Ukraine greift mit Drohnen Ziele in Russland an: Raffinerie in Moskau getroffen, Flughäfen lahmgelegt
Moskau, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Russlands Hauptstadt Moskau ist in der Nacht auf Montag laut Bürgermeister Sergej Sobjanin mit rund 60 ukrainischen Drohnen angegriffen worden. Eine Drohne traf eine Ölraffinerie in der Stadt, am Flughafen wurden zeitweise Flüge gestrichen — Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht.
Moskau, 16 Juni 2026
In der Nacht auf Montag hat die ukrainische Armee nach russischen Angaben die Hauptstadt Moskau mit rund 60 Drohnen angegriffen, von denen die russische Luftabwehr einen Großteil abschoss; eine Drohne schlug auf dem Gelände einer Ölraffinerie ein, und alle vier Moskauer Flughäfen schränkten zeitweise den Betrieb ein.
Ausmaß der Angriffe
Nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin schoss die russische Luftabwehr in der Hauptstadt rund 60 ukrainische Drohnen ab. Sobjanin teilte auf Telegram mit: „Verletzt worden sei niemand." Einsatzkräfte seien damit beschäftigt, herabgefallene Trümmer von abgeschossenen Drohnen zu beseitigen, hieß es aus der Stadtverwaltung.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von insgesamt 172 Drohnen über verschiedenen Regionen. Eine Drohne habe ein Objekt auf dem Gelände einer Ölraffinerie in Moskau getroffen, teilte Sobjanin mit. Angaben zu Treffern oder Schäden machte das Ministerium zunächst nicht. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gehört die getroffene Anlage dem Unternehmen Gazpromneft.
Die Raffinerie liegt nach Angaben Selenskyjs etwa 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Selenskyj veröffentlichte ein Video, das ein brennendes Objekt auf dem Gelände der Anlage zeigen soll. Er sagte: „Russland muss gezwungen werden, den Krieg gegen unser Volk zu beenden."
Auswirkungen auf den Luftverkehr und die Energieversorgung
Im Süden Russlands in der Region Krasnodar sei ein Öllager der Siedlung Poltawskaja getroffen worden und in Brand geraten, teilten die Behörden mit. Im Zuge des Angriffs wurde demnach auch eine Kreisstraße gesperrt. In sozialen Netzwerken kursierten zunächst nicht überprüfbare Videoaufnahmen von einer großen Rauchwolke.
Auf den vier Flughäfen der Hauptstadt gab es wegen des Drohnenalarms Einschränkungen im Flugverkehr. Zuerst stellen die Flughäfen Domodedowo und Schukowski ihre Arbeit vorübergehend ein, später stoppten auch die Airports Scheremetjewo und Wnukowo Starts und Landungen. In der Ferienzeit erleben Russen inzwischen fast täglich zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen.
Die Attacken gegen Raffinerien und Treibstofflager haben vielerorts bereits zu Engpässen bei der Versorgung mit Benzin geführt. Zudem steigen die Preise fürs Tanken. Nach Schätzungen russischer Stellen waren zeitweise rund 140.000 Menschen ohne Strom.
Die Ukraine will mit den Angriffen auf die russische Ölindustrie den militärischen Nachschub stören und auch den Energieexport treffen, der Milliarden in die Kriegskasse des Landes spült. Das erklärte Ziel der ukrainischen Militärführung ist es, die für den Krieg gegen die Ukraine genutzte Energieinfrastruktur zu schwächen.
Diplomatische Bemühungen und G7-Gipfel
Am Tag des Angriffs nahm der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am G7-Gipfel im französischen Évian teil. Er sprach dort zudem mit dem britischen Premierminister Keir Starmer über neue Sanktionen gegen Russland, die unter anderem die sogenannte Schattenflotte sowie Finanz- und Beschaffungsnetzwerke betreffen, mit denen Russland westliche Sanktionen umgeht und seine Rüstungsindustrie versorgt.
Die USA und Russland tauschten sich nach Angaben von US-Präsident Donald Trump am Sonntag in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin aus. Trump zeigte sich optimistisch: „Ich glaube, da können wir etwas erreichen. Wirklich."
