Telemedizinisches kognitives Training bessert Long-Covid-Symptome über sechs Monate
London, 08 Juli 2026
Sandra Lopez-Leon, Talia Wegman-Ostrosky, Instituto Nacional de Cancerología: Instituto Nacional de Cancerologia.
Carol Perelman, National Autonomous University of Mexico: Universidad Nacional Autonoma de Mexico.
Rosalinda Sepulveda, Harvard University T H Chan School of Public Health.
Paulina Rebolledo, Emory University School of Medicine.
Angelica Cuapio, Karolinska Institute: Karolinska Institutet.
Sonia Villapol, Houston Methodist Research Institute / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Eine randomisierte Studie von Forschenden um Martina Vanova vom University College London zeigt, dass telemedizinisches kognitives Training Long-Covid-Betroffene deutlich stärker hilft als die Standardbehandlung. Der Effekt war auch nach sechs Monaten noch statistisch signifikant.
London, 08 Juli 2026
Eine randomisierte Studie mit 78 Long-Covid-Betroffenen unter Leitung von Martina Vanova am University College London hat ergeben, dass ein telemedizinisches kognitives Rehabilitationsprogramm die selbst berichtete Zielerreichung der Patientinnen und Patienten signifikant verbessert – und dieser Vorsprung gegenüber der Standardbehandlung auch nach sechs Monaten noch messbar ist.
Studiendesign und Methodik
Die Studie wurde im amerikanischen Fachjournal JAMA online veröffentlicht und von der Deutschen Ärztezeitung aufgegriffen. Martina Vanova und ihre Co-Autorinnen und Co-Autoren untersuchten im Vergleich zu einer Gruppe von Betroffenen mit Standard-Nachsorge, ob ein Programm mit telemedizinischem Training auf individuell festgelegte Ziele hin eine wirksame Intervention darstellt. Dem Deutschen Ärzteblatt zufolge ordneten die Forschenden die Teilnehmenden per Zufall zwei Gruppen zu, nachdem diese zuvor persönliche Ziele für ihre kognitive Rehabilitation festgelegt hatten.
In die Studie wurden 78 Long-Covid-Erkrankte aufgenommen. Zu Beginn hatten die Probanden auf einer zehnteiligen Skala im Durchschnitt nur 2,9 Punkte in Sachen Zielerreichung; der mittlere Wert für die Zufriedenheit mit der eigenen Situation lag auf dieser Skala bei einem Wert von nur 2,2. Eine erste Gruppe erhielt zehn wöchentliche telemedizinische Sitzungen von jeweils einer Stunde, in denen die individuellen Ziele bearbeitet wurden. Die andere wurde standardmäßig für Long Covid behandelt (TAU, treatment as usual). Die Maßnahmen variierten zwischen den Teilnehmern: Sie reichten von einer medikamentösen Symptomkontrolle, zum Beispiel bei Kopfschmerzen und Angstzuständen, bis hin zu nicht medikamentösen Maßnahmen wie Physiotherapie und Fatigue-Management.
Ergebnisse nach drei Monaten
Primärer Endpunkt war die von den Teilnehmenden berichtete Erreichung von drei definierten Zielen. Die Situation der Studienteilnehmer wurde nach drei und sechs Monaten erhoben. Im Mittel betrug der Wert für die Zielerreichung in der Telemedizin-Gruppe nach drei Monaten 7,84 auf der zehnteiligen Skala, in der Vergleichsgruppe mit Standardbehandlung hingegen nur 4,97.
Rechnerisch bedeutete das: Im Mittel war damit der Wert in der Behandlungsgruppe um den Faktor 2,88 besser, was einem großen Effekt entsprach. Eine Veröffentlichung verweist zudem darauf, dass die telemedizinische Rehabilitation Patientinnen und Patienten im Vergleich zur üblichen Versorgung (TAU) im Hinblick auf die Zielerreichung deutlich besser half.
Wirkung über sechs Monate
Langfristig hielt der Behandlungsvorsprung an: Nach sechs Monaten wurde ebenfalls noch ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen um 1,72 Punkte registriert. Damit war die Überlegenheit der telemedizinischen Intervention gegenüber der Standardnachbehandlung auch ein halbes Jahr nach Studienbeginn noch klar nachweisbar.
Long Covid ist definiert als infektionsassoziierte chronische Erkrankung, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftritt und mindestens drei Monate anhält. Sie kann kontinuierlich verlaufen, schubweise mit Phasen von Rückfällen und Remissionen auftreten oder fortschreiten. Die Erkrankung betrifft dabei ein oder mehrere Organsysteme. Mehr als 27 Prozent der Covid-19-Überlebenden haben anhaltende kognitive Einschränkungen.
Hintergrund zu Long Covid
Kennzeichen sind Defizite in exekutiven Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis sowie in visuell-räumlichen und sprachlichen Fähigkeiten. Etwa ein Viertel der Long-Covid-Patienten leidet auch an kognitiven Problemen mit Konzentrationsstörungen, „Brain Fog" und anderen Gehirnleistungsdefiziten.
Die Forschergruppe ordnete die Wirkung des Programms als „großen Effekt" ein. Auch die Lebensqualität der behandelten Personen hatte sich dem Bericht zufolge spürbar verbessert. Mit der Corona-Pandemie sind post-akute Infektionssyndrome (PAIS) verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt – und damit auch ME/CFS. Die Zahl der Betroffenen stieg (und steigt) auch durch die Covid-19-Erkrankungen stark an.
Die Autorinnen und Autoren werten ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, dass zielorientierte telemedizinische kognitive Rehabilitation eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Versorgung darstellen kann. Sie betonen, dass die selbst gesetzten Ziele, etwa das Lesen eines Buches, das Einkaufen oder die Rückkehr an den Arbeitsplatz, den Alltag der Betroffenen konkret verbessern sollen.
Langfristig, so die Hoffnung der Forschenden, könnte der Ansatz helfen, die Versorgung der vielen Millionen Menschen mit anhaltenden Beschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung besser abzusichern. Weitere Studien müssten jedoch prüfen, ob sich der Effekt in größeren und über längere Zeit beobachteten Patientengruppen bestätigt.
Fragen & Antworten
Welchen Vorteil zeigte das telemedizinische Training gegenüber der Standardbehandlung?
Nach drei Monaten erreichte die Telemedizin-Gruppe im Mittel 7,84 Punkte auf der Zehn-Punkte-Skala zur Zielerreichung, die Kontrollgruppe nur 4,97 – das entspricht laut Studie einem großen Effekt (Faktor 2,88).
Wie lange hielt der Effekt des Trainings an?
Nach sechs Monaten registrierten die Forschenden weiterhin einen statistisch signifikanten Unterschied von 1,72 Punkten zwischen Telemedizin-Gruppe und Kontrollgruppe.
Telemedizin Long Covid: Studie zeigt Besserung nach Training | nachrichten360