Der Berliner Lieferdienstkonzern Delivery Hero hat am Dienstagabend nach Börsenschluss bestätigt, dass er sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem US-Unternehmen Uber über eine mögliche Übernahme befindet.

Der Lieferdienstkonzern bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach führen die Amerikaner seit kurzem konkrete Verhandlungen mit den Berlinern, wie Delivery Hero am Dienstagabend nach Börsenschluss mitteilte.

Nach Informationen von Bloomberg dreht es sich in den Gesprächen um einen Preis von rund 40 Euro je Aktie. Die Nachrichtenagentur berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Dem Vernehmen nach will Uber noch diese Woche eine Einigung mit Delivery Hero erzielen, wobei laut den Informanten Details des Angebots noch verändert werden könnten.

Zu Spekulationen über einen möglichen Angebotspreis wollte sich der deutsche Konzern allerdings nicht äußern. Delivery Hero kommunizierte lediglich den Verhandlungsstand an die Investoren, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Vom Mai-Interesse zur konkreten Verhandlung

Das Interesse des US-Konzerns ist seit Mai öffentlich. Damals teilte Delivery Hero mit, dass Uber auf die Berliner zugekommen sei und ein Angebot über 33 Euro in Aussicht gestellt habe. Schon damals war im Gespräch, dass Uber möglicherweise auch bereit sei, sein Angebot zu erhöhen, um skeptische Investoren zu überzeugen.

Bloomberg hatte am Dienstag berichtet, Uber könnte Delivery Hero bei einem Angebot spürbar höher bewerten, als das Unternehmen bis vor dem Bekanntwerden der fortgeschrittenen Gespräche an der Börse bewertet worden war. Bevor die Nachricht bekannt wurde, notierte die Aktie bei knapp 37 Euro.

Kursreaktion und Bewertung

Nach der Veröffentlichung der Nachricht sprang der Delivery-Hero-Kurs am Nachmittag um fast 6 Prozent hoch und war am Dienstagabend mit einem Plus von fast sechs Prozent auf 39,10 Euro aus dem Handel gegangen. Der Schlusskurs entsprach einer Unternehmensbewertung von 11,9 Milliarden Euro. Kurz nach Handelsstart am Mittwochmorgen büßte sie jedoch knapp zwei Prozent auf 38,35 Euro ein; damit gehörte sie zu den schwächsten Titeln im MDAX, dem Index der mittelgroßen Werte.

Wenige Tage später wurde bekannt, dass Uber seinen direkten Stimmrechtsanteil an Delivery Hero auf 24,99 Prozent ausgebaut und sich inklusive Finanzinstrumente gar den Zugriff auf insgesamt fast 37 Prozent der Aktien gesichert hatte. Damit hält Uber bereits einen erheblichen Anteil an dem Berliner Unternehmen.

Uber baut Beteiligung aus

Delivery Hero zählt zu den größten Lieferplattformen international und betreibt Marken wie Talabat, Foodpanda und Glovo. In Deutschland ist das Unternehmen allerdings nicht mehr als Lieferdienst aktiv.

Zudem wurde spekuliert, dass weitere Bieter auf den Plan treten könnten. Ob es tatsächlich zu einem konkurrierenden Angebot kommt, ist derzeit offen. Beobachter verweisen darauf, dass die endgültige Struktur des Deals noch nicht feststeht.

Marktumfeld und Analystenstimmen

Der US-Fahrdienstvermittler und Lieferdienst Uber verfolgt mit der möglichen Übernahme eine deutliche Erweiterung seines Geschäftsmodells. Eine Transaktion in der diskutierten Größenordnung würde den Wettbewerb im globalen Liefermarkt neu ordnen.

Analysten sehen den möglichen Zusammenschluss unterschiedlich. Während Goldman Sachs Group Inc. Uber am 17.11.21 mit „Buy" bewertete, stuften auch JP Morgan Chase & Co. (16.12.20, „overweight"), RBC Capital Markets (08.02.23, „Outperform") und Jefferies & Company Inc. (28.05.26, „Buy") den US-Konzern positiv ein. Solche Bewertungen geben allerdings keine direkte Auskunft über den Ausgang der laufenden Gespräche.