Verdi ruft Beschäftigte von Rewe, Ikea, H&M und Primark zu Warnstreiks auf
Berlin, 05 Juni 2026
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Kurzfassung
Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte großer Handelsketten wie Rewe, Ikea, H&M und Primark zu Warnstreiks aufgerufen. In Berlin ist für Freitag eine Demonstration am Wittenbergplatz geplant, während die Tarifverhandlungen im Einzelhandel vorerst ohne Ergebnis blieben.
Berlin, 05 Juni 2026
Die Gewerkschaft Verdi hat für diesen Freitag und Samstag zu Warnstreiks im Einzelhandel, Groß- und Außenhandel aufgerufen, von denen unter anderem Beschäftigte von Rewe, Ikea, H&M, Primark, Penny, Kaufland, Metro, Hit, Douglas und Zara betroffen sind.
Hintergrund der Tarifrunde
Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Warnstreiks im Handel deutlich aus. Nachdem am Donnerstag bereits in mehreren Bundesländern die Arbeit niedergelegt worden war, folgte am Freitag der zentrale Aktionstag mit Demonstrationen und Betriebsversammlungen. Besonders im Fokus stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großer Ketten, die Verdi als profitabel und wirtschaftlich stark einstuft.
Verdi fordert in der laufenden Tarifrunde eine Lohnerhöhung von 7 Prozent, mindestens aber 225 Euro mehr pro Monat, bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende verlangt die Gewerkschaft 150 Euro mehr pro Lehrjahr. Die Forderungen betreffen sowohl den Einzelhandel als auch den Groß- und Außenhandel und werden bundesweit erhoben.
Die Arbeitgeberseite hat nach Angaben von Verdi zuletzt ein Angebot vorgelegt, das aus Sicht der Gewerkschaft unzureichend ist. Im Einzelhandel sehen die Zahlen demnach 2 Prozent mehr Lohn vor, im Großhandel 1,8 Prozent im ersten Jahr kombiniert mit Nullmonaten. Über eine Laufzeit von zwei Jahren käme zusätzlich 1,5 Prozent hinzu. Verdi kritisierte das Angebot als zu niedrig und wies darauf hin, dass es effektiv unter der prognostizierten Inflationsrate bleibe. Wörtlich erklärte die Gewerkschaft: „Effektiv bleibt das Tarifangebot weit unter der prognostizierten Inflationsrate."
Auswirkungen in Berlin und Brandenburg
Die Verhandlungen für den Einzelhandel in Berlin und Brandenburg waren am Montag ergebnislos geblieben. Verdi kündigte daraufhin einen ganztägigen Warnstreik für die Beschäftigten im Berliner Einzelhandel sowie im Großhandel in Berlin und Brandenburg an. Die Friedenspflicht im brandenburgischen Einzelhandel gilt allerdings noch bis zum 30. Juni 2026, weshalb in diesem Bundesland vorerst nur die Großhandelsbeschäftigten zum Streik aufgerufen werden.
In Berlin ist eine Demonstration am Wittenbergplatz um 11:30 Uhr geplant. Verdi rechnet nach eigenen Angaben mit einer Beteiligung von rund 800 Beschäftigten allein in Hessen. Bundesweit wird mit einer deutlich höheren Zahl gerechnet. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelbranche sind Teil des Streikaufrufs.
Bereits am Donnerstag hatten sich nach Verdi-Angaben in mehreren Bundesländern zahlreiche Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt. In Sachsen hatten unter anderem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Edeka-Foodservice-Lagers in Dresden die Arbeit niedergelegt. Damit weitete sich der Ausstand, der ursprünglich Mitte Mai mit ersten bundesweiten Warnstreiks begonnen hatte, spürbar aus.
Betroffene Unternehmen
Die betroffenen Unternehmen decken ein breites Spektrum des Handels ab. Neben Rewe und dessen Logistiktochter sowie Penny sind auch die Möbelhäuser Ikea und Hit, die Textilketten H&M, Zara und Primark, der Drogeriehändler Douglas sowie die Großhändler Metro und Kaufland betroffen. Verdi bezeichnete den Schritt als Reaktion auf das aus Sicht der Gewerkschaft unzureichende Angebot der Arbeitgeber.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Zimmer sagte, die Handelsunternehmen befänden sich in einer ausgezeichneten wirtschaftlichen Verfassung. Dennoch würden die Beschäftigten mit Reallohnverlusten abgespeist. Die Gewerkschaft betonte, es sei „unanständig", angesichts der Gewinnzahlen großer Konzerne den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keine bessere Bezahlung zu gewähren.
