Taifun "Bavi" erreicht China: Millionen Menschen evakuiert, Blogger mit KI-Prognosen geraten ins Visier
Peking, 11. Juli 2026
China in Zahlen und Graphiken / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Taifun "Bavi" nähert sich der ostchinesischen Küste und hat in China und Taiwan Evakuierungen von Millionen Menschen ausgelöst. Chinesische Staatsmedien warnen zugleich Blogger, die mit KI-Wettermodellen eigene Taifun-Prognosen verbreiten – das verstoße gegen das Meteorologiegesetz.
Taifun "Bavi" hat am Samstag den Norden und Osten Taiwans mit heftigem Regen und starken Winden erfasst und steuert nach Einschätzung des chinesischen Wetterdienstes auf die ostchinesische Provinz Zhejiang zu, wo er am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) auf Land treffen soll.
Nach Angaben des chinesischen Wetterdienstes wird erwartet, dass der Taifun am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) in der östlichen Provinz Zhejiang auf Land trifft. In Taiwan trafen die Ausläufer des Sturms bereits am Samstag den Norden und Osten der Insel, wie der Sender Deutschlandfunk unter Berufung auf die dpa berichtete. "Zudem wurden heute mehr als 1.100 Inlands- und Auslandsflüge in Taiwan gestrichen und der Fährverkehr eingestellt."
Vom Supertaifun zum Taifun: Verlauf und Abschwächung
Zeitweilig war "Bavi" als sogenannter Supertaifun eingestuft worden, zuletzt hatte er sich jedoch etwas abgeschwächt. Am Montag hatte "Bavi" noch als Supertaifun die US-Außengebiete Guam und die Nördlichen Marianen im Pazifik getroffen. Nach Angaben der taiwanischen Wetterbehörde CWA hat der Sturm weiter "an Intensität verloren". Seither habe sich der Radius mit starken Winden auf 350 Kilometer verringert, sagte Jason Cheng von der CWA der Nachrichtenagentur AFP.
In Taiwan wurden vorsorglich mehr als 14.000 Bewohner aus erdrutschgefährdeten Bergregionen in Sicherheit gebracht. Rund 68.920 Haushalte waren allerdings am Freitag vorübergehend ohne Strom, nachdem heftiger Regen und starke Winde das Stromnetz beschädigt hatten. Die taiwanische Wetterbehörde CWA warnte für den Samstag vor "extremem Starkregen" über Nordtaiwan und "gefährlichen Wellen" von bis zu zehn Metern Höhe an der Küste. Einzelne Böen erreichten demnach Geschwindigkeiten von rund 180 Kilometern pro Stunde, zuletzt wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 144 Kilometern pro Stunde gemessen.
Vorbereitungen in Taiwan: Stromausfälle und Evakuierungen
Obwohl die Ausläufer des Sturms am Samstag bereits den Norden und Osten Taiwans erfassten, haben die Behörden bislang keine größeren Schäden gemeldet. Zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen, der Fährverkehr ist eingestellt, und mehr als 28.000 Soldaten hielten sich für Notfälle bereit. Die Küstenregion einschließlich der Hauptstadt Taipeh dürfte nach Einschätzung der Behörden zu den am stärksten von dem Wirbelsturm betroffenen Gebieten in Taiwan zählen.
In China haben sich die Behörden auf ein deutlich größeres Schadensbild eingestellt. Wie chinesische Staatsmedien berichteten, haben allein in der östlichen Provinz Zhejiang über 500.000 Anwohner und Anwohnerinnen ihre Häuser vorübergehend verlassen. In der ostchinesischen Metropole Wenzhou hätten laut Staatsmedien 1,7 Millionen Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Auch in der Provinz Fujian wurden Evakuierungen angeordnet. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf chinesische Staatsmedien, allein in Zhejiang seien mehr als 1,7 Millionen Menschen von Evakuierungsmaßnahmen betroffen.
Millionen Menschen in China in Sicherheit gebracht
In China und Taiwan sind in Vorbereitung auf den Taifun "Bavi" Hunderttausende Menschen aus ihren Häusern evakuiert worden. Insgesamt hat China nach offiziellen Angaben mehr als 900.000 beziehungsweise fast zwei Millionen Menschen in Sicherheit gebracht. Für die Provinzen Zhejiang und Fujian werden "außergewöhnlich heftige Regenfälle" erwartet, wie der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete. Betroffen sind nach Angaben von Staatsmedien unter anderem die Hauptstadt Peking sowie die Provinzen Zhejiang und Fujian.
In der Hauptstadt Peking seien wegen starker Regenfälle zudem mehr als 100.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, teilte die dortige Stadtverwaltung mit. Diese Evakuierungen in Peking gingen allerdings nicht auf den Taifun, sondern auf heftige Niederschläge zurück. In den vergangenen Tagen hatte es in anderen Teilen Chinas bereits schwere Unwetter mit Sturmfluten und Erdrutschen gegeben.
