Uber übernimmt Delivery Hero für 12,7 Milliarden Euro – Prosus gibt Anteile ab
Berlin, 16. Juli 2026
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Kurzfassung
Der US-Fahrdienstvermittler Uber bietet den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro je Aktie und bewertet das Berliner Unternehmen damit mit rund 12,7 Milliarden Euro. Der Großaktionär Prosus hat bereits zugestimmt und bringt seine knapp 17-prozentige Beteiligung ein, sodass Uber die Mindestschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie bereits überschritten hat.
Der US-Fahrdienstvermittler Uber hat am Donnerstag ein öffentliches Übernahmeangebot für den Berliner Essenslieferanten Delivery Hero vorgelegt, das die Aktionäre mit insgesamt rund 12,7 Milliarden Euro entschädigen soll.
Angebot im Detail
Wie Uber am Donnerstag mitteilte, erhalten die Aktionäre des Berliner Unternehmens 41,50 Euro je Anteilsschein. Damit wird Delivery Hero, „wobei Uber sich inklusive Derivaten bereits knapp 37 Prozent gesichert hat“, insgesamt mit rund 12,7 Milliarden Euro bewertet. „Der US-Konzern legte den Aktionären von Delivery Hero am Donnerstag ein Angebot über 41,50 Euro je Anteilsschein vor“, hieß es aus dem dpa-Newskanal. Der Kurs der Delivery-Hero-Aktie stieg im vorbörslichen Handel bereits um drei Prozent auf 39,35 Euro.
Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet und ist seit 2017 an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet, wo das Unternehmen unter dem Kürzel DHER und der ISIN DE000A2E4K43 gehandelt wird. Das im MDax notierte Unternehmen betreibt Plattformen in über 70 Ländern und gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit größten Essenslieferdiensten, mit besonders starker Präsenz in Asien, Südeuropa, der arabischen Halbinsel und Afrika. Zum Firmennetzwerk gehört unter anderem die Marke Foodora.
Prosus macht den Weg frei
Den Ausschlag für das Angebot gab die Zustimmung des Großaktionärs Prosus. Der niederländische Technologieinvestor, der zweitgrößte Aktionär von Delivery Hero, hält 16,8 Prozent der Anteile und hat sich verpflichtet, sein Paket an Uber zu verkaufen. „Der Großaktionär Prosus hat bereits zugestimmt und gibt seine knapp 17-prozentige Beteiligung ab“, berichtete das Handelsblatt. Zusätzlich hat Uber nach eigenen Angaben eine unwiderrufliche Andienungszusage über 16,68 Prozent der Delivery-Hero-Aktien erhalten – womit die Mindestschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie aus Sicht von Uber bereits erfüllt ist.
Dara Khosrowshahi, bezeichnete das Geschäft als wegweisend. „Das talentierte Team von Delivery Hero hat ein beeindruckendes Unternehmen aufgebaut – mit beliebten lokalen Marken und führenden Positionen in einigen der weltweit am schnellsten wachsenden Liefermärkten“, erklärte er. In einer weiteren Stellungnahme ergänzte Khosrowshahi: „Ubers globale Mobilitäts- und Lieferplattform und unser gemeinsames Bekenntnis zu Innovation machen dies zur richtigen Partnerschaft, um auf den Stärken von Delivery Hero in der lokalen Essenslieferung und im Quick Commerce aufzubauen und unsere Everyday-App-Strategie für unsere Kunden weiter voranzutreiben“.
Reaktionen aus den Unternehmen
Bereits im April war Uber bei Delivery Hero eingestiegen und hatte seine Beteiligung nach und nach ausgebaut. „Uber war erst im April bei Delivery Hero eingestiegen und hat seine Beteiligung inzwischen auf 24,99 Prozent ausgebaut“, schrieb die dpa. Hinzu kommen rund 11,74 Prozent aus Finanzinstrumenten, sodass sich Ubers wirtschaftliches Gesamtinteresse mit dem Prosus-Paket auf insgesamt mehr als 53 Prozent erhöhen würde. Ende Mai hatte Uber bereits eine Offerte über 33 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, war damit aber „angesichts des gestiegenen Aktienkurses abgeblitzt“.
