Varta stellt vier Insolvenzanträge in Eigenverwaltung – Konzern steht vor der Zerschlagung
Stuttgart, 24 Juli 2026
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Kurzfassung
Der schwäbische Batteriehersteller Varta AG aus Ellwangen hat am Freitag vier Insolvenzanträge in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Stuttgart eingereicht. Die Eigentümer Porsche und Michael Tojner wollten kein frisches Kapital nachschießen, nun droht die Zerschlagung des traditionsreichen Unternehmens.
Stuttgart, 24 Juli 2026
Der schwäbische Batteriehersteller Varta AG mit Sitz in Ellwangen hat am Freitag beim Amtsgericht Stuttgart vier Insolvenzanträge in Eigenverwaltung gestellt; das Unternehmen mit rund 4.000 Beschäftigten weltweit steht damit vor einer Zerschlagung.
Insolvenzanträge in Eigenverwaltung
Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung erfolgte nach Angaben aus Finanzkreisen am Freitag. Das Amtsgericht Stuttgart bestätigte am Freitagnachmittag den Eingang von gleich vier Insolvenzanträgen des angeschlagenen Unternehmens. Eine Sprecherin des Amtsgerichts in Stuttgart bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters die Insolvenzanträge; die zuständige Richterin prüft derzeit die Unterlagen.
Beschäftigte und Standort Ellwangen
Varta, eine Montana-Tech-Tochter, beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeitende, davon etwa 3.000 in Deutschland. Viele von ihnen arbeiten direkt in der Fertigung und sind von möglichen Werksschließungen unmittelbar betroffen. Nach Angaben des Unternehmens selbst sind es sogar rund 3.260 Beschäftigte, ein großer Teil davon am Hauptsitz in Ellwangen.
Der traditionsreiche Batteriehersteller Varta AG aus Ellwangen (Ostalbkreis) hat insgesamt vier Insolvenzanträge gestellt. Sie werden derzeit von der zuständigen Richterin geprüft. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, war der Auslöser für den Antrag das Ausbleiben von frischem Kapital. Es kommt kein frisches Geld mehr ins Unternehmen.
Eigentümer Porsche und Tojner verweigern frisches Kapital
Die bisherigen Eigentümer – Sportwagen-Gigant Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner – sollen sich geweigert haben, auch nur einen Cent nachzuschießen. Damit steht der Konzern offenbar vor der Zerschlagung. Beide Anteilseigner waren nach Medieninformationen nicht mehr bereit, das erneut in Schieflage geratene Unternehmen mit frischem Kapital zu stützen.
Österreichischer Investor Tojner und Porsche halten demnach jeweils 50 Prozent an Varta. Beide Anteilseigner teilen sich die volle Eigentümerschaft des Konzerns. Trotz intensiver Gespräche war niemand mehr bereit, weiteres Kapital bereitzustellen.
Gläubiger um Deutsche Bank und Hedgefonds
Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds, wollen das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien übernehmen. Die Gläubigergruppe wird auch von RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox gebildet. Die Gläubiger begründeten ihr Vorhaben mit der angespannten finanziellen Lage des Unternehmens.
Zuvor war in dieser Woche bekannt geworden, dass eine Zerschlagung des Unternehmens aus Ellwangen droht, weil wichtige Geldgeber das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen wollen. Konkret geht es um die Produktion von Knopfzellen für Hörgeräte – ein hochprofitables Nischengeschäft.
Mikrobatterien mit Knopfzellen als Zankapfel
Tojner hat unterdessen Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien signalisiert. Wie aus Finanzkreisen verlautet, hat der Österreicher bereits Interesse an der Sparte für Mikrobatterien angemeldet. Dazu zählen etwa Knopfzellen für Hörgeräte.
Zum Produktportfolio von Varta gehören Haushaltsbatterien, Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeichersysteme. Das Geschäft mit Haushaltsbatterien gilt als profitabel. Das Unternehmen selbst hat in der Vergangenheit bereits mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt.
Wirtschaftliche Vorgeschichte und StaRUG-Restrukturierung 2024
Im Jahr 2024 hatte Varta unter dem deutschen Stabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG) eine Restrukturierung durchlaufen, um eine Insolvenz abzuwenden. Im Zuge der damaligen Restrukturierung verloren die bisherigen Anteilseigner ihre Anteile, Gläubiger verzichteten auf Teile ihrer Forderungen. Anfang April des Folgejahres erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen und sah sich auf Kurs.
Danach verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erneut. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Varta Erlöse von rund 793 Millionen Euro und wies zugleich einen Verlust von 64,5 Millionen Euro aus. Eine unabhängige Analyse ergab, dass Varta kurzfristig zusätzliche Mittel im niedrigen zweistelligen Millionenbereich benötigt. Aktuellere Finanzzahlen als die von 2024 hat Varta zuletzt nicht veröffentlicht.
Standort Nördlingen und Verlust des Apple-Auftrags
Im Mai wurde bekannt, dass Apple als wichtiger Kunde für den Standort Nördlingen wegfällt. Am Standort Nördlingen in Bayern mit rund 350 Beschäftigten sollen bis November Knopfzellen für die drahtlosen Kopfhörer von Apple produziert werden. Anschließend werde die Produktion voraussichtlich nach Asien verlagert. Das Werk mit etwa 350 Mitarbeitenden soll im Herbst geschlossen werden.
Varta ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen hat bereits in der Vergangenheit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Lage spitzte sich zu, als weitere Investoren und Banken ebenfalls kein Geld mehr nachschießen wollten.
Ausblick: Rettung oder Zerschlagung?
Wie es mit dem einstigen Vorzeige-Konzern weitergeht, ist noch unklar. Ob Varta gerettet oder vollständig zerschlagen wird, soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Das Unternehmen kündigte an, auf Anfrage eine Stellungnahme abzugeben.
Mehr Informationen in Kürze.
Die Meldung wurde über den dpa-Nachrichtenkanal unter der Referenznummer dpa:260724-930-432224/1 verbreitet. Eine Sprecherin des Amtsgerichts in Stuttgart bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters die Vorgänge. Das Amtsgericht Stuttgart bestätigte am Freitagnachmittag den Eingang von gleich vier Insolvenzanträgen des angeschlagenen Unternehmens.
Fragen & Antworten
Wer sind die Eigentümer von Varta?
Die Eigentümer des Batterieherstellers Varta sind zu jeweils 50 Prozent der österreichische Investor Michael Tojner und der Sportwagenhersteller Porsche. Beide Anteilseigner haben sich laut Medienberichten geweigert, weiteres Kapital in das Unternehmen nachzuschießen.
Was bedeutet der Insolvenzantrag in Eigenverwaltung für die Beschäftigten?
Varta beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeitende, davon etwa 3.000 in Deutschland. Viele von ihnen arbeiten in der Fertigung und sind von möglichen Werksschließungen unmittelbar betroffen; so soll etwa das Werk in Nördlingen mit rund 350 Mitarbeitenden im Herbst geschlossen werden.
Welche Teile von Varta sollen von den Gläubigern übernommen werden?
Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds wie RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox, wollen das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen. Eigentümer Michael Tojner hat zugleich Interesse an der Mikrobatterien-Sparte mit Knopfzellen für Hörgeräte signalisiert.
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