Trauerzug für Khamenei erreicht irakische heilige Stadt Nadschaf
Nadschaf, 8. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Leichnam des getöteten iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ali Khamenei ist am Mittwoch im irakischen Nadschaf eingetroffen, wo Tausende Trauernde seinem Sarg huldigten. Anschließend soll der Trauerzug in die weitere schiitische Pilgerstadt Karbala weiterziehen, bevor die Beisetzung am Donnerstag in Maschhad im Nordosten Irans stattfindet.
Der Leichnam des am ersten Tag der US-israelischen Angriffe auf Iran Ende Februar getöteten Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei ist am Mittwoch in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf eingetroffen, wo Tausende Menschen dem Sarg bei dessen Transport durch die Straßen huldigten.
Ein sechstägiger Trauerzug erreicht den Irak
Die Prozession in Nadschaf bildete einen Abschnitt des insgesamt sechs Tage dauernden Trauerzugs, der zuvor in Iran selbst Massen angezogen hatte. Begleitet wurde der Sarg unter anderem von Kommandeuren der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sowie von Irans Präsident Massoud Pezeshkian, der eigens nach Irak gereist war, um an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Auf dem Flughafen Nadschaf wurde der Sarg am Vorabend vom irakischen Premierminister Ali al-Saidi empfangen, der dabei von hochrangigen Regierungsvertretern und religiösen Würdenträgern begleitet wurde.
Am Mittwoch strömten Tausende Menschen in die Straßen, als der auf einem Lastwagen transportierte Sarg durch Nadschaf geführt wurde. Bilder zeigten eine enorme Menschenmenge entlang der Route, schiitische Pilgerbanner, iranische und irakische Flaggen sowie Banner der von Teheran unterstützten irakischen Milizen. Die Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis überwiegend schiitischer und iran-treuer Milizen im Irak, sprach von einer Beteiligung von mehr als zwei Millionen Menschen. Diese Zahl wurde von anderen Quellen nicht bestätigt, obgleich die veröffentlichten Bilder einen außergewöhnlich großen Zustrom belegten.
Sprechchöre und politische Botschaften
Während des Transports durch Nadschaf riefen zahlreiche Trauernde Sprechchöre gegen die Vereinigten Staaten und Israel. Eine Verbatim-Angabe aus den Fakten lautet dazu: „Tod Amerikas“. Beobachter werteten die Massenkundgebungen auch als Signal für die anhaltend engen Beziehungen zwischen Bagdad und Teheran, trotz des Strebens der USA nach Einfluss im Irak, wie einige offizielle Stellen hervorhoben.
Die Trauerfeierlichkeiten konzentrieren sich bewusst auf jene irakischen Städte, die für Schiiten weltweit von herausragender religiöser Bedeutung sind. Nadschaf beherbergt das Grab von Ali ibn Abi Talib, auch bekannt als Imam Ali, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Schiitische Muslime erkennen in Imam Ali den einzig göttlich legitimierten Nachfolger des Propheten, während sunnitische Muslime die ersten vier nach dem Tod des Propheten bestimmten Kalifen als die rechtgeleiteten Nachfolger anerkennen.
Nadschaf und Kerbela: Zentren des schiitischen Glaubens
Im Anschluss an die Rituale in Nadschaf soll der Trauerzug in die heilige Stadt Kerbela weiterziehen. Kerbela ist für Schiiten von besonderer Wichtigkeit, weil dort Imam Hussein, der Sohn Imam Alis und Enkel des Propheten Mohammed, getötet wurde. Die Trauerzüge in diesen Pilgerstätten unterstreichen die symbolische Verknüpfung der Trauer um Khamenei mit den zentralen Gedenkorten der schiitischen Glaubensgeschichte.
Nach dem Abschluss der Prozessionen im Irak soll Khameneis Leichnam wieder nach Iran überführt werden. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Maschhad vorgesehen, einem religiösen Zentrum im Nordosten Irans. Der gesamte Trauerzug war zuvor sechs Tage lang durch iranische Städte gezogen und hatte dort bereits riesige Menschenmengen angezogen.
Khamenei war am 28. [Februar] während des ersten Tages der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran getötet worden. Er hatte das klerikale System im Iran seit 1989 geführt. Mit 86 Jahren gehörte er zu den dienstältesten Staatschefs der Region, als er im Zuge der eskalierenden militärischen Auseinandersetzung ums Leben kam.
