Hagåtña, 06. Juli 2026
Der Supertaifun "Bavi" der höchsten Kategorie ist am frühen Montagmorgen (Ortszeit) direkt über die Insel Rota in den Nördlichen Marianen hinweggezogen und hat dort nach Behördenangaben erhebliche Schäden angerichtet.
Der US-Wetterdienst (NWS) warnte vor "katastrophalen Schäden und einer lebensbedrohlichen Lage", als das Auge des Sturms die südlichste Insel der Nördlichen Marianen überquerte. Mit Windgeschwindigkeiten von 290 Stundenkilometern und orkanartigen Böen weit darüber richtete "Bavi" auf der nur etwa 1.500 Einwohner zählenden Insel schwere Verwüstungen an. Der NWS hatte bereits im Vorfeld von einem "sehr gefährlichen" Taifun gesprochen und die Lage als "extremely dangerous and life-threatening situation" beschrieben.
Rota gehört zu den Nördlichen Marianen, einem US-Außengebiet in Mikronesien. Die Insel liegt rund 50 Kilometer vom größeren Guam entfernt, wo Gouverneur Lou Leon Guerrero die Bevölkerung aufforderte: "Bleiben Sie in Ihren Häusern, fahren Sie nicht auf den Straßen und halten Sie sich vom Wasser fern." Auch für die Inseln Guam, Tinian und Saipan galten weiterhin Taifun-Warnungen. Insgesamt leben etwa 210.000 Menschen in den beiden US-Territorien Guam und den Nördlichen Marianen.
Lage auf Rota
Lou Rosario, Sprecherin des Einsatzzentrums des Bürgermeisters von Rota, schilderte die Lage am Montag so: "Hier im Einsatzzentrum des Bürgermeisters von Rota haben wir mit starken Winden und Überschwemmungen zu kämpfen." Einige der 1.500 Bewohner hätten bereits "erhebliche Schäden" gemeldet. Rosario erklärte zudem, einige Mobilfunkdienste seien aufgrund eines umgestürzten Sendemasts ausgefallen, was die Kommunikation zusätzlich erschwerte.
Der NWS-Meteorologe Landon Aydlett erklärte dem US-Sender NPR: "Das ist ein Supertaifun von enormer Stärke, und für jede Insel, die einen direkten Treffer abbekommt, sieht die Lage sehr düster aus." Für Rota werde es "wahrscheinlich nahezu katastrophal". Der Wetterdienst prognostizierte, dass viele nicht aus Beton gebaute Häuser einstürzen würden, nahezu alle Bäume entwurzelt und Strommasten umstürzen könnten. Die Bewohner wurden angewiesen, die "unmittelbar bevorstehenden extremen Winde zu behandeln, als würde sich ein Tornado nähern" und sich sofort ins Innere eines Gebäudes oder in einen Schutzraum zu begeben.
Die Behörden warnten zudem vor meterhohen Wellen, Sturmfluten und gefährlichen Überschwemmungen. Der Sturm bewegte sich laut dem Einsatzzentrum auf Guam mit etwa 15 Stundenkilometern in westnordwestlicher Richtung. Viele Bewohner der Region leben in einfachen Holzhäusern und Bauten aus Wellblech, die den extremen Winden eines Supertaifuns kaum standhalten können.
Warnungen des Wetterdienstes
Bereits vor dem Eintreffen des Sturmzentrums hatte "Bavi" auf den benachbarten Inseln Guam und den Nördlichen Marianen für starken Wind und heftigen Regen gesorgt. Auf Guam wurden demnach Stromausfälle gemeldet, Flüge gestrichen und der Hafenbetrieb eingestellt. Notunterkünfte waren nach Angaben des Wetterdienstes vielerorts nahezu vollständig belegt; auf Saipan und Tinian mussten Menschen in einigen Fällen abgewiesen werden, da die Kapazitäten erschöpft waren.
Der NWS warnte, dass Stromausfälle Wochen, möglicherweise sogar Monate dauern könnten. Ein direkter Treffer auf Rota würde den größten Teil der Insel "für Wochen, vielleicht sogar länger, unbewohnbar" machen, hieß es beim Wetterdienst weiter. Die großflächigen zerstörerischen Winde erreichten dem NWS zufolge mehr als 240 Kilometer pro Stunde.
Vorbereitungen und Notunterkünfte
Während des Sturms appellierte Aydlett an die Bevölkerung: "Die Menschen müssen dort bleiben, wo sie sind." In einer späteren Online-Pressekonferenz gab der Meteorologe dann jedoch teilweise Entwarnung: "Der Supertaifun 'Bavi' zieht gerade aus dem Gebiet ab", sagte er. "Die Lage wird sich allmählich verbessern. Das sind großartige Nachrichten für uns."
Die Schäden durch "Bavi" treffen die Nördlichen Marianen in einer ohnehin schon angespannten Lage. Im April hatte der Supertaifun "Sinlaku" Verwüstungen angerichtet, Dächer zerstört und zu Stromausfällen für zehntausende Menschen geführt. Viele Menschen litten zum Zeitpunkt des neuen Sturms noch immer unter den Folgen dieses früheren Taifuns, was die Bewältigung der aktuellen Katastrophe zusätzlich erschwerte.
Spur der Verwüstung
Mit Blick auf die kommenden Stunden und Tage wird die genaue Bilanz des Supertaifuns "Bavi" auf Rota und den Nachbarinseln erst nach und nach erkennbar. Klar ist jedoch schon jetzt, dass die höchste Taifun-Kategorie auf einer der kleineren Inseln des Pazifiks mit einer vergleichsweise dünnen Infrastruktur und einer ohnehin gefährdeten Bevölkerung zugeschlagen hat.
(APA, 6.7.2026)
