Trump zieht wegen Wahlrechtsreformen vor den Supreme Court
Washington, 28. Juli 2026
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Kurzfassung
Kurz vor den US-Kongresswahlen am 3. November 2026 will Präsident Donald Trump umfassende Änderungen im Wahlrecht per Eilantrag vor dem Supreme Court durchsetzen. Ein Berufungsgericht in Massachusetts hatte zuvor die Blockade einer unteren Instanz gegen sein Dekret bestätigt; nun haben die Kläger bis zum 3. August Zeit, Argumente vorzulegen.
Die US-Regierung hat beim Supreme Court einen Eilantrag eingereicht, um die Blockade einer unteren Instanz gegen Trumps Dekret zur Verschärfung des Wahlrechts aufzuheben und neue Regeln für die Briefwahl vor den Kongresswahlen am 3. November 2026 durchzusetzen.
Trumps Dekret und die Rolle von USCIS und SSA
Das US-Justizministerium reichte am Montag einen entsprechenden Eilantrag ein, um die Entscheidung einer unteren Instanz auszusetzen. Mit dem im März unterzeichneten Dekret wollte Trump neue Wahlrechtsformalitäten etablieren. Die untere Instanz hatte die Trump-Regierung daran gehindert, Wählerdatenbanken zu erheben und neue Regeln für die Briefwahl anlässlich der Kongresswahlen am 3. November 2026 umzusetzen.
Konkret richtete sich das Dekret an die US-Einwanderungsbehörde USCIS und die Sozialversicherungsbehörde SSA. Sie sollten Listen zu jenen Personen erstellen, deren US-Staatsbürgerschaft bestätigt ist, die zum Zeitpunkt einer anstehenden Wahl mindestens 18 Jahre alt sind und in dem entsprechenden Bundesstaat wohnhaft gemeldet sind. Auch hier fordert Trump strengere Auflagen, etwa den Nachweis der Identität und Staatsbürgerschaft durch entsprechende Dokumente.
Auswirkungen auf die Briefwahl und den Postdienst USPS
Zusätzlich sollte der staatliche Postdienstleister USPS nur noch Briefunterlagen an registrierte Wähler versenden. Das Dekret verlangte zudem, dass Briefwahlunterlagen nur mit einem Barcode verschickt werden, um eine Nachverfolgung zu ermöglichen. Damit sollte der Postdienst keine Briefwahlunterlagen mehr an Personen versenden, die nicht auf den neuen Listen stehen.
Bei den ursprünglichen Klägern handelt es sich überwiegend um demokratisch regierte US-Staaten sowie den Hauptstadtbezirk District of Columbia. Insgesamt 23 mehrheitlich von Demokraten regierte Bundesstaaten sowie der District of Washington hatten die Klage eingebracht. Sie haben nun bis zum 3. August Zeit, um dem Supreme Court rechtliche Argumente gegen den Eilantrag vorzulegen.
Die Kläger: 23 demokratisch regierte Bundesstaaten
Zuvor hatte ein Berufungsgericht in Massachusetts bereits ein Urteil einer unteren Instanz bestätigt und damit Trump davon abgehalten, die gravierenden Änderungen im Wahlrecht durchzusetzen. Das Gremium war in seiner Entscheidung gespalten: Richter, die von den Präsidenten Joe Biden und George W. Bush ernannt worden waren, stimmten für die Blockade, ein von Trump ernannter Richter stimmte dagegen. Das Berufungsgericht begründete seine Entscheidung unter anderem damit, das Dekret stifte Verwirrung und führe zur „the disenfranchisement of many eligible voters“, also zum Ausschluss vieler wahlberechtigter Bürgerinnen und Bürger.
Die untere Instanz hatte geurteilt, dass Trump mit seinem Dekret seine Befugnisse überschreite: Laut Verfassung und Bundesrecht obliegt es den einzelnen US-Staaten, wie sie ihre Wahlen organisieren – die Regierung darf nicht einfach per Präsidialdekret ohne ausdrückliche gesetzliche Ermächtigung des Kongresses eingreifen. Auch die Kläger argumentieren, dass nach Verfassung und Bundesrecht die Bundesstaaten entscheiden, wie sie ihre Wahlen organisieren.
Begründung des Berufungsgerichts
Trump argumentiert, dass durch die Änderungen Wahlen fairer abgehalten werden können und Menschen ohne US-Staatsangehörigkeit ihre Stimme nicht abgeben dürfen. Bei der Unterzeichnung des Dekrets sagte er: „Die Betrugsfälle bei der Briefwahl sind legendär. Ich glaube, das wird bei den Wahlen sehr hilfreich sein.“ Trump macht die Briefwahl für seine Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden im Jahr 2020 verantwortlich und erhebt Vorwürfe der Manipulation, ohne Belege vorzulegen.