Hintergrund: Tod Khameneis bei US-israelischen Angriffen
Die Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis überwiegend schiitischer und iran-treuer Milizen im Irak, hatten zur Teilnahme an der Prozession mobilisiert. Bilder vom Vorabend der Trauerzeremonien in Kerbela zeigten einen Mann, der am 7. Juli 2026 vor dem Schrein Imam Husseins neben dem ausgelegten roten Teppich saß und auf den Beginn der Trauerfeierlichkeiten wartete.
Für die Sicherheit während der Prozessionen in Nadschaf waren umfangreiche Vorkehrungen getroffen worden. Die Prozessionen sollten um 06.00 Uhr Ortszeit (05.00 Uhr MESZ) in der heiligen Stadt Nadschaf beginnen, wie staatliche irakische Stellen mitteilten. Regierungsvertreter und religiöse Würdenträger begleiteten den Sarg vom Flughafen bis zum Beginn der öffentlichen Trauerzüge.
Aus dem Iran war Präsident Massoud Pezeshkian angereist, um an der Prozession teilzunehmen. Seine Anwesenheit unterstrich den offiziellen Charakter der Trauerfeierlichkeiten und die Verbundenheit der iranischen Führung mit den schiitischen Heiligtümern im Irak. Auch die Anreise von Kommandeuren der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) werteten Beobachter als Zeichen der engen sicherheitspolitischen Verflechtung beider Länder.
Hohe politische und militärische Begleitung
Die religiöse Symbolik der gewählten Stationen wurde von theologischer Seite besonders hervorgehoben. Nadschaf als Grabstätte Imam Alis und Kerbela als Ort des Märtyrertodes Imam Husseins bilden gemeinsam das geistliche Zentrum der schiitischen Glaubenswelt. Mit der Wahl dieser Stationen verbanden die Organisatoren die Trauer um Khamenei mit der Erinnerung an die historischen Wendepunkte des schiitischen Islam.
Staatliche irakische Medien hatten zuvor berichtet, dass Khameneis Leichnam am späten Abend des 7. Juli auf dem internationalen Flughafen Nadschaf eingetroffen sei, noch vor Beginn der für Mittwoch angesetzten Trauerprozessionen in den heiligen Städten des Landes. Die Bilder vom Flughafen zeigten den Sarg in Begleitung hochrangiger irakischer und iranischer Vertreter.
Angesichts der engen sicherheitspolitischen und ideologischen Beziehungen zwischen Iran und Teilen der irakischen politischen Klasse erhielt die Trauerfeier auch eine außenpolitische Dimension. Beobachter werteten die Massenbeteiligung als Botschaft an Washington, dass der politische und gesellschaftliche Einfluss Teherans im Irak trotz des militärischen Konflikts mit den USA und Israel fortbestehe.
Beisetzung in Maschhad am Donnerstag geplant
Nach derzeitigem Stand ist die letzte Station des internationalen Trauerzugs Maschhad, wohin der Sarg nach Abschluss der irakischen Prozessionen überführt werden soll. Mit der Beisetzung am Donnerstag in der nordostiranischen Pilgerstadt wird die sechstägige Trauerperiode ihren Abschluss finden, die sowohl im Iran als auch im Irak Millionen Menschen bewegt hat.
Die Berichterstattung über die Teilnehmerzahlen bleibt uneinheitlich. Während die PMF-Angabe von mehr als zwei Millionen Menschen keine unabhängige Bestätigung fand, dokumentierten Foto- und Videoaufnahmen eine dichte, sich über mehrere Straßenzüge erstreckende Menschenmenge, die den Sarg begleitete. Diese Diskrepanz zwischen selbstberichteten Zahlen und unabhängig belegbaren Aufnahmen ist bei Großveranstaltungen in der Region nicht ungewöhnlich.
Fragen & Antworten
Wer hat den Sarg Khameneis in Nadschaf empfangen?
Den Sarg empfing am Flughafen Nadschaf der irakische Premierminister Ali al-Saidi, begleitet von hochrangigen Regierungsvertretern und religiösen Würdenträgern.
Warum wurde die Trauerprozession ausgerechnet nach Nadschaf und Kerbala geführt?
Nadschaf beherbergt das Grab Imam Alis, Kerbela den Ort des Märtyrertodes Imam Husseins – beide Städte zählen zu den wichtigsten Pilgerstätten schiitischer Muslime weltweit.
Wann und wo soll Khamenei beigesetzt werden?
Die Beisetzung ist für Donnerstag in der nordostiranischen Pilgerstadt Maschhad vorgesehen, wohin der Sarg nach Abschluss der Prozessionen im Irak überführt werden soll.
Khamenei-Trauerzug in Nadschaf: Millionen Trauernde im Irak | nachrichten360