Zeitplan und Voraussetzungen
Der Angebotspreis entspricht laut Mitteilung einer Prämie von rund 127 Prozent auf den unbeeinflussten volumengewichteten Durchschnittskurs der Aktie der letzten drei Monate vor dem 8. Mai 2026. Der vollständige Vollzug des Geschäfts wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet, vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Freigaben, der Erreichung der Mindestannahmeschwelle und weiterer marktüblicher Bedingungen. Die Annahmefrist läuft in den kommenden Wochen.
Delivery Hero bestätigte den Zusammenschluss in einer Ad-hoc-Mitteilung. Das im MDax notierte Unternehmen bestätigte, „dass es sich mit dem US-Konzern zusammenschließt“. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen das Angebot und beabsichtigen – vorbehaltlich ihrer Sorgfalts- und Treuepflichten sowie der Prüfung der noch zu veröffentlichenden Angebotsunterlage – es zu unterstützen. Der Aufsichtsrat soll demnach mindestens zwei unabhängige Mitglieder weiterhin umfassen, solange die Delivery-Hero-Aktien im regulierten Markt notiert sind.
Zusagen an den Standort Berlin
Im Gegenzug hat sich Uber zu mehreren Zusagen verpflichtet. So will der US-Konzern den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin sowie die operativen Hubs in den Regionen erhalten. An der Belegschaft in Berlin soll bis mindestens 2029 nicht gespart werden. „Uber hat sich verpflichtet, die Unternehmenskultur von Delivery Hero zu unterstützen, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin sowie die operativen Hubs von Delivery Hero in den Regionen zu erhalten“, heißt es in der Vereinbarung. Darüber hinaus hat Uber Investitionen von bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland bis Ende 2031 zugesagt.
Gleichzeitig wird Uber für die nächsten drei Jahre keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag mit Delivery Hero abschließen. Nach Vollzug des Angebots will Uber mit zwei Vertretern – einschließlich des Vorsitzenden – im Aufsichtsrat von Delivery Hero vertreten sein. Im Fall eines Kontrollwechsels fällige Verbindlichkeiten, etwa aus aktienbasierter Vergütung, Retention-Zahlungen oder Wandelanleihen, will Uber über ein Gesellschafterdarlehen finanzieren.
Verkauf von Geschäftsbereichen an SSW Partners
Teil der Transaktion ist auch ein milliardenschwerer Verkauf von Geschäftsbereichen. Delivery Hero und bestimmte Tochtergesellschaften haben mit einem Erwerbsvehikel der New Yorker Investmentgesellschaft SSW Partners einen Kaufvertrag über den Verkauf von Geschäftsbereichen in Österreich, Chile, Zypern, der Tschechischen Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und der Türkei abgeschlossen. Die Gegenleistung beträgt 1,4 Milliarden Euro. Der Vollzug wird voraussichtlich mit dem Vollzug des Übernahmeangebots in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet.
Zusätzlich hat sich Delivery Hero verpflichtet, innerhalb von 60 Kalendertagen nach Vollzug neue Aktien aus genehmigtem Kapital zu 41,50 Euro an Uber auszugeben – höchstens jedoch zehn Prozent des Grundkapitals. Mit den Erlösen aus dem Verkauf und der Kapitalerhöhung sollen nach Vollzug Verbindlichkeiten abgelöst werden, die infolge des Kontrollwechsels fällig werden. „Der Vollzug des Verkaufs wird unter einer Reihe aufschiebender Bedingungen stehen, darunter der Eintritt sämtlicher das Angebot betreffenden Angebotsbedingungen, der Abschluss der Trennung der Zielgeschäftsbereiche von dem bei Delivery Hero verbleibenden Geschäft sowie regulatorische Freigaben“, erklärte das Unternehmen.
