Trump droht mit Zöllen von bis zu 200 Prozent auf importierte Generika
Washington, 22. Juli 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag über Truth Social Strafzölle von zunächst 100 und später bis zu 200 Prozent auf importierte Generika angekündigt. Zunächst gilt ab August 2026 eine zweijährige Übergangsphase ohne Zoll, in der Generikaproduktion in die USA verlagert werden soll.
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstagabend über die Online-Plattform Truth Social Strafzölle von zunächst 100 Prozent und später bis zu 200 Prozent auf in die Vereinigten Staaten importierte Generika angekündigt, um die Produktion zurück in die USA zu verlagern.
Trumps Ankündigung im Wortlaut
Die Ankündigung erfolgte am Dienstagabend über Trumps Online-Plattform Truth Social. Bis zum Sommer 2028 sollen demnach keine Zölle auf importierte Generika erhoben werden. Ab dem 1. August 2026 gelte jedoch für alle in die Vereinigten Staaten eingeführten Generika weiterhin ein Zoll von Null Prozent für einen Zeitraum von zwei Jahren, danach wird der Zoll für einen Zeitraum von einem Jahr auf 100 Prozent und danach auf 200 Prozent angehoben, schrieb Trump.
Generika sind Nachfolgepräparate von Originalarzneimitteln und werden in der Regel zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten als die Markenprodukte. In den USA sind Arzneimittelpreise im internationalen Vergleich besonders hoch – ein Punkt, auf den Trump seine Politik ausdrücklich stützt.
Trump begründete den Schritt unter anderem mit dem Schutz der amerikanischen Bevölkerung. Diese Maßnahme dient dem Schutz der amerikanischen Bevölkerung, erklärte er im selben Beitrag. Das wird gemacht, um die Produktion von Generika nach Amerika zurückzubringen, bekräftigte er. Unternehmen sollten die Übergangsfrist nutzen, um Produktionsstätten in den USA aufzubauen. Wer sich dagegen entscheide, Produktionsstätten in den USA zu errichten, werde bestraft, drohte Trump, ohne Einzelheiten zu nennen.
Begründung: Schutz, Forschung und Wettbewerb
Zugleich warf der US-Präsident Pharmaunternehmen vor, den Wettbewerb zulasten US-amerikanischer Firmen durch günstigere Produktion im Ausland zu verzerren. Er verwies zudem auf die besonders hohen Forschungskosten der US-Pharmaindustrie als Argument für seine Zollpolitik. Ziel sei es, die vergleichsweise hohen Arzneimittelpreise in den USA zu drücken.
Bisher waren Generika von den im April dieses Jahres angekündigten US-Zöllen auf Arzneimittel ausgenommen, die bis zu 100 Prozent betragen können. Bereits im Frühjahr hatte Trump einen 100-Prozent-Zoll auf patentgeschützte Marken-Arzneimittel mit einem gestaffelten Start ab Ende Juli angekündigt. Diese bereits geltenden Maßnahmen im Bereich anderer Pharmazeutika bleiben unverändert in Kraft.
Von dem jüngsten Schritt dürften vor allem Hersteller betroffen sein, die Generika außerhalb der USA produzieren. Indien gilt als wichtigster Exporteur von Generika und wäre von Trumps jüngster Zolloffensive besonders betroffen. Auch europäische Produktionsstandorte, etwa in Österreich und Slowenien, spielen in der Generikaherstellung eine wesentliche Rolle.
Bisherige Zölle und Ausnahmen
Trump bekräftigte in seinem Post auch, dass bis Sommer 2028 weiterhin keine Zölle für Generika erhoben würden. Zugleich deutete er an, dass Hersteller patentgeschützter Originalpräparate von den neuen Zöllen nicht betroffen sein sollen. Bereits mit den Vereinbarungen zu Markenmedikamenten hatte Washington Ausnahmen etwa für Unternehmen vorgesehen, die auch in den USA produzieren, sowie in bestimmten Fällen im Rahmen von Handelsabkommen.
Wie genau Trump die neuen Zölle umsetzen will, ließ er allerdings offen. Er nannte keine rechtliche Grundlage für die angedrohten Maßnahmen. Auch blieb zunächst unklar, in welcher Form sein Handelsminister Howard Lutnick, den er mit einer einjährigen Frist zur Überprüfung und gegebenenfalls Empfehlung neuer Maßnahmen betraute, die Politik konkret ausgestalten soll.
In den USA hat die Regierung mit den meisten großen Pharmakonzernen Vereinbarungen getroffen, die im Gegenzug für Preissenkungen – insbesondere für das staatliche Medicaid-Programm – von Zöllen befreien. Unter diesen Abkommen müssen die Unternehmen einen Teil ihrer Produkte auch direkt über die Plattform TrumpRx anbieten. Von diesen Vereinbarungen sind unter anderem Roche und Novartis erfasst.
