Tirol-Umfrage: ÖVP und FPÖ gleichauf, schwarz-blaue Koalition denkbar
Innsbruck, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Eine Umfrage des Foresight-Instituts für ORF Tirol sieht ÖVP und FPÖ in Tirol bei je 29 Prozent. Landeshauptmann Anton Mattle führt die Landeshauptmann-Frage mit 29 Prozent an, vor FPÖ-Chef Markus Abwerzger mit 15 Prozent. Die nächste Landtagswahl ist für Herbst 2027 geplant.
In Tirol liegen ÖVP und FPÖ in einer aktuellen Umfrage des Foresight-Instituts für ORF Tirol mit jeweils 29 Prozent gleichauf, was einen möglichen Machtwechsel bei der Landtagswahl 2027 in den Bereich des Möglichen rückt.
Landeshauptmann Anton Mattle, der die ÖVP seit den Wahlen im Herbst 2022 in einer Koalition mit der SPÖ führt, würde der Erhebung zufolge auch bei der Landeshauptmann-Frage mit 29 Prozent gleichziehen wie seine Partei. Damit liegt er deutlich vor dem FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger, der auf 15 Prozent kommt, und weit vor dem SPÖ-Vizelandeshauptmann Philip Wohlgemuth (4 Prozent) sowie dem Grünen-Landeschef Gebi Mair (4 Prozent). Die Liste-Fritz-Spitzenkandidatin Andrea Haselwantner-Schneider erhielt 7 Prozent.
Mattle hatte bereits im Vorjahr erklärt, erneut als Spitzenkandidat antreten zu wollen: „Bereits im Vorjahr legte sich Mattle fest, dass er erneut als Spitzenkandidat antreten wolle.“ Die ÖVP selbst hatte Spekulationen über eine Vorverlegung der Wahl zuletzt eine Absage erteilt. „In Tirol wird plangemäß im Herbst 2027 gewählt“, hieß es dazu.
Bestätigung des Wahltermins
Der neu gewählte ÖVP-Landtagspräsident Jakob Wolf bestätigte der „Tiroler Tageszeitung“ (Montagausgabe) den Wahltermin: „Landeshauptmann Mattle und ich sind uns einig, dass die Wahl im Herbst 2027 stattfinden wird.“ Auch Mattle selbst hatte in einem APA-Interview Ende 2025 betont, die Landtagswahl werde definitiv im Herbst 2027 stattfinden.
Hinter den beiden Spitzenreitern folgt die SPÖ mit 12 Prozent, die damit deutlich unter ihrem Ergebnis von 17,48 Prozent aus dem Jahr 2022 liegt. Die Grünen würden mit 11 Prozent leicht zulegen – nach 9,20 Prozent bei der vergangenen Wahl. Die Liste Fritz kommt unverändert auf 9 Prozent (2022: 9,90 Prozent). Die KPÖ, die derzeit nicht im Landtag vertreten ist, würde mit 3 Prozent den Einzug verfehlen.
Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger verwies darauf, dass die Werte noch nicht in Stein gemeißelt seien: „Es könne sich noch viel verändern, meinte Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger, schließlich würden sich rund ein Drittel der Wähler erst im kommenden Jahr entscheiden.“ Rund ein Drittel der Befragten gab demnach an, derzeit noch keine Parteienpräferenz zu haben.
