In der neuen BBC-Dokumentation "Jared Leto: Hollywood's Dark Secret" erheben vier Frauen Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen den Oscar-prämierten Schauspieler und Thirty Seconds to Mars-Frontman Jared Leto, der bislang nicht auf die Anschuldigungen reagierte.

Die Dokumentation, die unter der Regie von Alice McShane entstand, basiert auf einer BBC-Recherche, die insgesamt zehn Fälle untersucht hat. Neun der betroffenen Frauen seien erstmals mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen, heißt es vom Sender. Die BBC zählte eigenen Angaben zufolge mehr als 120 ähnlich gelagerte Vorwürfe gegen Leto. Die Vorwürfe sind dabei nicht neu: Vergangenes Jahr erhoben bereits neun Frauen in einem US-Medium vergleichbare Anschuldigungen gegen den heute 54-Jährigen.

Den Anstoß für die Dokumentation gab laut McShane ein altes Facebook-Posting aus dem Jahr 2012. Es lautete: "Du warst nicht wirklich in L.A., bevor Jared Leto nicht versucht hat, sich dir backstage aufzudrängen." Eine Frau habe den Beitrag im April des vergangenen Jahres in einer Instagram-Story geteilt, woraufhin sie rund 40 private Nachrichten von Frauen mit ähnlichen Erlebnissen erhalten habe, so die Regisseurin.

Auslöser: Ein Facebook-Post aus dem Jahr 2012

Eine der Frauen wirft Leto vor, sie in einem Motel-Badezimmer sexuell angegriffen zu haben, als sie 17 Jahre alt war. Eine dritte Frau schildert, sie habe im Alter von 17 Jahren in Kalifornien Geschlechtsverkehr mit Leto gehabt – was nach kalifornischem Recht als Statutory Rape gelten würde. Leto habe ein Gespräch über das Schutzalter von 18 Jahren in diesem US-Bundesstaat einfach abgetan, berichtet die Frau.

Eine vierte Frau berichtet, Leto habe sie im Alter von 16 Jahren manipuliert und seinen Promi-Status ausgenutzt, indem er sie wiederholt mit sexuell anzüglichen Anrufen bombardiert habe. Mindestens einmal habe er dabei auch auf Geschlechtsverkehr gedrängt. Nach den Vorfällen sei ihr eine Geheimhaltungsvereinbarung zugeschickt worden – die BBC gibt an, das Dokument eingesehen zu haben. Die Betroffene habe das aber verweigert.

Eine andere Frau schildert, Leto habe sie sexuell bedroht, als sie 19 Jahre alt war und mit ihm allein in einem Hotelzimmer zurückgelassen wurde. Leto soll zudem auch noch weit jüngere Mädchen, etwa im Alter von 14, mit "seltsamen" und sehr anzüglichen Telefonanrufen belästigt haben. Eine der Frauen gibt an, dass ein Security-Mitarbeiter sie im Alter von 14 hinter die Bühne eines Musikfestivals gebracht habe, nachdem Leto bei einer Autogrammstunde eine Bemerkung über ihre Brüste gemacht habe.

Vorfälle reichen bis ins Jahr 2002 zurück

Leto habe junge Mädchen in seine Garderobe beziehungsweise hinter die Bühne eingeladen. Auch zwei Männer, die jahrelang mit Letos Band zusammengearbeitet hatten, erzählten dem Sender, wie befremdlich das Team es fand, wie Leto mit jungen Mädchen umging. Trotz mehrfacher Kontaktversuche durch das Team der Dokumentation habe Leto nicht auf die Vorwürfe reagiert, so die BBC.

Die mutmaßlichen Vorfälle erstrecken sich laut BBC über den Zeitraum zwischen 2002 und 2016, als Leto zwischen 30 und 40 Jahre alt war. Der Sender habe Bilder und Nachrichten aus der Zeit einsehen können und auch mit dem Umfeld der Betroffenen Kontakt gehabt, die dort damals über ihre Erlebnisse erzählt hätten. Ein anonymer Zeuge wird zitiert: "Das ist 25 Jahre her... er ist ungeschoren davongekommen."

Bisher habe Leto auf die Vorwürfe nicht reagiert, so die BBC. Der Sender betont, die Dokumentation sei als exklusive BBC-Recherche produziert worden. In früheren Stellungnahmen hatte Leto jegliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Leto schweigt bislang zu den Anschuldigungen

Mit den Vorwürfen rückt einer der bekanntesten Hollywood-Schauspieler der vergangenen Jahre in den Fokus: Leto hatte 2014 den Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle in "Dallas Buyers Club" erhalten. Der Fall reiht sich in eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen prominente Vertreter der US-Film- und Musikindustrie ein, die in den vergangenen Jahren öffentlich wurden.

Die Dokumentation "Jared Leto: Hollywood's Dark Secret" wirft damit nicht nur Fragen über das Verhalten des Schauspielers auf, sondern auch über die Rolle von Geheimhaltungsvereinbarungen, mit denen Betroffene zum Schweigen gebracht werden sollten. Die BBC hebt hervor, dass mehrere Frauen entsprechende Vereinbarungen nicht unterzeichneten und sich nun öffentlich äußerten.

Insgesamt zeichnet die Recherche das Bild eines systematischen Musters: Frauen schildern unabhängig voneinander ähnliche Begebenheiten – von sexuell konnotierten Telefonanrufen über unangemessene Bemerkungen bis hin zu konkreten Übergriffen in Hinterzimmern, Garderoben und Hotelzimmern. Die BBC betont, dass die Recherchen über einen längeren Zeitraum geführt und mit Dokumenten sowie Aussagen aus dem Umfeld der Betroffenen abgeglichen wurden.