Auswirkungen auf Hersteller und Patienten
Roche und Novartis sind von der jüngsten Zolldrohung indes nicht betroffen, weil sie auf Originalpräparate fokussiert sind. Das gilt auch für eine im April 2026 per Dekret des Weißen Hauses festgelegte reduzierte Zollrate von 15 Prozent auf Schweizer Pharmazeutikaexporte. Die Schweiz äußerte sich indes besorgt: Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bezeichnete zusätzliche US-Zölle auf Pharmaprodukte auf Anfrage von Keystone-SDA als eine zusätzliche Belastung für die exportierende Schweizer Pharmaindustrie.
Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Pharmafirmen. Der in Basel ansässige Generikahersteller Sandoz, der 2023 aus Novartis herausgelöst wurde, erzeugte im vergangenen Jahr 70 Prozent seines Umsatzes mit klassischen Generika und 30 Prozent mit Biosimilars. Biosimilars gelten als wichtiger Wachstumstreiber für das Unternehmen.
Sandoz-Chef Richard Saynor hat wiederholt gewarnt, dass Zölle auf Generika die Arzneimittelpreise in den USA anheben und den Zugang der Patienten verschlechtern würden. In einem Interview mit der NZZ erklärte Saynor zudem, dass ein Neuaufbau von Kapazitäten in den USA unter den aktuellen Bedingungen wirtschaftlich nicht tragfähig sei. Sandoz produziert vor allem aus Kostengründen in Österreich und Slowenien, hat die eigene Produktionskapazität in den USA reduziert und Teile der Produktion in Kanada im Rahmen eines langfristigen Liefervertrags an einen Partner ausgelagert.
Schweizer Pharmaindustrie und Sandoz
Andere Schweizer Auftragshersteller wie Siegfried, Bachem und Lonza verfügen dagegen bereits über bedeutende Produktionskapazitäten in den USA. Lonza betreibt im kalifornischen Werk eine der weltweit größten Biotech-Fabriken. Diese Standorte könnten bei einer Verlagerung der Generikaproduktion in die USA an Bedeutung gewinnen – vorausgesetzt, die Politik wird tatsächlich wie angekündigt umgesetzt.
Für die USA selbst birgt die Maßnahme Risiken: Da Indien einen erheblichen Anteil seiner Exporte in die USA mit Arzneimitteln bestreitet, könnte ein Zollstreit die Lieferketten empfindlich stören. Die US-Regierung hatte zuvor erklärt, bestimmte Produkte seien von früheren Arzneimittelzöllen ausgenommen, weil sie in den Vereinigten Staaten nicht in ausreichendem Maße verfügbar seien oder besonders sensible Lieferketten beträfen – ein Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe, sollten die neuen Zölle in Kraft treten.
Die US-Regierung erhofft sich von den Zöllen, dass Pharmakonzerne ihre Produktion in den Vereinigten Staaten ausweiten. Trump hatte zudem in der Vorwoche neue Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Produkte aus Brasilien angekündigt, die am Mittwoch in Kraft traten – ein weiterer Baustein seiner handelspolitischen Drohkulisse gegenüber diversen Handelspartnern.
Risiken für Lieferketten und Preise
Sollten die Generika-Zölle wie angekündigt 2028 in Kraft treten, könnten sie die Preise für preiswerte Nachahmerpräparate in den USA deutlich erhöhen. Beobachter werten die Ankündigung als Teil einer breit angelegten Strategie der Trump-Regierung, Handelsdefizite abzubauen und Industrien mit Standortdruck zur Rückkehr in die USA zu bewegen – mit offenem Ausgang für Patienten, Hersteller und globale Lieferketten.
Fragen & Antworten
Wann sollen die neuen US-Zölle auf Generika in Kraft treten?
Nach Trumps Ankündigung beginnt am 1. August 2026 eine zweijährige Übergangsphase ohne Zoll. Ab Sommer 2028 sollen für ein Jahr 100 Prozent und anschließend 200 Prozent Zoll auf importierte Generika erhoben werden.
Warum will Trump Generikaproduktion in die USA zurückholen?
Trump begründet den Schritt mit dem Schutz der US-Bevölkerung, dem Vorwurf verzerrten Wettbewerbs durch günstigere Produktion im Ausland, den hohen Forschungskosten der US-Pharmaindustrie und dem Ziel, die vergleichsweise hohen Arzneimittelpreise in den USA zu senken.
Welche Unternehmen sind von der neuen Zolldrohung besonders betroffen?
Indien als wichtigster Generika-Exporteur wäre besonders betroffen, ebenso Produktionsstandorte in Europa wie Österreich und Slowenien. Roche und Novartis sind ausgenommen, da sie auf Originalpräparate fokussiert sind.
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