Kritiker behaupten stattdessen, dass dieser Umstand selten vorkomme und stattdessen Menschen, die etwa Geburtsurkunden oder Pässe nicht zur Hand haben, von der Wahl ausgeschlossen werden. Nach Angaben des US-Außenministeriums verfügt nur etwa jede zweite Person über einen Reisepass. Eine Personalausweispflicht wie in Österreich gibt es in den USA nicht.
Widerstand der Kritiker und fehlende Ausweisdokumente
Anders als in Österreich gibt es in den USA kein zentrales Meldewesen. Man wird daher nicht automatisch ins Wählerverzeichnis eingetragen. In den USA müssen sich Bürgerinnen und Bürger dagegen aktiv für eine Wahl registrieren. In Deutschland dürfen Personen laut Bundeswahlgesetz nur dann wählen, wenn sie im Wählerverzeichnis eingetragen sind oder einen Wahlschein haben. Das Wählerverzeichnis wird über das amtliche Melderegister der Gemeinden erstellt.
Nach Angaben der überparteilichen Organisation National Conference of State Legislatures (NCSL) müssen Wähler bisher in 36 der 50 US-Staaten einen Ausweis präsentieren – in den übrigen, mehrheitlich demokratisch regierten Bundesstaaten gibt es keine derartige Pflicht. Stattdessen genügt oftmals eine Unterschrift, etwa in Kalifornien oder New York.
Anfang November wird bei den „Midterms“ etwa ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt. Wegen der aktuell knappen Mehrheit der Republikaner in beiden Parlamentskammern könnte jedes einzelne Mandat darüber entscheiden, wer am Ende die Macht im Kongress hat – und ob die Demokraten zentrale politische Vorhaben von Trump verhindern können.
Politischer Kontext: Midterms und der Save America Act
Parallel zum juristischen Weg übt Trump Druck auf den Senat aus, den „Save America Act“ zu verabschieden. Das Gesetz sieht vor, dass Wähler bei der Registrierung ihre Staatsbürgerschaft nachweisen und sich am Wahltag mit einem Lichtbildausweis identifizieren müssen. Das Vorhaben ist derzeit im Gesetzgebungsverfahren blockiert. Kritiker befürchten, dass die Reform zusammen mit weiteren geplanten Einschränkungen Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern faktisch das Wahlrecht entziehen könnte.
Trump hat die Vorwürfe massiver Wahlunregelmäßigkeiten in einer im Juli ausgestrahlten Fernsehansprache an die Nation wiederholt. In seiner Rede behauptete er zudem, China habe US-Wahlen seit Jahren manipuliert, und rief zu Änderungen am Wahlsystem auf. Trumps Kampf gegen das Ergebnis der Wahl 2020 gipfelte in der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols am 6. Januar 2021.
Die Berufung an den Supreme Court bedeutet, dass das höchste Gericht nun entscheiden muss, ob die unteren Instanzen das Dekret zu Recht blockiert haben. Die Richterinnen und Richter können den Eilantrag annehmen und sich mit dem Fall befassen oder ihn ablehnen, woraufhin die Blockade in Kraft bliebe. APA, 28.7.2026
Mit seinem Vorgehen verbindet Trump mehrere Ziele: die Beschränkung der Briefwahl, strengere Identitätsnachweise und einen zentralen bundesstaatlichen Zugriff auf Wählerdaten. Wie weit der Supreme Court einer präsidialen Einflussnahme auf die Wahlverfahren der Bundesstaaten Raum gibt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
Fragen & Antworten
Warum hat Trump den Supreme Court angerufen?
Weil ein Berufungsgericht in Massachusetts die Blockade einer unteren Instanz gegen sein Wahlrechtsdekret bestätigt hatte, will die US-Regierung per Eilantrag erreichen, dass die Maßnahmen vor den Kongresswahlen am 3. November 2026 in Kraft treten können.
Welche Maßnahmen enthält das Dekret?
Das Dekret verpflichtet USCIS und SSA, Listen wahlberechtigter US-Bürger zu erstellen, fordert Identitäts- und Staatsbürgerschaftsnachweise und schreibt vor, dass der USPS Briefwahlunterlagen nur noch an registrierte Wähler mit Barcode verschickt.
Wer klagt gegen das Dekret?
23 mehrheitlich demokratisch regierte US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia haben die Klage eingebracht und müssen bis zum 3. August rechtliche Argumente gegen den Eilantrag vorlegen.
Trump vor Supreme Court: Wahlrecht und Midterms 2026 | nachrichten360