USA und Iran kündigen Rahmenabkommen an: Waffenruhe verlängert, Seeblockade beendet
Genf, 13. Juni 2026
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Kurzfassung
Die USA und Iran haben am späten Sonntagabend ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Konflikts angekündigt. Es sieht die Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage, die Aufhebung der US-Seeblockade und die Wiederöffnung der Straße von Hormuz vor und soll am Freitag in Genf unterzeichnet werden.
Die USA und Iran haben am späten Sonntagabend ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres seit Ende Februar andauernden Krieges angekündigt, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll.
Inhalt und erste Reaktionen
Nach Angaben der vermittelnden Regierung Pakistans haben sich Washington und Teheran auf einen Text geeinigt, der die bestehende Waffenruhe um 60 Tage verlängert, die US-Seeblockade iranischer Häfen beendet und die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormuz vorsieht. US-Präsident Donald Trump bestätigte den Abschluss auf seiner Plattform Truth Social: "Der Deal mit der Islamischen Republik Iran ist nun besiegelt. Gratulation an alle! Ich autorisiere hiermit die volle und gebührenfreie Öffnung der Strasse von Hormuz und parallel dazu die sofortige Beendigung der amerikanischen Seeblockade. Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fliessen!"
Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte auf X, nach intensiven Gesprächen sei das Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran erzielt worden. Beide Seiten hätten die "sofortige und endgültige Beendigung der militärischen Operationen an allen Fronten, einschließlich im Libanon" zugesichert. Die Zeremonie zur Unterzeichnung sei für Freitag, den 19. Juni, in der Schweiz geplant, zunächst auf elektronischem Weg.
Widersprüchliche Darstellungen beider Seiten
Aus dem iranischen Außenministerium hieß es dagegen, eine Unterzeichnung sei nicht für Sonntag, sondern "in den kommenden Tagen" zu erwarten. Außenminister Abbas Araghchi rief die Medien zur Zurückhaltung auf: "Bis zur endgültigen Fertigstellung sollten sich die Medien mit Spekulationen über ihren Inhalt zurückhalten." Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi bestätigte der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim jedoch den Abschluss des Textes und die geplante Unterzeichnung am Freitag in Genf.
Die ZDF-Korrespondentin Claudia Bates berichtete aus Washington, beide Seiten machten bislang "völlig widersprüchliche Angaben zum Inhalt des Abkommens, fast, als würde man über zwei verschiedene Abkommen reden". Während die US-Seite hervorhebt, dass das iranische Atomprogramm zurückgebaut und das angereicherte Uran aus dem Land geschafft werden solle, betont Teheran, das Material lediglich im eigenen Land zu verdünnen. Araghchi erklärte: "Unsere Position war stets, dass der einzige Weg, mit dem Vorrat an angereichertem Material umzugehen, darin besteht, ihn innerhalb des Iran zu verdünnen."
Nach Darstellung eines ranghohen US-Beamten soll die Vereinbarung dazu führen, dass das iranische Atomprogramm zurückgebaut wird und die Vereinigten Staaten das angereicherte Uran erhalten, das sonst theoretisch für den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte. Das Material solle an Ort und Stelle unschädlich gemacht und anschließend aus dem Land gebracht werden. Berichten zufolge verfügt Iran über mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, das relativ leicht in waffentaugliches Material umgewandelt werden könnte.
Streitpunkt Atomprogramm und angereichertes Uran
Trump hatte in einem Interview mit dem Wall Street Journal zugleich betont, es bestehe keine Eile, die Uranbestände zu sichern: "Wir werden den nuklearen Staub später holen, sobald wir bereit sind, reinzugehen. Ich würde sagen, vielleicht im nächsten Monat oder so, aber es besteht keine Eile." Mit Blick auf den Iran fügte er hinzu: "Wir werden sehen, ob sie sich benehmen." Sina Toossi, Experte für den Mittleren Osten, wertete Trumps Formulierung der "ultimativen Alternative" bei einem Scheitern des Deals als "sehr nach einer nuklearen Drohung klingend".
Das Abkommen umfasst nach iranischen Angaben 14 Punkte, deren Inhalt bislang nicht offiziell bestätigt ist. Dazu gehören laut der Nachrichtenagentur Mehr die Aufhebung der US-Seeblockade, die Aussetzung von Ölsanktionen für einen bestimmten Zeitraum, die Freigabe von 25 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögenswerte, der Verzicht auf neue Sanktionen bis zu einer endgültigen Einigung sowie umfangreiche US-Wiederaufbauhilfen für Iran. Die USA verpflichten sich demnach, Iran nicht in innere Angelegenheiten einzugreifen und die Marine 30 Tage nach Öffnung der Meerenge "unter iranischen Regelungen" aus der Straße von Hormuz abzuziehen.
Die Sanktionen gegen Iran waren unter anderem wegen des Atomprogramms, wegen Menschenrechtsverletzungen und wegen iranischer Unterstützung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängt worden. Sascha Lohmann, Sanktionsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, schätzt die im Ausland eingefrorenen iranischen Vermögenswerte auf 90 bis 140 Milliarden US-Dollar. Iran selbst hatte zuletzt die Freigabe von Vermögenswerten im Wert von 24 Milliarden Dollar gefordert.
Sanktionen und eingefrorene Vermögen
Die US-Regierung will eingefrorene iranische Gelder nach Angaben aus Washingtoner Regierungskreisen nicht direkt mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens freigeben; solche Schritte sowie eine Lockerung der Sanktionen sollen erst dann erfolgen, wenn Teheran entsprechende Gegenleistungen erbracht hat. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte unter Berufung auf Insider berichtet, die Vereinigten Arabischen Emirate hätten bereits Gelder in Höhe von mehr als drei Milliarden Dollar für Iran freigegeben – die VAE dementierten dies gegenüber dem US-Sender CNBC.