Gegenangriffe und russische Luftschläge
Der Kreml lehnte ein Treffen mit Selenskyj ab und erklärte Gespräche nur in Moskau für möglich. Selenskyj erklärte seinerseits, er habe mit Trump ein mögliches Treffen mit Putin in den Vereinigten Staaten erörtert. Unabhängig davon forderte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko Russland und die Ukraine zu mehr Kompromissbereitschaft auf und erklärte, ein militärischer Sieg sei für keine Seite realistisch.
In einer getrennten Entwicklung griff Russland die Ukraine nach Angaben des ukrainischen Militärs in der Nacht zu Montag mit 70 Raketen und 611 Drohnen an. Die Ukraine will nach eigenen Angaben 50 Raketen und 582 Drohnen abgefangen haben. Bei einem Angriff auf die Stadt Tula südlich von Moskau seien nach russischen Angaben drei Menschen getötet und drei weitere verletzt worden, hieß es aus dem russischen Innenministerium.
Die ukrainische Regierung kündigte unterdesses eine umfassende Reform des Wehrdienstes an. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow stellte neue Vertragslaufzeiten von sechs bis 24 Monaten mit besserer Bezahlung und klareren Bedingungen vor. An der Front sollen Vertragssoldaten künftig bis zu rund 5.800 Euro pro Monat erhalten, mit Zuschlägen für besonders gefährliche Einsätze.
Kriegsfolgen für die Zivilbevölkerung
Großbritannien kündigte an, dem Unternehmen Urenco rund 250 Millionen Euro für die Lieferung von angereichertem Uran an den ukrainischen Kernkraftwerksbetreiber Energoatom zur Verfügung zu stellen. Hintergrund sind Sorgen um die Energieversorgung der vom Krieg betroffenen ukrainischen Anlagen.
Russland wies die Verantwortung für Schäden an der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale des Kyiver Höhlenklosters zurück und machte eine ukrainische Luftabwehrrakete verantwortlich. Die Kathedrale, Teil des zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Höhlenklosters, war bei einem Angriff schwer beschädigt worden und in Brand geraten.
Angesichts der Entwicklungen begrüßte Selenskyj bei einem Zwischenstopp in Chișinău den Beginn substanzieller EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldawien als wichtiges Signal. Er würdigte außerdem die Arbeit der Kiewer Geheimdienste als „ihre effektive Arbeit“.
Am G7-Gipfel wollten die Staats- und Regierungschefs nach der Einigung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran auch die festgefahrenen Ukraine-Verhandlungen wiederbeleben. Frankreich hat 2025 die G7-Präsidentschaft inne; neben Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich gehören Italien, Japan, Kanada, die USA und die EU zur Gruppe.
Bei einem russischen Angriff auf Charkiw im Osten der Ukraine waren nach ukrainischen Angaben fünf Rettungskräfte getötet worden, als sie während ihres Einsatzes von einem weiteren Angriff getroffen wurden. In Kiew wurden nach ukrainischen Angaben vier Menschen getötet und mehr als 20 verletzt.
Fragen & Antworten
Wer hat den Drohnenangriff auf Moskau gemeldet?
Den Angriff meldete Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin über Telegram; das russische Verteidigungsministerium sprach insgesamt von 172 abgeschossenen Drohnen über verschiedenen Regionen.
Welche Ziele wurden in Russland getroffen?
Nach russischen Angaben wurde eine Ölraffinerie in Moskau sowie ein Öllager in der Siedlung Poltawskaja in der Region Krasnodar getroffen, das in Brand geriet.
Welches Ziel verfolgt die Ukraine mit den Drohnenangriffen auf russische Ölanlagen?
Nach Angaben der ukrainischen Führung sollen mit den Angriffen der militärische Nachschub gestört und Energieexporte getroffen werden, die den russischen Krieg finanzieren.
Drohnenangriff auf Moskau: 60 Drohnen abgeschossen | nachrichten360