Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox weist Deutschland im Vergleich der G20-Staaten die höchsten Strompreise auf, was Wirtschaftsverbände als Standortnachteil kritisieren.

Die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) gehören große westliche Demokratien wie die USA, Deutschland und Großbritannien an, aber auch autoritär geführte Staaten wie Russland und China. Eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt nun, dass Deutschland innerhalb dieser Gruppe die höchsten Strompreise für Endverbraucherinnen und Endverbraucher verlangt. Damit liegt die Bundesrepublik noch vor anderen Industrienationen wie Frankreich oder den USA.

Die Analyse vergleicht die Haushaltspreise für Strom in den Mitgliedsstaaten der G20 und stellt Deutschland ein deutlich schlechteres Zeugnis aus als allen anderen Ländern der Runde. Während in vielen Vergleichsländern der Anteil staatlicher Abgaben und Steuern am Strompreis vergleichsweise niedrig ausfällt, schlagen diese Posten hierzulande besonders stark zu Buche. Verivox wertet dies als Beleg für eine hohe staatliche Belastung des Endkundenpreises.

Hintergrund der Analyse

Wirtschaftsverbände reagieren besorgt auf die Ergebnisse der Untersuchung. Sie sehen in den hohen Strompreisen einen wachsenden Standortnachteil für die deutsche Industrie, die im internationalen Wettbewerb mit günstigeren Energiekosten konkurrieren müsse. Insbesondere energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie oder Aluminiumherstellung gerieten dadurch unter Druck. Die Verbände fordern deshalb eine spürbare Entlastung der Energiekosten für Unternehmen.

Auch für private Haushalte sind die Ergebnisse der Analyse folgenreich. Hohe Strompreise belasten einkommensschwache Familien überproportional, da bei ihnen ein größerer Anteil des verfügbaren Einkommens für Energie ausgegeben werden muss. Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer verweisen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Vergleichsportalen und Tarifwechseln, um zumindest innerhalb Deutschlands Kosten zu sparen.

Im G20-Vergleich fallen die Unterschiede teils deutlich aus. Frankreich, das einen großen Anteil seiner Stromerzeugung aus Kernkraft deckt, weist demnach niedrigere Endkundenpreise auf als Deutschland. Die USA profitieren laut Verivox von einem Mix aus niedrigen Steuern auf Energie und einer diversifizierten Erzeugungsstruktur. Großbritannien liegt im Mittelfeld der untersuchten Länder.

Internationaler Vergleich

Verivox weist zugleich darauf hin, dass der reine Haushaltspreis nicht alle Facetten der Versorgung abbildet. So spielen Versorgungssicherheit, Netzausbau und der Anteil erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle bei der Bewertung der jeweiligen Strommärkte. Eine reine Fokussierung auf den Endkundenpreis greife daher zu kurz, so das Vergleichsportal.

Die wirtschaftspolitische Debatte über die hohen Strompreise ist in Deutschland nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahren hatten Verbände und Oppositionsparteien eine Reform der staatlichen Abgaben auf Energie gefordert. Mit der Verivox-Analyse erhält diese Diskussion nun zusätzlichen argumentativen Auftrieb durch einen internationalen Vergleich.

Wirtschaftliche Folgen

Die Ergebnisse unterstreichen aus Sicht der Wirtschaftsverbände die Dringlichkeit einer breit angelegten Energiekostenreform. Diese müsse sowohl die Umlagen und Steuern als auch die Netzentgelte in den Blick nehmen. Verivox selbst sprach sich zudem dafür aus, Verbraucherinnen und Verbraucher stärker über die Zusammensetzung ihres Strompreises zu informieren.

Offen bleibt, wie die Politik auf die neuen Vergleichszahlen reagieren wird. Beobachterinnen und Beobachter erwarten, dass die Analyse in die anstehenden Beratungen über die Ausgestaltung des Strommarktes einfließen wird. Wirtschaftsverbände kündigten an, den Druck auf die Bundesregierung weiter zu erhöhen.

Insgesamt zeichnet die Analyse das Bild eines strukturellen Problems: Deutschland importiert oder erzeugt den Strom, den Haushalte und Industrie benötigen, zu deutlich höheren Endkundenpreisen als die meisten anderen G20-Staaten. Angesichts der Bedeutung einer bezahlbaren Stromversorgung für den Wirtschaftsstandort könnte das Thema die politische Agenda in den kommenden Monaten mitbestimmen.

Verivox verwies zudem darauf, dass innerhalb Deutschlands die Preise je nach Region und Anbieter teils erheblich variieren. Ein Wechsel des Stromtarifs oder des Versorgers könne für Haushalte eine Möglichkeit sein, die eigenen Kosten zu senken. Allerdings bleibe das grundsätzliche Niveau im internationalen Vergleich hoch.

Die Verivox-Untersuchung basiert auf öffentlich verfügbaren Daten zu Endkundenpreisen sowie auf eigenen Erhebungen des Portals. Die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern sei dabei durch Wechselkurse und unterschiedliche Marktstrukturen eingeschränkt, so der Hinweis des Unternehmens.