USA fliegen vierte Angriffswelle auf Iran binnen einer Woche
Washington, 14. Juli 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die USA haben in der dritten aufeinanderfolgenden Nacht iranische Ziele angegriffen und die Eskalation im Streit um die Straße von Hormus verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte weitere Angriffe an und nannte die unterirdische Anlage Pickaxe Mountain als mögliches Ziel.
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Dienstag eine weitere Welle von Angriffen auf iranische Ziele geflogen und damit die seit Tagen andauernde Eskalation im Konflikt um die Straße von Hormus fortgesetzt.
Vierter Angriff binnen einer Woche
Bereits zum vierten Mal in weniger als einer Woche griff das US-Militär den Iran an. Wie das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf der Plattform X mitteilte, starteten die Streitkräfte die neue Angriffswelle am Montag um 16:45 Uhr US-Ostküstenzeit (22:45 Uhr MESZ). Es handelt sich um die dritte aufeinanderfolgende Nacht mit Angriffen auf iranische Stellungen.
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump am Montagnachmuttag (Ortszeit) in einem Radiointerview angekündigt: „Das US-Militär werde heute Abend und morgen hart zuschlagen.“ Die USA hätten in den vergangenen Tagen nach einer vorübergehenden Kampfpause wiederholt iranische Ziele angegriffen, hieß es zur Begründung. Trump habe zudem betont, der Iran könne nichts gegen die Angriffe unternehmen.
Trumps Drohung gegen Pickaxe Mountain
Das Militär begründete dies mit Attacken des Irans auf Schiffe in der Straße von Hormus, zumal Trump die Waffenruhe mit Teheran vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte und zusätzlich eine Seeblockade angekündigt hatte. Centcom erklärte, die Angriffe würden „die Fähigkeit Irans weiter einschränken, unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu attackieren“.
In dem Radiointerview suggerierte Trump auch, dass die USA eine tief unter der Erde gelegene Einrichtung angreifen könnten, die auch als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Pickaxe sei „ein mögliches Ziel“ für einen „großen, fetten“ Angriff, sagte Trump. Wahrscheinlich werde es „relativ bald“ passieren. Über den Zweck der Anlage wird auch wegen der Nähe zur Atomanlage Natans schon länger spekuliert. Eine These lautet, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran errichten wolle, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte.
Explosionen an Irans Südküste
Das US-Militär hat Dutzende Ziele in Iran angegriffen. Unter anderem standen Luftabwehrsysteme und Radarstationen im Visier. Das iranische Staatsfernsehen berichtete in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) von Explosionen auf der Insel Kish sowie in der Hafenstadt Bandar Abbas. Auch aus dem Bereich der Hafenstadt Buschehr, der Insel Qeschm in der Straße von Hormus sowie der Großstadt Bandar Abbas wurden Explosionen gemeldet.
Iran reagierte auf die US-Angriffe wiederum mit Vergeltungsangriffen – etwa auf Golfstaaten, in denen die USA wichtige Militärstützpunkte haben. In den vergangenen Tagen hatten die iranischen Revolutionsgarden auf amerikanische Attacken mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in anderen Ländern der Region reagiert. Konkret flog die iranische Seite Angriffe auf Kuwait, Bahrain und das etwa 1.000 Kilometer entfernte Jordanien.
Irans Vergeltung und die Sorge vor einer Kriegseskalation
Die USA haben in den vergangenen Tagen gezielt iranische Infrastruktur angegriffen, was auch zu Energieknappheit und Stromausfällen führt, berichtet ZDF-Korrespondent Jörg Brase. Der Iran erklärte unterdessen, die Meerenge von Hormus sei „dicht“. US-Präsident Donald Trump dementierte diese Darstellung umgehend.
All das befeuerte in der Region die Sorge vor einem vollständigen Wiederaufflammen des Kriegs. Die im Land mächtigen Revolutionsgarden reagierten erneut mit Vergeltungsangriffen auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain sowie auf das gut 1.000 Kilometer entfernte Jordanien. Laut der Nachrichtenagentur Fars sowie dem regierungstreuen Sender Press TV gab es in der Nacht mehrere Detonationen auf der Insel Kisch am Persischen Golf.
Tanker-Angriff auf die VAE und ein Toter
Bereits zuvor hatte Iran nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Tanker des mit den USA verbündeten Golfstaats in der Straße von Hormus angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium der Emirate in der Nacht auf der Plattform X bekanntgab, wurden die Schiffe bei der Durchquerung auf der südlichen Schifffahrtsroute innerhalb der omanischen Hoheitsgewässer von zwei Marschflugkörpern getroffen. Der Angriff stelle einen „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ dar, erklärte das Verteidigungsministerium.
