Embolos Schwalbe entscheidet das Viertelfinale – Schweiz verliert gegen Argentinien in Unterzahl
Kansas City, 12. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Schweiz hat das WM-Viertelfinale gegen Argentinien 1:3 verloren, nachdem Breel Embolo in der 70. Minute nach einer Schwalbe die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Der Platzverweis erwies sich als entscheidend, Weltmeister Argentinien nutzte die Überzahl und zog mit einem Doppelschlag in der Schlussphase ins Halbfinale ein.
Im WM-Viertelfinale zwischen der Schweiz und Argentinien hat eine Schwalbe von Breel Embolo in der 70. Minute die Partie entschieden: Nach einem Eingriff des Videoschiedsrichters kassierte der Stürmer Gelb-Rot, woraufhin Argentinien die Überzahl nutzte und das Spiel 3:1 gewann.
Die Schweizer Auswahl stand im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vor der größten Herausforderung ihrer jüngeren Geschichte: Mit dem Titelverteidiger Argentinien wartete in Kansas City der amtierende Champion, angeführt von Lionel Messi, der bei diesem Turnier bereits acht Tore erzielt hatte. Die Mannschaft von Trainer Murat Yakin war als Außenseiter in die Partie gegangen, hatte aber bereits durch den erstmaligen Einzug in ein WM-Viertelfinale seit 72 Jahren Geschichte geschrieben.
Argentinien ging früh in Führung, doch die Schweiz kämpfte sich zurück. In der 67. Minute glich Dan Ndoye zum 1:1 aus und brachte die Eidgenossen zurück ins Spiel. Nur drei Minuten später ereignete sich die Szene, die das Spiel kippen sollte: An der Mittellinie spürte Embolo einen Gegenspieler heranstürmen und hob ab, bevor es effektiv zum Kontakt gekommen war.
Die entscheidende Szene
Der Schiedsrichter Joao Pinheiro realisierte die Situation zunächst nicht und zückte die gelbe Karte gegen den argentinischen Spieler Leandro Paredes. Der VAR meldete sich jedoch mit dem Hinweis «mistaken identity» und überprüfte den Vorgang. Auf dem Bildschirm erkannte der Unparteiische, dass Embolo erst in der Luft getroffen worden war.
Folglich änderte Pinheiro seinen Entscheid. Die gelbe Karte ging stattdessen an den Schweizer Stürmer. Da es nach einem sanktionierten Foul kurz vor der Pause bereits dessen zweite Verwarnung war, wurde die Nummer 7 vom Platz gestellt. Embolo hatte seinen Farben einen Bärendienst erwiesen und zog mit Tränen in den Augen in Richtung Kabine, wo er mitansehen musste, wie seine Teamkollegen den Kampf um das Halbfinal-Ticket in Unterzahl ausfechten mussten.
Die Sportschau-Schiedsrichter-Experten ordneten die Entscheidung als korrekt ein. Sascha Amhof, der das Turnier für SRF begleitet, betonte: «Denn seit Turnierbeginn liegen die Fakten dafür auf dem Tisch, die Teams sind entsprechend instruiert worden.» Die «mistaken identity»-Regel sei neu ins Leben gerufen worden, für den Fall, dass auf dem Rasen der falsche Spieler verwarnt wird. «Und das gilt eben auch teamübergreifend», so Amhof weiter.
Reaktion der Experten
In Unterzahl reagierte Yakin mit Systemumstellung. Denis Zakaria rückte ins Zentrum, die Schweizer agierten fortan in einem 5:3:1-System und hatten fast nur noch das Ansinnen, das Elfmeterschießen zu erreichen. Argentinien drückte auf die Entscheidung und nutzte seine Überzahl konsequent. Nach 67 Minuten hatten die Eidgenossen den Ausgleich geschafft, doch die zusätzlichen 30 Minuten in Unterzahl forderten ihren Tribut.
In der Verlängerung war es Ángel Di María, der im Strafraum freigespielt wurde und den 1:0-Endstand besorgte – ein Déjà-vu für die Schweiz, die bereits bei der WM 2014 gegen Argentinien durch ein Tor von Di María in der 118. Minute ausgeschieden war. Damals hatte Xhaka in der Startelf gestanden und war in der 66. Minute ausgewechselt worden, was bei ihm noch immer für Ärger sorgt. «Uns ist Unrecht widerfahren», hatte er damals geschimpft.
Déjà-vu nach 2014
Die Partie endete schließlich mit 1:3, als Lautaro Martínez in der Schlussphase den argentinischen Konter zum Endstand abschloss. Der Sieg war gleichbedeutend mit dem erstmaligen Halbfinal-Einzug der Schweiz bei einer Weltmeisterschaft. Yakin hatte vor dem Spiel betont: «Es muss ein Spiel werden, in dem wir Freude haben und auch der ganzen Welt zeigen, dass auch eine kleine Nation wie die Schweiz einen Großen ärgern kann.»