Vorausgegangene Unwetter und Schäden in der Region
Die Philippinen, wo ebenfalls Ausläufer des Taifuns zu spüren waren, meldeten bislang mindestens 17 Todesopfer. In den Philippinen hatte der tropische Wirbelsturm am Vortag einen Erdrutsch ausgelöst. Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben. Weitere neun Menschen gelten weiterhin als vermisst. Im Süden und im Zentrum Chinas hatten Unwetter in dieser Woche bereits schwere Schäden angerichtet: 39 Menschen kamen bei Überschwemmungen ums Leben, allein 26 Menschen starben nach dem Bruch eines Staudamms.
Parallel zur nahenden Landung geraten chinesische Online-Aktivisten ins Visier, die mit KI-Modellen eigene Taifun-Prognosen verbreiten. Der staatliche Sender China Media Group, auch bekannt als Voice of China, berichtete am Donnerstag, dass sich einige Blogger als "Wetterenthusiasten" bezeichneten und Vorhersagen auf Basis verschiedener Open-Source-KI-Wettermodelle veröffentlichten. Demnach bieten manche Blogger ortsbezogene Taifun-Prognosen gegen Gebühr an.
Streit um KI-Prognosen: Blogger im Fokus der Staatsmedien
Am Donnerstagabend hatte ein Blogger aus der Provinz Shandong auf sozialen Medien Vorhersagen zu Taifun "Bavi" veröffentlicht. Er erklärte, es bestehe eine "90 per cent chance", dass "Bavi" tief nach Shandong ziehen könne, wie die zitierte Quelle festhielt. Chinesische Staatsmedien warnten daraufhin, solche amateurhaften KI-basierten Wettervorhersagen durch Blogger könnten gegen geltendes Recht verstoßen.
Huang Xiang, Forscher an der Nanjing University of Information Science and Technology (NUIST), erklärte dem Sender, das zentralisierte System sei entscheidend, um öffentliche Verwirrung zu vermeiden. Nach dem Meteorologiegesetz der Volksrepublik China unterliegen öffentliche Wetterwarnungen einem zentralisierten Veröffentlichungssystem. Offizielle meteorologische Stationen sind demnach die einzigen autorisierten Herausgeber von Vorhersagen und Unwetterwarnungen.
Am Freitag war noch befürchtet worden, dass "Bavi" der größte Taifun werden würde, der Taiwan seit mehr als 30 Jahren treffen würde. Diese Sorge schien sich am Samstag vorerst nicht zu bestätigen. Behördenangaben zufolge wurden in China Hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht, ohne dass zum Zeitpunkt der Berichterstattung größere Schäden auf taiwanischer Seite gemeldet wurden.
Ausblick: Landung in Zhejiang am Sonntagmorgen erwartet
Die Region steht unterdessen vor einer Zerreißprobe: Während die meteorologischen Dienste die Bevölkerung mit offiziellen Warnungen versorgen, machen im chinesischen Internet Dutzende inoffizieller KI-gestützter Taifun-Vorhersagen die Runde. Die zentrale Frage der Behörden ist, welche dieser Vorhersagen verlässlich sind – und welche durch das Meteorologiegesetz gedeckt sind.
Die Landung in Zhejiang wird nach derzeitigem Stand der Modellrechnungen in den frühen Morgenstunden des Sonntags erwartet. Bis dahin gelten in weiten Teilen Ostchinas Evakuierungsanordnungen, Notfallpläne der Streitkräfte und Vorbereitungen der Energieversorger. Für die kommenden Stunden rechnen Meteorologen mit "außergewöhnlich heftigen Regenfällen" in Zhejiang und Fujian sowie mit Sturmfluten an der Küste.
Fragen & Antworten
Wo und wann soll Taifun "Bavi" auf Land treffen?
Der chinesische Wetterdienst erwartet, dass der Taifun am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) in der ostchinesischen Provinz Zhejiang auf Land trifft.
Wie viele Menschen sind wegen "Bavi" evakuiert worden?
Allein in der Provinz Zhejiang haben chinesische Staatsmedien über 500.000 Evakuierte und zusätzlich 1,7 Millionen Betroffene in Wenzhou gemeldet; in Taiwan wurden vorsorglich mehr als 14.000 Bewohner aus erdrutschgefährdeten Bergregionen in Sicherheit gebracht.
Warum warnen chinesische Staatsmedien vor Bloggern mit KI-Wettervorhersagen?
China Media Group erklärte, einige "Wetterenthusiasten" verbreiteten Vorhersagen aus Open-Source-KI-Modellen; nach dem Meteorologiegesetz der Volksrepublik China dürfen jedoch ausschließlich offizielle meteorologische Stationen öffentliche Wetterwarnungen herausgeben.
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