Visumsverzögerung beendet: Embolo reist am Freitag ins WM-Camp der Nati nach San Diego
Bern, 05. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach tagelanger Verzögerung wegen eines abgelehnten ESTA-Antrags und eines Visumsverfahrens bei der US-Botschaft in Bern hat Breel Embolo die Einreiseerlaubnis für die USA erhalten. Der 29-jährige Stürmer des AS Monaco wird am Freitag zur Schweizer Nationalmannschaft ins WM-Camp nach San Diego nachstossen.
Breel Embolo hat das US-Visum erhalten und wird am Freitag zur Schweizer Fussballnationalmannschaft ins Weltmeisterschafts-Camp nach San Diego reisen, nachdem seine elektronische Einreisegenehmigung ESTA kurz vor dem Abflug der Mannschaft am Dienstag ungültig geworden war.
Plötzliche Wendung am Flughafen
Der Stürmer von AS Monaco, Breel Embolo, wird am Freitag in die Vereinigten Staaten fliegen und dort zur Schweizer Auswahl stossen, wie der Schweizerische Fussballverband (SFV) mitteilte. Embolo war am Dienstag am Flughafen Zürich das Boarding verweigert worden, weil seine elektronische Einreisegenehmigung ESTA kurzfristig für ungültig erklärt worden war. Die Mannschaft reiste ohne ihn nach Los Angeles und von dort mit dem Bus weiter ins Trainingscamp nach San Diego.
Am Mittwochmorgen begab sich der 29-Jährige persönlich zur US-Botschaft in Bern, um ein Visum zu beantragen. Dort reichte er unter anderem Gerichtsdokumente zu einem rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren aus dem Jahr 2018 ein. Die US-Botschaft habe mitgeteilt, dass der Antrag mit Priorität behandelt werde, erklärte der SFV. Die Verbandsspitze zeigte sich zuversichtlich, dass die Genehmigung rasch erfolgen werde.
Rechtskräftiges Urteil als Auslöser
Am Donnerstagabend dann die Erlösung: Die US-Behörden bewilligten das Visum, wie der SFV bekannt gab. Embolo werde am Freitag in die USA reisen, teilte der Verband weiter mit. Damit verzögert sich seine Ankunft im Teamcamp um rund drei Tage gegenüber dem ursprünglichen Plan.
Hintergrund der Visumspflicht ist eine abgeschlossene Gerichtsverfügung: Im Herbst 2025 hatte das Basler Appellationsgericht in zweiter Instanz einen Schuldspruch gegen Embolo wegen massiver Drohungen gegen eine andere Person während einer Konfrontation in der Steinenvorstadt im Jahr 2018 bestätigt. Das Urteil wurde im Frühjahr dieses Jahres rechtskräftig. Embolo akzeptierte den Schuldspruch und erhielt eine Busse von 45 Tagessätzen zu je 3000 Franken – dem Höchstsatz wegen seines hohen Einkommens.
Botschaft und EDA eingebunden
Ein ESTA, die elektronische Einreisegenehmigung für die USA, ist grundsätzlich zwei Jahre gültig. Auf dem Antragsformular wird unter anderem gefragt, ob der Antragsteller jemals verhaftet oder wegen eines Verbrechens verurteilt worden sei, das einen schweren Schaden an einer Person oder an Eigentum beinhaltet. Embolos Antrag war zunächst bewilligt worden, bevor er am Dienstagvormittag überraschend abgelehnt wurde.
Die US-Botschaft in Bern informierte Embolo am Nachmittag, dass sie Gerichtsdokumente zu dem abgeschlossenen Urteil benötige. Die Überprüfung betreffe die Frage, ob bei dem Vorfall von 2018 physische Gewalt im Spiel gewesen sei. SFV-Medienchef Adrian Arnold erklärte am Mittwoch in San Diego: «Dies war nicht der Fall.» Der Verband stehe zudem in engem Kontakt mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), das wiederum mit der US-Botschaft in Bern in Verbindung stehe.
Das EDA bestätigte seinerseits, über den Fall informiert zu sein und an einer raschen Lösung zu arbeiten. Die Behörde wies zugleich darauf hin, dass für Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen in die USA die US-Behörden zuständig seien und dass aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben zum Visumsprozess gemacht werden könnten.
Trainingspläne aus der Ferne
Adrian Arnold, Direktor für Unternehmenskommunikation beim SFV, zeigte sich am Mittwoch bei der ersten Pressekonferenz im Camp in San Diego bedient, aber zuversichtlich. Auf die Frage, wie die US-Einwanderungsbehörden in solchen Fällen vorgingen, antwortete Arnold: «I don't want to pass judgment on it, but of course we would have preferred for this to have happened earlier. That said, I'm not familiar with the procedures used by the U.S. immigration authorities.» Er machte deutlich, dass der Verband den Fall schnellstmöglich abschliessen wolle: «Breel wird bald als unser Breel bei uns sein.»