Hintergrund: Prosus unter EU-Auflage
Der Hintergrund: Prosus steht unter Druck, seinen Anteil an Delivery Hero abzubauen. Wegen der Übernahme des Delivery-Hero-Rivalen Just Eat Takeaway muss Prosus seinen Anteil eigentlich bis zum Spätsommer auf weniger als zehn Prozent reduzieren, hat wegen der veränderten Lage aber bei der EU um Aufschub gebeten. Mit dem Verkauf an Uber wird diese Auflage faktisch obsolet. Die Annahme des Angebots gilt als nahezu sicher, da die Mindestschwelle durch die Prosus-Zusage und die übrigen Andienungen bereits erreicht ist.
Strategische Logik des Deals
Strategisch ergänzen sich beide Unternehmen. Uber ist als US-Fahrdienstvermittler und -Essenslieferant bereits im deutschen Liefergeschäft aktiv, hatte sich jedoch in der Vergangenheit unter anderem aus Österreich wieder zurückgezogen. Delivery Hero wiederum ist in Deutschland seit dem Verkauf des hiesigen Geschäfts an Just Eat Takeaway nicht mehr operativ tätig. „Uber kombiniert sein bestehendes Uber Eats-Geschäft mit dem internationalen Netzwerk von Delivery Hero“, heißt es in der Mitteilung. Der Deal fügt Märkte in Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika zu Ubers Portfolio hinzu.
Die Transaktion ist eine der größten Übernahmen im europäischen Liefer- und Quick-Commerce-Sektor. JP Morgan Chase berät Uber bei dem Geschäft. Der Verwaltungsrat von Delivery Hero und der Aufsichtsrat werden das offizielle Angebotsergebnis und die Angebotsunterlage prüfen, bevor sie eine endgültige Stellungnahme abgeben. Bei der Transaktion handelt es sich um ein Business Combination Agreement zwischen Delivery Hero SE, Uber Technologies, Inc. und der in Delaware ansässigen Uber International Technologies II Corporation.
Ausblick auf den Markt
Marktbeobachter werten das Angebot als klares Signal für eine weitere Konsolidierung im globalen Lebensmittelliefermarkt. Mit der Übernahme sichert sich Uber nach eigenen Angaben einen direkten Zugang zu den stark wachsenden Märkten außerhalb Europas und Nordamerikas, in denen Delivery Hero über Jahre hinweg Marktanteile aufgebaut hat. Sollte die Transaktion wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen werden, würde Uber seine Position als einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Mobilität und Lieferdienste weiter festigen.
Die Nachricht wurde am 16. Juli 2026 über den dpa-Newskanal verbreitet und unter anderem im Deutschlandfunk gesendet. Über die genauen Folgen für die rund 24 000 Mitarbeiter von Delivery Hero weltweit liegen noch keine detaillierten Angaben vor. Die Managementböne beider Unternehmen betonten jedoch, dass die operative Eigenständigkeit der regionalen Delivery-Hero-Marken gewahrt bleiben soll und bestehende Kundenbeziehungen zu Händlern und Verbrauchern fortgeführt werden.
Fragen & Antworten
Wie viel bietet Uber je Delivery-Hero-Aktie?
Uber bietet den Aktionären 41,50 Euro je Aktie; das entspricht einer Prämie von rund 127 Prozent auf den Durchschnittskurs der drei Monate vor dem 8. Mai 2026.
Welche Rolle spielt der Großaktionär Prosus bei dem Deal?
Prosus hält 16,8 Prozent an Delivery Hero und hat sich verpflichtet, seine Anteile an Uber zu verkaufen; damit überschreitet Uber bereits die Mindestschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie.
Was bedeutet der Deal für den Standort Berlin?
Uber hat zugesagt, den Hauptsitz in Berlin zu erhalten, bis mindestens 2029 keine Stellen in der Hauptstadt abzubauen und bis Ende 2031 bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland zu investieren.
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