In einem bemerkenswerten Video, das in der Show «FIFA World Cup on FOX After Hours» ausgestrahlt wurde, hatte der Schweizer Trainer zudem mit Humor auf Spötter reagiert. «Wir sind präzise wie eine Schweizer Uhr, zuverlässig wie eine Schweizer Bank, süß wie Schweizer Schokolade und hungrig wie der Steinbock in unseren fantastischen Bergen», sagte Yakin darin. Das Video teilten sowohl die Nationalmannschaft als auch die Schweizer Botschaft in den USA auf ihren Social-Media-Kanälen.
Die emotionale Enttäuschung bei den Schweizern stand im Kontrast zur argentinischen Vorfreude. Bereits 24 Stunden vor dem Anpfiff hatten die Anhänger der «Albiceleste» den Spielort Kansas City in den Landesfarben blau-weiß getaucht. Messi und seine Mitspieler stehen nun im Halbfinale, wo sie auf den Gewinner der Partie zwischen Norwegen und England treffen.
Stadion und Rekorde
Neben dem dramatischen Spielverlauf sorgte auch die Stadionfrage in Kansas City für Gesprächsstoff. Anders als das Hard Rock Stadium in Miami besitzt die Spielstätte kein verschließbares Dach und kann weder vor der starken Hitze noch vor Gewittern schützen. Bei einem Blitzeinschlag im Umkreis von acht Meilen zum Stadion wird die Partie zwingend für 30 Minuten unterbrochen.
Auch abseits des Platzes wirft die WM 2026 Rekorde ab. Nach Angaben der FIFA haben vor den Viertelfinals bereits 6.259.584 Menschen die 96 Partien besucht, im Schnitt 65.204 pro Spiel. Die Veranstalter vermeldeten zudem, dass das Achtelfinale zwischen Gastgeber USA und Belgien (1:4) in den Vereinigten Staaten für Rekordeinschaltquoten für ein Sportereignis außerhalb der Football-Liga NFL in diesem Jahrhundert sorgte – im Schnitt 50,1 Millionen Zuschauer.
Im argentinischen Lager überwog nach dem Abpfiff die Genugtuung. Messi kann mit seinen acht Turniertoren weiter auf den Rekord von Just Fontaine (13 Tore bei der WM 1958) jagen. Auch Erling Haaland und Kylian Mbappé (je sieben Tore) sind in Topform und könnten dem Franzosen gefährlich werden. Im Falle eines Halbfinal-Einzugs hätte der Superstar von Paris Saint-Germain noch zwei Spiele Zeit, den Rekord zu brechen.
Argentinien im Halbfinale
Für die Schweiz endete das Turnier dennoch mit einem historischen Erfolg. Der Verband durfte sich über Rekordeinnahmen von mehr als 20 Millionen Schweizerfranken freuen, sollte das Erreichen eines WM-Halbfinals gelingen. «Nach 72 Jahren mit der Schweiz hier stehen und gegen den Weltmeister spielen zu dürfen, macht mich sehr stolz», hatte ein 33-jähriger Spieler vor dem Spiel erklärt.
Kapitän Granit Xhaka zeigte sich nach der Niederlage kämpferisch: «Wir müssen versuchen, das Spiel zu genießen», hatte er vorausgeblickt. Xhaka, der mit der Schweiz erstmals ein WM-Viertelfinale erreicht hatte, blickt nun mit seinem Team auf die kommenden Aufgaben – und auf eine Zukunft, in der die Alpenrepublik endgültig in der Weltspitze angekommen ist.
Die Parallelen zur WM 2014 sind bemerkenswert. Schon damals stemmte sich die Schweiz 118 Minuten gegen Argentinien, ehe Di María in der Nachspielzeit der Verlängerung traf. Trainer Yakin hatte das historische Duell genutzt, um seine Mannschaft zu motivieren: «Sie sind spielerisch sehr stark, sie verteidigen gut und haben eine sehr gute Balance», beschrieb er den Gegner. Doch diesmal war es nicht die spielerische Klasse, sondern eine Schwalbe, die das Aus besiegelte.
Fragen & Antworten
Was genau ist in der 70. Minute zwischen der Schweiz und Argentinien passiert?
In der 70. Minute hob Breel Embolo an der Mittellinie ab, bevor es zu effektivem Kontakt kam. Der Schiedsrichter zeigte zunächst Leandro Paredes die Gelbe Karte, korrigierte sich aber nach VAR-Hinweis auf «mistaken identity». Da es Embolos zweite Verwarnung war, wurde er mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.
Warum ist die Gelbe Karte von Paredes an Embolo übertragen worden?
Die «mistaken identity»-Regel wurde neu eingeführt für den Fall, dass auf dem Rasen der falsche Spieler verwarnt wird. Der VAR erkannte den Fehler, woraufhin Schiedsrichter Joao Pinheiro die Verwarnung auf den tatsächlich foulienden Embolo übertrug.
Wie hat die Schweiz das Spiel gegen Argentinien letztlich verloren?
Trotz des 1:1-Ausgleichs durch Dan Ndoye in der 67. Minute musste die Schweiz nach dem Platzverweis in Unterzahl weiterspielen. Ángel Di María erzielte in der Verlängerung die erneute Führung für Argentinien, Lautaro Martínez erhöhte in der Schlussphase auf 3:1.