Während des Wartens hält sich Embolo in Zürich auf und folgt Trainingsplänen, die ihm die Performance-Abteilung der Nationalmannschaft zusammengestellt hat. Einen präzisen Zeitpunkt für seine Ankunft in San Diego wollte Arnold zunächst nicht nennen. Nun steht fest: Es wird Freitag sein.
Vorgeschichte: Embolos internationale Karriere
Derweil hat Nationaltrainer Murat Yakin nach eigenen Angaben Plan B und Plan C in der Hinterhand, setzt aber weiterhin auf Plan A mit Embolo. Der Stürmer verfügt über reichlich internationale Erfahrung: Von 2016 bis 2022 spielte er in der Bundesliga für den FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach, ehe er zum AS Monaco wechselte. Ausserdem war er im vergangenen Juni problemlos mit der Nati in die USA zu zwei Testspielen gereist – unter anderem beim 4:0-Sieg gegen die US-Auswahl, bei dem Embolo ein Tor erzielte.
Schweiz trifft in der WM-Gruppe B auf Katar, den Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina. Am Samstag steht in San Diego ein Freundschaftsspiel gegen Australien an. Bis zum WM-Auftakt sind es nur noch acht Tage.
Parallele Fälle: Maradona und Rummenigge
Der Fall Embolo ist nicht der erste prominente Fussball-Verkehr mit den US-Einwanderungsbehörden. 1994 wurde Diego Maradona an der WM in den USA positiv auf Ephedrin getestet und wegen Doping verurteilt. In der Folge wurde ihm das Visum entzogen und er durfte jahrelang nicht in die USA einreisen. 2018 wurde ihm – angeblich nach einem TV-Interview, in dem er den damaligen US-Präsidenten Donald Trump als «Chirolita» bezeichnete – erneut die Einreise verweigert. Karl-Heinz Rummenigge, langjähriger CEO des FC Bayern München, konnte im Sommer 2014 nicht mit dem Verein zu einer Testspielreise in die USA reisen, nachdem er 2013 bei der Einreise zwei Luxusuhren aus Katar nicht korrekt deklariert und eine Busse von 250 000 Euro erhalten hatte. Zwei Tage später konnte er dann doch nachreisen.
Auch Südafrika mit Reisedokument-Problemen
Auch andere Nationen sind derzeit von vergleichbaren Problemen betroffen: So konnte die südafrikanische Nationalmannschaft am Sonntagabend nicht wie geplant zu ihrem WM-Camp nach Mexiko fliegen, weil mehrere Delegationsmitglieder keine gültigen Reisedokumente für die USA besassen. Südafrikas Sportminister Gayton McKenzie äusserte sich dazu in sozialen Netzwerken. Südafrika spielt am 11. Juni im WM-Eröffnungsspiel gegen Mexiko und am zweiten Gruppenspieltag in Atlanta gegen Tschechien. Die FIFA äusserte sich auf Anfrage der NZZ nicht dazu, ob sie als Vermittlerin im Fall Embolo eingeschaltet wurde.
Mit der Bewilligung des Visums am Donnerstag kann Embolo die Reise nun endlich antreten. Wann genau sein Flug geht und wie er in das Mannschaftstraining einsteigen kann, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Klar ist: Die Schweizer Fans können darauf hoffen, dass ihr Stürmer rechtzeitig vor dem WM-Auftakt im Camp eintrifft.
Fragen & Antworten
Warum wurde Breel Embolos ESTA-Antrag abgelehnt?
Sein elektronischer Einreiseantrag wurde kurz vor dem Abflug der Nati am Dienstag überprüft, weil die US-Behörden Gerichtsdokumente zu einem abgeschlossenen Strafurteil aus dem Jahr 2018 anforderten. Es ging um die Frage, ob bei dem damaligen Vorfall physische Gewalt im Spiel war.
Wann reist Breel Embolo nun in die USA?
Der SFV teilte mit, dass das US-Visum bewilligt wurde und Embolo am Freitag in die USA fliegen wird. Damit stösst er rund drei Tage verspätet zur Mannschaft ins WM-Camp nach San Diego.
Um welches Gerichtsurteil gegen Embolo geht es genau?
Das Basler Appellationsgericht bestätigte im Herbst 2025 in zweiter Instanz einen Schuldspruch wegen massiver Drohungen gegen eine andere Person bei einer Konfrontation in der Basler Steinenvorstadt im Jahr 2018. Das Urteil wurde im Frühjahr 2026 rechtskräftig; Embolo akzeptierte es und erhielt eine Busse von 45 Tagessätzen zu je 3000 Franken.
Embolo Visum USA: Nati-Stürmer reist Freitag nach San Diego | nachrichten360