Am Freitag hatten beide Seiten Signale gesendet, dass ein Ende der Kämpfe und eine Einigung nahe seien. US-Medien zitierten am Freitag einen ungenannten Regierungsvertreter mit den Worten, man gehe zu "80 bis 85 Prozent" von einer baldigen Unterzeichnung aus. Am Samstagmorgen meldete das US-Militär erneut mehrere iranische Drohnenangriffe auf Handelsschiffe in der Meerenge am Persischen Golf. Wenige Stunden nach Araghchis Stellungnahme schossen US-Streitkräfte nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom mehrere iranische Angriffsdrohnen in Richtung der Meerenge ab: "Die US-Streitkräfte haben sie alle in den letzten Stunden abgeschossen, während der Schiffsverkehr durch die Meerenge ungehindert weiterfließt." Zudem wurde vor der Küste des Oman ein Tanker von einem Geschoss unbekannter Herkunft getroffen; die Besatzung blieb nach Angaben der UK Maritime Trade Operations (UKMTO) unversehrt.
Israel, Hisbollah und Waffenruhe im Libanon
Ungeachtet des Bekenntnisses zu einer Waffenruhe kam es am Sonntag zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der vom Iran unterstützten libanesischen Hisbollah-Miliz, nachdem eine Drohne den Norden Israels angegriffen hatte. Die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagierte mit schweren Luftangriffen auf Beirut. Trump schrieb auf Truth Social: "Der Angriff auf Beirut von heute Morgen hätte nicht geschehen dürfen, vor allem an einem speziellen Tag, an dem wir einem Friedensabkommen mit Iran so nah sind." Israel ist nicht direkt an den amerikanisch-iranischen Verhandlungen beteiligt; das Portal Axios bezeichnete ein mögliches Abkommen als "bittere Pille" für Netanyahu.
Eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah ist nach Darstellung des Vermittlerstaates Pakistan bereits Teil der seit April geltenden Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Der EU listet den bewaffneten Arm der Hisbollah als Terrororganisation; auch die USA, Deutschland und mehrere sunnitisch-arabische Staaten stufen die Hisbollah als Terrororganisation ein. Trump hatte zu Kriegsbeginn die iranische Bevölkerung ermutigt, sich ihrer Regierung zu entledigen, diese Aufrufe aber später eingestellt.
Internationale Reaktionen
Der britische Premierminister Keir Starmer begrüßte das Abkommen als wichtigen Schritt zur Beendigung des Konflikts und zur Wiederöffnung der Straße von Hormuz. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte das US-Iran-Abkommen ebenfalls und forderte eine "zielstrebige" Umsetzung der Vereinbarung. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, die uneingeschränkte und gebührenfreie Wiederaufnahme des Seeverkehrs sei eine unverzichtbare Voraussetzung für regionale Stabilität und die Weltwirtschaft. Auch Katars Premierminister Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al Thani begrüßte das Abkommen; Katar hatte ebenfalls in dem Konflikt vermittelt.
Hintergrund des Konflikts
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar 2026 mit gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran begonnen. Am ersten Kriegstag wurde Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet. Khamenei hatte das Land seit 1989 geführt. Tausende Menschen kamen in dem Krieg ums Leben, die Mehrheit davon in Iran und im Libanon. Die offizielle Beisetzung Khameneis ist für den 9. Juli in seinem Geburtsort Maschhad geplant, während des islamischen Trauermonats Muharram. Iran reagierte auf die Angriffe mit Raketen- und Drohnenangriffen, unter anderem auf US-Stützpunkte in Bahrain, Jordanien und Kuwait.
Trump steht vor den wichtigen US-Kongresswahlen im November unter erheblichem innenpolitischem Druck wegen der Krise, die seit Langem weltwirtschaftliche Folgen hat, darunter steigende Energiepreise. Für Trump wäre ein Durchbruch nach eigenen Angaben ein Erfolg an seinem 80. Geburtstag. Trump hatte zudem Amtsenthebungsrufe gegen den demokratischen Senator Jack Reed gefordert, der das Rahmenabkommen öffentlich mit dem 2015 unter Barack Obama ausgehandelten Atomabkommen verglichen hatte. Trump hatte behauptet, Obamas Deal sei ein direkter Weg zu einer iranischen Atombombe gewesen, während sein eigenes Abkommen den Weg zu Atomwaffen für Iran für immer blockieren würde. Das frühere große Abkommen mit Iran, der Wiener Atomdeal von 2015, hatte fast zwei Jahre Verhandlungen erfordert.
Fragen & Antworten
Was sieht das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran konkret vor?
Das Abkommen soll die seit April geltende Waffenruhe um 60 Tage verlängern, die US-Seeblockade iranischer Häfen beenden und die Wiederöffnung der Straße von Hormuz ermöglichen. Es bildet den Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm innerhalb einer 60-tägigen Frist, die am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden sollen.
Was ist die größte offene Streitfrage zwischen Washington und Teheran?
Strittig ist vor allem der Umgang mit dem iranischen Atomprogramm und den Beständen an hochangereichertem Uran. Die USA verlangen den Rückbau des Programms und die Ausfuhr des Materials, während Iran es nach den Worten von Außenminister Araghchi lediglich im eigenen Land verdünnen will.
Warum ist die Straße von Hormuz für den globalen Handel so wichtig?
Die Meerenge am Persischen Golf ist nach Darstellung des iranischen Außenministers und US-Präsident Trumps ein entscheidender Knotenpunkt für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger. Iran hatte den Schiffsverkehr in der Meerenge seit Kriegsbeginn weitgehend zum Erliegen gebracht, weshalb die Wiederöffnung unmittelbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Energiepreise hat.