US-Militär greift Ziele im Iran an und verhängt erneut Seeblockade
Washington, 15. Juli 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Das US-Militär hat in der vierten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran angegriffen und am Dienstagabend (MESZ) eine Seeblockade gegen iranische Häfen wieder in Kraft gesetzt. Das zuständige Regionalkommando Centcom begründete die Angriffe mit dem Ziel, die iranischen Fähigkeiten für Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus weiter zu schwächen.
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) zum vierten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen und am Dienstagabend um 21 Uhr MESZ die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder in Kraft gesetzt.
Ankündigung über X
Die neue Angriffswelle begann am Dienstag um 15 Uhr US-Ostküstenzeit (21 Uhr MESZ), wie das zuständige Regionalkommando Centcom über den Onlinedienst X mitteilte. Etwa eine Stunde nach dieser Ankündigung sei die Seeblockade in der Straße von Hormus wieder aufgenommen worden, hieß es in dem Bericht weiter.
Bereits in den vergangenen Nächten hatten die US-Streitkräfte Ziele im Iran angegriffen, darunter etwa Abwehrsysteme, Raketen- und Drohnenstellungen sowie maritime Fähigkeiten. Das zuständige Regionalkommando begründete die Attacken wie schon zuletzt erneut mit dem Ziel, den Iran an dessen wiederholten Angriffen auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus und damit auch auf Zivilisten zu hindern.
Begründung der Angriffe
Laut Centcom sollten die Angriffe die iranischen Fähigkeiten weiter schwächen, die für Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus eingesetzt werden. Am späten Abend sollten die US-Armee zudem eine Seeblockade wieder herstellen, durch die iranische Häfen nicht mehr angelaufen werden können.
Eine Reaktion aus Teheran lag zunächst nicht vor. Die Revolutionsgarden reagierten daraufhin stets mit Gegenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in anderen Ländern der Region. Ziele waren unter anderem Stellungen in Jordanien, Bahrain und Kuwait.
Iranische Gegenangriffe
Iran griff Schiffe in der Straße von Hormus an, die über nicht von Teheran genehmigte Routen fuhren, und attackierte seinerseits mit den USA verbündete Golfstaaten. Diese Gegenangriffe richteten sich unter anderem gegen Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Die kuwaitische Armee machte den Iran für einen Angriff auf eines ihrer Kriegsschiffe verantwortlich. Dabei seien vier Soldaten verletzt worden. Kuwaitische Streitkräfte fingen demnach eine ballistische Rakete, fünf Marschflugkörper und 33 Drohnen ab.
Drohung mit Energieblockade
Die iranischen Revolutionsgarden drohten als Reaktion auf die US-Angriffe, die Energieexporte der gesamten Region zu blockieren. Solange die „bösartigen Aktionen“ der USA andauerten, werde kein einziger Tropfen Öl und Gas aus der Region exportiert, hieß es in iranischen Staatsmedien.
Die USA hatten die Blockade erstmals Mitte April verhängt, sie dann Mitte Juni nach der Unterzeichnung eines vorläufigen Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran wieder aufgehoben. Die Vereinbarung sollte darüber hinaus zu einer dauerhaften Beendigung des Krieges führen und sah eine Frist von 60 Tagen vor, um die Details auszuhandeln.
Vom Rahmenabkommen zur Eskalation
Dazu gehörte auch eine Einigung über das iranische Atomprogramm. Dadurch sollte der Schiffsverkehr durch die für den Ölhandel so wichtigen Meerenge wieder anlaufen. Doch die Gespräche sind ins Stocken geraten und der Konflikt um die Meerenge hat sich zuletzt immer weiter verschärft.
US-Präsident Donald Trump kündigte daraufhin am Montag eine Wiederaufnahme der Blockade an. Zuvor hatte Trump auch eine Gebühr für Schiffe angekündigt, die durch die Straße von Hormus fahren. Die USA wollten für den Schutz von Schiffen bei der Fahrt durch die Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben: 20 Prozent des Wertes der Ladung.
Trumps Kurswechsel bei Gebühren
Am Dienstag ruderte Trump dann aber zurück und schrieb auf seiner Plattform Truth Social, statt der Gebühren werde es Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten geben. Trump bezeichnete die ursprünglich geplante Gebühr als notwendig, um alle Kosten zu decken, die für die Gewährleistung von Sicherheit und Schutz erforderlich seien. Diese Investitionen würden massiv sein, versprach Trump.
Derzeit sind mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Marine und Hunderte von Militärflugzeugen im gesamten Nahen Osten im Einsatz. Diese Kräfte bilden den Rahmen für die erneute Seeblockade sowie die fortlaufenden Luftangriffe auf iranisches Territorium.
Hintergründe zu den wiederholten US-Angriffen lieferte unter anderem ein Bericht des ZDF-Korrespondenten David Sauer vom 14.07.2026. Darin wurde die Eskalation in der Region als Folge des stockenden Verhandlungsprozesses zwischen Washington und Teheran eingeordnet.
Auswirkungen auf den Welthandel
Die Nachricht über die neuen Angriffe und die wiederaufgenommene Blockade wurde am 15.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Entwicklungen in der Straße von Hormus haben unmittelbare Auswirkungen auf den internationalen Ölhandel und die Energiepreise.
Der US-Militärschlag gegen iranisches Territorium erfolgt in einem ohnehin angespannten regionalen Umfeld. Mehrere Golfstaaten sind in den Konflikt hineingezogen worden, weil iranische Gegenangriffe Stellungen auf ihrem Boden trafen. Damit hat sich die geografische Reichweite der Auseinandersetzung über die Meerenge hinaus ausgeweitet.
Für die internationale Schifffahrt bedeutet die wieder eingeführte Blockade eine erhebliche Behinderung des Warenverkehrs. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Routen für den globalen Ölhandel; eine Unterbrechung hätte unmittelbare Folgen für Energieversorgung und Wirtschaft weltweit.
Der Konflikt zwischen Washington und Teheran schwelt bereits seit Jahren und hat sich nach dem Scheitern der Verhandlungen um das iranische Atomprogramm und die Wiederaufnahme der Handelsrouten erneut zugespitzt. Beide Seiten werfen einander vor, die Vereinbarungen von Juni nicht eingehalten zu haben.
Fragen & Antworten
Wer hat die neuen Angriffe auf den Iran angekündigt?
Das zuständige Regionalkommando Centcom der US-Streitkräfte hat über den Onlinedienst X mitgeteilt, dass am Dienstag um 15 Uhr US-Ostküstenzeit (21 Uhr MESZ) eine neue Angriffswelle begonnen habe.
Warum hat das US-Militär die Seeblockade wieder eingeführt?
Die USA hatten die Blockade erstmals Mitte April verhängt und sie Mitte Juni nach der Unterzeichnung eines vorläufigen Rahmenabkommens mit Iran wieder aufgehoben. Nachdem die Gespräche ins Stocken geraten waren und der Konflikt sich verschärft hatte, kündigte US-Präsident Donald Trump am Montag die Wiederaufnahme an.
Wie hat der Iran auf die US-Angriffe reagiert?
Die Revolutionsgarden reagierten mit Gegenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in anderen Ländern der Region, unter anderem in Jordanien, Bahrain und Kuwait. Zudem drohten sie, kein einziger Tropfen Öl und Gas aus der Region zu exportieren, solange die US-Angriffe andauern.
US-Angriffe auf Iran: Seeblockade gegen Häfen 2026 | nachrichten360