Koalitionspräferenzen und Einordnung
Bei den Koalitionspräferenzen liegt eine schwarz-blaue Verbindung aus ÖVP und FPÖ mit 14 Prozent vorne. Die derzeitige Konstellation aus ÖVP und SPÖ folgt mit 11 Prozent. Hofinger sieht darin eine Bestätigung für die Vielfalt denkbarer Bündnisse: „Die Umfrage zeige aber auch, dass es sehr viele Koalitionsvarianten gebe, die sich die Tiroler Bevölkerung vorstellen könne, so Hofinger.“ Er ergänzte mit Blick auf den Bundestrend: „Derzeit schlage sich aber offenbar der für die FPÖ günstige Bundestrend auch in Tirol durch.“
Die ÖVP stellt in Tirol seit 1945 ohne Unterbrechung den Landeshauptmann. „Zählt man Karl Gruber, den für wenige Monate in einer provisorischen Landesregierung gleich nach Kriegsende amtierenden Landeshauptmann mit, stellten die Schwarzen alle zehn Landeshauptleute seither“, heißt es in der Erhebung. Damit verbunden ist auch der Umstand, dass alle Tiroler Landeschefs seit 1945 Männer waren: „Ausschließlich Männer übrigens.“
Historischer Kontext: ÖVP-Herrschaft seit 1945
Die Ausgangslage erinnert an die Landtagswahl 2022, als die ÖVP gegenüber 2018 ein Minus von 9,6 Prozentpunkten einfuhr und nur noch auf 34,7 Prozent der Wählerstimmen kam. Seither regiert Mattle mit der SPÖ. In den meisten anderen Bundesländern – Nieder- und Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg – regieren bereits schwarz-blaue Koalitionen, in der Steiermark gibt es seit 2024 eine blau-schwarze Regierung. „Nur in Kärnten dominieren die Parteien ebenfalls, da aber unter einem SPÖ-Landeshauptmann (Daniel Fellner) mit einem ÖVP-Vize (Martin Gruber).“
Die ÖVP hatte ihre absolute Mehrheit im Tiroler Landtag bereits 2003 verloren. Die letzte Tiroler Landtagswahl fand am 25. September 2022 statt. Die aktuelle Foresight-Erhebung wurde zwischen dem 11. Juni und dem 6. Juli telefonisch und online durchgeführt, wobei rund 800 Wahlberechtigte befragt wurden. Nicht abgefragt wurde eine mögliche eigene Liste des früheren SPÖ-Landeschefs und ehemaligen Vize-Landeschefs Georg Dornauer, der inzwischen als unabhängiger Abgeordneter im Landtag sitzt. Sein Stellvertreter ist nach Georg Dornauers Abgang nun Philip Wohlgemuth.
Ausblick auf 2027
Mattle selbst sieht im Land offenbar keinen Anlass für einen Kurswechsel, und auch intern scheint der Termin fix. Die Frage, ob es 2027 tatsächlich zu einem Machtwechsel kommt, hängt laut Hofinger nicht zuletzt an jenen Tirolerinnen und Tirolern, die derzeit noch unentschlossen sind. „Geht es nach einer aktuellen Umfrage, könnte es 2027 auch in Tirol bald zu einem Machtwechsel kommen“, heißt es in der Erhebung – vorausgesetzt, die FPÖ kann ihren Bundestrend halten und die ÖVP verliert weiter.
Insgesamt zeichnet die Umfrage das Bild eines politischen Wettbewerbs, in dem die seit Jahrzehnten dominierende Volkspartei erstmals seit langem mit einer Rechtspartei gleichzieht. Sollte sich das Ergebnis bei der Wahl 2027 bestätigen, wäre Tirol reif für eine schwarz-blaue Koalition nach dem Muster mehrerer anderer Bundesländer.
Fragen & Antworten
Wer führt in Tirol die Landeshauptmann-Frage an?
In der Foresight-Umfrage für ORF Tirol liegt Landeshauptmann Anton Mattle mit 29 Prozent vorne, vor FPÖ-Chef Markus Abwerzger mit 15 Prozent.
Wann finden die nächsten Landtagswahlen in Tirol statt?
Die Tiroler Landtagswahl ist für Herbst 2027 geplant; sowohl ÖVP-Landtagspräsident Jakob Wolf als auch Landeshauptmann Mattle haben den Termin bestätigt.
Welche Koalition wünschen sich die Tirolerinnen und Tiroler am häufigsten?
Mit 14 Prozent Zustimmung ist eine Koalition aus ÖVP und FPÖ die meistgenannte Variante, gefolgt vom aktuellen Bündnis aus ÖVP und SPÖ mit 11 Prozent.
Tirol Umfrage 2026: ÖVP und FPÖ bei 29 Prozent gleichauf | nachrichten360