Trump sagt Iran-Angriffe ab – Waffenruhe brüchig | nachrichten360
Trump nimmt angekündigte schwere Angriffe auf den Iran zurück
Washington, 11. Juni 2026
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Kurzfassung
Donald Trump hat die für Donnerstagabend angekündigten schweren Angriffe auf den Iran kurzfristig abgesagt. Er begründete den Schritt mit Verhandlungen, die die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten.
Donald Trump hat die für den Abend des 11. Juni 2026 angekündigten schweren Angriffe auf den Iran überraschend abgesagt und dies mit Verhandlungen auf höchster iranischer Ebene begründet.
Trump schrieb auf seiner Online-Plattform Truth Social, dass Gespräche und endgültige Punkte im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt worden seien, darunter die Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und andere. Zeit und Ort der Unterzeichnung würden "in Kürze" – auf Deutsch "in Kürze bekanntgegeben" – mitgeteilt. Die Verhandlungen erreichten "der höchsten Ebene der iranischen Führung", schrieb Trump weiter.
Erst Stunden zuvor hatte Trump schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht angekündigt. Im Telefonat mit dem US-Sender Fox News sprach er von "größeren" und "schlagkräftigeren" Bombardierungen, die kommen würden. Wenige Stunden später nahm er diese Drohung zurück.
Hintergrund: Die Waffenruhe und ihr Ende
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, die im April vereinbart worden war und seither nominell gilt, ist durch die neuerlichen gegenseitigen Luftschläge erneut brüchig. Das iranische Außenministerium erklärte die Feuerpause angesichts der jüngsten US-Angriffe als "praktisch bedeutungslos" und verwies auf das iranische Recht auf Selbstverteidigung.
Parallel zu den diplomatischen Signalen liefen die Kämpfe weiter. In der Nacht zu Mittwoch und Donnerstag attackierten sich Iran und die USA. US-Streitkräfte hatten nach eigenen Angaben erneut militärische Überwachungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftabwehrstellungen im Iran angegriffen. Das US-Militär sprach von Angriffen auf militärische Überwachungs- und Kommunikationseinrichtungen sowie Anlagen der Flugabwehr in Iran.
Nach iranischen Angaben wurden bei Angriffen in der Provinz Teheran drei Menschen verletzt. Indiens Außenministerium in Neu-Delhi meldete drei tote indische Besatzungsmitglieder nach dem US-Beschuss eines Tankers im Golf von Oman, der iranisches Öl transportiert haben soll. 21 weitere Besatzungsmitglieder wurden demnach gerettet.
Militärische Eskalation in der Region
Das iranische Portal "Mehr" berichtete zugleich unter Berufung auf offizielle Stellen, in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) sei in der Straße von Hormus ein mit Grundnahrungsmitteln beladenes Boot von einem US-Geschoss getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden. Iranische Berichte sprachen zudem von einer Sperrung der Meerenge für jegliche Schiffe nach US-Angriffen; die USA wiesen dies zurück. Das US-Zentralkommando (Centcom) erklärte auf der Plattform X: "Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormus ein und heraus."
Irans Revolutionsgarden antworteten mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait. Iran meldete Raketenangriffe auf einen US-Stützpunkt in Jordanien sowie Angriffe auf US-Basen in Bahrain und Kuwait. Jordanien gab an, in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen zu haben. In Bahrain wurde nach Behördenangaben ein elfjähriges Mädchen verletzt; in der Hauptstadt Manama und im Ort Hammad gerieten durch herabfallende Trümmerteile nach der Abwehr iranischen Drohnenbeschusses mehrere Fahrzeuge in Brand, Wohnhäuser wurden beschädigt. Kuwait meldete nach einer Luftraumsperrung die Rückkehr des Flugverkehrs zum Normalbetrieb. Erneut wurde Feuer auf einem Tanker vor der Küste Omans gemeldet.
Drohung mit Übernahme der Ölinfrastruktur
Auf der Plattform Truth Social hatte Trump zudem gedroht, die USA würden die Islamische Republik in der kommenden Nacht "sehr hart" treffen. Der Republikaner ging noch weiter und drohte mit einer Übernahme weiterer Ölinfrastruktur und letztlich der "totalen Kontrolle über ihre Öl- und Gasmärkte" – auf ähnliche Weise, wie man das bereits in Venezuela getan habe, wo sich dies sowohl für die USA als auch Venezuela "brillant" bewährt habe. Konkret kündigte er an: "In nicht allzu ferner Zukunft 'werden wir auch die Insel Charg übernehmen'".
Die Insel Charg im Persischen Golf beherbergt Irans wichtigsten Ölhafen, über den etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Trump begründete die Militärschläge unter anderem mit den festgefahrenen Friedensverhandlungen. Die US-Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen werde bis zum endgültigen Abschluss einer Vereinbarung vollständig bestehen bleiben, schrieb er. Die USA hatten mit der Seeblockade auf die faktische Blockade der Meerenge durch den Iran reagiert. Im Osten Jordaniens hat das US-Militär an einem Stützpunkt unter anderem Kampfflugzeuge stationiert.