Die Verhandlungsführerin von Verdi verwies zudem auf die prekäre finanzielle Situation vieler Beschäftigter im Handel. „Schon heute ist der Anteil dessen, was beispielsweise Verkäufer*innen oder Lagerarbeiter*innen für das Notwendigste wie Miete, Energie und Lebensmittel aufwenden müssen, so hoch, dass kaum bis gar kein finanzieller Spieltraum vorhanden ist", erklärte sie.
Position der Arbeitgeberseite
Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden dagegen als begrenzt an. Der Verband erklärte, die Unternehmen seien gut vorbereitet und die internen Abläufe eingespielt. Zudem verwies die Arbeitgeberseite auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die diesmal „kaum Spielraum" für Lohnsteigerungen ließen.
Die Tarifverhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel laufen bereits seit April. Es ist mittlerweile die dritte Verhandlungsrunde. Sollte es in den kommenden Wochen keine Einigung geben, ist mit einer Ausweitung der Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen. Verdi hatte bereits in den Vormonaten mehrfach zu Streiks aufgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.
Die Gewerkschaft erklärte, die bisherigen Warnstreiks hätten bereits gezeigt, dass die Beschäftigten bereit seien, für ihre Forderungen einzustehen. In mehreren Städten fanden Kundgebungen statt, an denen sich Tausende beteiligten. Verdi kündigte an, den Druck aufrechtzuerhalten, bis die Arbeitgeberseite ein verhandlungsfähiges Angebot vorlege.
Ausblick auf weitere Verhandlungen
Für die Beschäftigten im Großhandel in Hessen ist die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors erheblich: Rund 120.000 Menschen arbeiten dort nach Verdi-Angaben in der Branche. Die Gewerkschaft sieht in den laufenden Verhandlungen eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Handelsstandorts Deutschland.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich am Freitag und Samstag auf mögliche Einschränkungen einstellen. Filialen großer Ketten könnten verkürzte Öffnungszeiten haben oder ganz geschlossen bleiben. Der HDE rechnet allerdings nicht mit spürbaren Auswirkungen auf das gesamte Einkaufserlebnis.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Tarifparteien aufeinander zugehen. Verdi fordert eine zügige Reaktion der Arbeitgeberseite, andernfalls droht eine weitere Eskalation des Arbeitskampfes. Beobachterinnen und Beobachter rechnen damit, dass die Fronten vorerst verhärtet bleiben.
Die Stimmung unter den Beschäftigten ist nach Angaben von Verdi gereizt. Viele sehen in den Warnstreiks das einzige Mittel, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Gewerkschaft kündigte an, die Aktionen in den kommenden Wochen fortsetzen zu wollen, sollte es keine Bewegung in den Verhandlungen geben.
Fragen & Antworten
Welche Unternehmen sind vom Warnstreik betroffen?
Verdi hat Beschäftigte von Rewe, Penny, Rewe Logistik, Kaufland, Metro, Hit, Ikea, Douglas, H&M, Zara und Primark zum Streik aufgerufen. Damit deckt der Aufruf ein breites Spektrum des Einzel-, Groß- und Außenhandels ab.
Was fordert Verdi in der laufenden Tarifrunde?
Die Gewerkschaft verlangt eine Lohnerhöhung von 7 Prozent, mindestens aber 225 Euro pro Monat, sowie eine Erhöhung von 150 Euro pro Lehrjahr für Auszubildende bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten.
Warum streiken die Beschäftigten ausgerechnet jetzt?
Die Tarifverhandlungen für den Einzelhandel in Berlin und Brandenburg waren am Montag ohne Ergebnis geblieben, das Arbeitgeberangebot wurde von Verdi als unzureichend kritisiert. Daraufhin rief die Gewerkschaft zu den Warnstreiks am Freitag und Samstag auf.
Verdi-Warnstreik im Einzelhandel: Rewe, Ikea, H&M, Primark | nachrichten360