Die Emirate behielten sich vor, auf diese Eskalation zu reagieren. Ein Besatzungsmitglied sei getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Zudem gebe es acht Verletzte, vier davon schwer. Bei den Verletzten handele es sich um sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige. Zudem seien Brände auf beiden Tankern ausgebrochen, schließlich aber unter Kontrolle gebracht worden.
Eine Reaktion aus Teheran auf die neue US-Angriffswelle lag zunächst nicht vor. Die jüngsten Entwicklungen seien zwar eskalierend, blieben aber „deutlich unterhalb eines offenen Kriegszustands“, ordnete Saul Kavonic, Senior-Energieanalyst bei MST Marquee, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg ein.
Auch auf den Energiemärkten hinterlässt der Konflikt Spuren. „Der Angebotsanstieg ist real“, schrieb Tiago Lacerda, Marktanalyst beim Broker Axi, in einer E-Mail an CNBC. Er verwies auf starke Lagerbestände auf See, nachdem der Iran seit Aufhebung der US-Seeblockade mehr als 40 Millionen Barrel verschifft habe.
Auswirkungen auf den Ölmarkt und Chinas Energiepolitik
China ist zwar traditionell der größte Abnehmer iranischen Öls, doch seit Kriegsbeginn Ende Februar sind die chinesischen Rohölimporte insgesamt rückläufig. Im Mai brachen sie laut dem Datendienst Wind Information um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 7,82 Millionen Barrel pro Tag ein, den niedrigsten Stand seit Februar 2018. Laut einem Bericht der United Overseas Bank ist das Teil eines laufenden Plans, frühere Förderkürzungen vollständig zurückzunehmen. Seit Kriegsbeginn seien die Quoten damit bereits um insgesamt 940.000 Barrel pro Tag angehoben worden. Für August wurde eine Erhöhung um 188.000 Barrel pro Tag beschlossen.
Gleichzeitig sind parallel auch russische Exporte auf Rekordniveau gestiegen. Der Nahost-Konflikt hat laut einem Bericht des Stockholmer Institute for Security and Development Policy Chinas Fokus auf den eigenen Umbau der Energieversorgung geschärft und dessen Ausbau erneuerbarer Energien zusätzlich beschleunigt. Chinas Ministerpräsident Li Qiang habe demnach erneut betont, den Ausbau nicht fossiler Energien voranzutreiben und ein neues Energiesystem aufzubauen, verbunden mit mehr Innovation und schnelleren Reformen.
die Einfuhren aus dem Iran fielen im Juni gegenüber dem Vormonat laut Bloomberg um mehr als die Hälfte auf rund 654.000 Barrel täglich. sagte in CNBCs Sendung „Squawk Box Asia“, die Chinesen zeigten derzeit generell keine große Kauflust, unabhängig vom Anbieter. Diese Nachricht wurde am 14.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Eine Rückkehr zum vollständigen Waffenstillstand ist derzeit nicht in Sicht, während beide Seiten ihre jeweiligen militärischen Operationen fortsetzen.
Fragen & Antworten
Was ist die Anlage „Pickaxe Mountain“?
Bei „Pickaxe Mountain“ handelt es sich um eine tief unter der Erde gelegene Einrichtung nahe der iranischen Atomanlage Natanz, über deren Zweck seit Längerem spekuliert wird. Eine These lautet, dass der Iran dort geheim Uran für Atomwaffen anreichern könnte.
Wie reagierten die Vereinigten Arabischen Emirate auf den Angriff auf ihre Tanker?
Die VAE sprachen von einem „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ und behielten sich das Recht vor, auf die Eskalation zu reagieren. Nach Angaben des Emiratischen Verteidigungsministeriums wurde ein indisches Besatzungsmitglied getötet und acht weitere Personen verletzt.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Eskalation bislang?
Chinas Rohölimporte sanken im Mai laut Wind Information um 29 Prozent auf 7,82 Millionen Barrel pro Tag, den niedrigsten Stand seit Februar 2018. Zugleich beschloss OPEC+ eine zusätzliche Fördererhöhung um 188.000 Barrel pro Tag für August, um frühere Kürzungen schrittweise zurückzunehmen.
USA greifen Iran an: Trump kündigt Pickaxe Mountain | nachrichten360