Im Iran verschärfte sich unterdessen der Ton. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise: "Es wurde kein Text für eine Vereinbarung gebilligt". Das iranische Außenministerium verurteilte die "großangelegten" US-Angriffe der vergangenen Nacht scharf. Iranische Verhandlungskreise zeigten sich noch kurz vor Trumps jüngsten Drohgebärden irritiert über die US-Strategie, die mit militärischen Drohungen und ständig wechselnden Verhandlungspositionen Gespräche erschwere.
Inhalt der Verhandlungen
Zentrale Streitpunkte sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen die Freigabe eingefrorener iranischer Öleinnahmen im Ausland, für die Iran sechs bis zwölf Milliarden US-Dollar fordert. Die Regierung in Washington wolle die Gelder jedoch schrittweise und ausschließlich für humanitäre Güter bereitstellen. Für die Führung in Teheran stehe ein Rahmenabkommen im Vordergrund, das Iran eine wirtschaftliche Atempause verschaffe und den Krieg beende, hieß es. Iran fordere zudem ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon, die Aufhebung von Sanktionen und die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus. Trump verlange im Gegenzug ein Ende der iranischen Blockade der Meerenge und Garantien, dass Iran "niemals eine Atomwaffe" entwickle.
Trotz neuer gegenseitiger Luftangriffe sollen die Verhandlungen über ein Friedensabkommen weiterlaufen – und sogar vorankommen. Aus Diplomatenkreisen hieß es, dass die Gespräche Fortschritte machten; beide Seiten tauschten Entwürfe für eine Absichtserklärung aus, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf iranische Insider und einen europäischen Diplomaten. Insidern zufolge wurden die Gespräche über ein vorläufiges Friedensabkommen sogar noch intensiviert. Trump erklärte im Oval Office, er gehe davon aus, dass der neue iranische Oberste Führer, Ajatollah Mojtaba Khamenei, die Vereinbarung persönlich gebilligt habe. Auf die Frage, ob das stimme, sagte Trump: "So wie ich es verstehe, ist die Antwort ja."
Reaktionen der Märkte und der internationalen Gemeinschaft
Im Oval Office sprach Trump von einer "großartige Vereinbarung" zur Beendigung des Iran-Kriegs. Er sagte, die Unterzeichnung könne "vielleicht in Europa" stattfinden, und die Unterlagen müssten noch finalisiert werden, was in den "kommenden Tagen" geschehen könne. Zugleich sagte er, er wolle keine Bodentruppen im Land – sprach dann aber auch davon, dass man theoretisch eine kleine Gruppe schicken könnte. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderten Druck auf Iran und diplomatische Lösungen.
An den Finanzmärkten sorgte Trumps Ankündigung für Bewegung. Die Aktienindizes an der New Yorker Wall Street bauten ihre Gewinne aus, der Eurokurs zog zum Dollar an, und die Notierung der weltweiten Referenzsorte erreichte den niedrigsten Stand seit Mitte April. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent fiel unter 90 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
Israel wies unterdessen eine französische Journalistin mit einem Einreiseverbot ab. Erst am Wochenende hatten sich Iran und Israel gegenseitig beschossen. Die Lage in der Region bleibt fragil: Ein zwischen den Kriegsparteien nominell seit zwei Monaten geltender Waffenstillstand ist nach den jüngsten Eskalationen weiter unter Druck.
Trump hatte bereits in der Vergangenheit mit Angriffen auf den Iran gedroht und sie dann wieder abgesagt. Mit seiner jüngsten Kehrtwende verbindet der US-Präsident die Hoffnung, dass der Konflikt diplomatisch beigelegt werden kann. Ob die angekündigte Vereinbarung tatsächlich unterzeichnet wird, hängt nun maßgeblich davon ab, ob beide Seiten ihre jeweiligen Forderungen als erfüllt ansehen.
Fragen & Antworten
Warum hat Trump die für Donnerstagabend angekündigten Angriffe auf den Iran abgesagt?
Trump begründete die Absage auf Truth Social mit Verhandlungen, die nach seiner Darstellung die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten. Er sprach im Oval Office von einer "großartige Vereinbarung" zur Beendigung des Iran-Kriegs.
Wer ist nach Trumps Angaben an den Verhandlungen beteiligt?
Trump listete die Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und weitere Staaten als beteiligte Parteien auf, die Gespräche und endgültige Punkte gebilligt hätten.
Was geschah zuvor militärisch zwischen den USA und dem Iran?
In der Nacht zu Mittwoch und Donnerstag griffen sich beide Seiten gegenseitig an. Das US-Militär bombardierte nach eigenen Angaben Überwachungs-, Kommunikations- und Luftabwehranlagen im Iran; iranische Revolutionsgarden antworteten mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait.