB-Führung seinen Vertrag bis zur EM 2028 zu erfüllen.
Rücktritt kurz vor dem Abschied
Rudi Völler berichtete am Rande des Internationalen Trainerkongresses in Mainz offen über seine Zweifel nach dem enttäuschenden Turnier. „Ich habe überlegt, ob es nach dieser WM noch Sinn macht, weiterzumachen und habe gewackelt. Ich war nah dran“, sagte der 66-Jährige. Erst Gespräche mit der DFB-Spitze und vor allem mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp hätten ihn zum Bleiben bewogen.
Klopp, der seit Freitag offiziell als neuer Bundestrainer vorgestellt wurde, habe ihm deutlich gesagt, dass er auf den Posten als Sportdirektor angewiesen sei. „Jürgen hat eine enorme Vita. Wenn er sagt, du musst dabeibleiben, freut mich das natürlich. Ich werde ihn auf meine Art unterstützen“, so Völler. Klopp selbst war auf dem Kongress nicht anwesend; er hatte seine für die Eröffnung geplante Rede kurzfristig abgesagt, wie Völler bestätigte.
Begründet hatte Klopp seinen Verzicht mit dem Wunsch, nicht vor seinem ersten Spiel als Bundestrainer Schlagzeilen zu erzeugen. „Ich möchte nicht gleich zu Beginn nochmal Schlagzeilen liefern, ohne jemals mit der Mannschaft gespielt zu haben. Deshalb dachte ich, es macht Sinn, dass ich nicht darüber spreche, worüber ich sprechen wollte“, erklärte Klopp. Der vorgesehene Titel seines Vortrags hätte gelautet: „Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein umso mehr“.
Nagelsmanns aussichtslose Lage
Inhaltlich nutzte Völler die Bühne in Mainz, um den Wechsel auf der Trainerbank nachvollziehbar zu machen. Die Trennung von Julian Nagelsmann war nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM erfolgt. „Er hatte keine Lobby mehr. Jede seiner Entscheidungen wurde ihm negativ ausgelegt“, sagte Völler über seinen Amtsvorgänger. Nagelsmann habe sich in einer ausweglosen Lage befunden, weil jede Entscheidung gegen ihn ausgelegt worden sei.
Mit Klopp erwartet Völler nun einen Neuanfang, der über die reine Taktik hinaus Strahlkraft entfalten soll. „Es ist seine ganz große Stärke, neben seinem Fußball-Sachverstand, Menschen mitreißen zu können“, sagte Völler über den 59-Jährigen. Auch dessen unbestrittene Autorität hob er hervor: „Er hat die Wucht und die Macht, auch mal Dinge auszuprobieren. Und bei ihm wird man auch mal ein Auge zudrücken, wenn etwas nicht so funktioniert. Das hat er sich erarbeitet“.
Anspruch an die kommenden zwei Jahre
Völler formulierte zugleich einen klaren Anspruch an die kommenden beiden Jahre bis zur Heim-EM. „Du musst den Menschen in den nächsten zwei Jahren eine gewisse Zuversicht geben. Das kann er mit seiner Art. Er hat das Land ja schon angezündet“, sagte er mit Blick auf Klopp. Gleichzeitig verwies er auf die Besonderheiten des Amts: „Ich war es ja auch vier Jahre mal: Es ist halt nicht wie bei einer Vereinsmannschaft. Da sind 80 Millionen, die das mitdiskutieren. Und man kann es nicht allen recht machen“.
Als sportliches Ziel gab Völler aus, die Mannschaft wieder näher an die Fans zu bringen. „Wir müssen die Massen wieder begeistern und es bei der nächsten EM besser machen“, sagte er. Gleichzeitig zeigte er sich grundsätzlich optimistisch: „Wir sind immer noch eine Nation, die an guten Tagen alle schlagen kann“.
Kimmich bleibt Fahnenträger
Für die Zukunft der Mannschaft sieht Völler Joshua Kimmich weiter in einer zentralen Rolle. „Jo Kimmich hat es in vielen Länderspielen bewiesen, dass er ein Fahnenträger ist, ein toller Kapitän. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da eine große Veränderung geben wird“, sagte Völler. Auch Kimmichs Stellung als Führungsspieler solle unter Klopp Bestand haben.
Auf Nachfrage zu möglichen Sorgenfalten beim neuen Bundestrainer äußerte sich auch der SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn zurückhaltend. Er stellte infrage, ob Klopp die spezifischen Herausforderungen des Nationaltrainer-Amts werde meistern können, verwies aber zugleich auf die „bemerkenswerte Pressekonferenz“, mit der Klopp sich am Freitag als Bundestrainer vorgestellt hatte – ein Hinweis auf dessen öffentliche Wirkung.
Völler selbst blickt trotz der turbulenten Wochen zuversichtlich auf die Zusammenarbeit. „Es ist super, dass er es geworden ist“, sagte er über Klopp. Er sehe in dem neuen Bundestrainer „einen unglaublich erfahrenen Trainer“, der die Mannschaft auf das Turnier 2028 im eigenen Land einschwören könne.
Die Personalentscheidung gilt als zentrale Weichenstellung des DFB nach dem frühen WM-Aus. Mit Völlers Verbleib bleibt die sportliche Leitung der Nationalmannschaft zunächst in bewährter Hand, während Klopp den Umbruch auf dem Trainingsplatz verantworten soll.
Bis zur EM 2028 in Deutschland hat der DFB damit Zeit, unter neuer sportlicher Führung ein neues Kapitel aufzumachen. Völler machte in Mainz deutlich, dass er seinen Teil dazu beitragen will – auch wenn er selbst zwischenzeitlich nahe am Abschied stand.
Fragen & Antworten
Warum hat Rudi Völler über einen Rücktritt nachgedacht?
Nach dem frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft war Völler verunsichert und erwog, ob eine Fortsetzung als DFB-Sportdirektor noch Sinn ergibt. Gespräche mit Klopp und der DFB-Führung brachten ihn letztlich zum Bleiben.
Wer ist der neue Bundestrainer und seit wann ist er im Amt?
Jürgen Klopp ist seit Freitag neuer Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Er folgte auf Julian Nagelsmann, der nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM freigestellt worden war.
Welche Aufgaben sieht Völler bis zur EM 2028?
Völler nennt als Hauptziel, die Menschen wieder für die Mannschaft zu begeistern und bei der EM im eigenen Land eine bessere Leistung zu zeigen. Mit Klopp als Bundestrainer sieht er dafür die nötige Ausstrahlung und Erfahrung.