Der dänische Radprofi Jonas Vingegaard ist am Sonntag auf der 15. Etappe der Tour de France rund 22 Kilometer vor dem Ziel in einem Kreisverkehr gestürzt und hat das Rennen mit einem gebrochenen Schlüsselbein aufgegeben.

Der Sturz im Kreisverkehr

Nach Angaben seines Teams Visma kam Vingegaard auf einer der schwersten Bergetappen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt zu Fall. „Vielleicht sind wir etwas zu schnell in diesen Kreisverkehr gefahren, und dann ist mir einfach das Vorderrad weggerutscht. Da kann man nichts machen“, sagte der Däne.

Der 29-Jährige gab am Montag vor dem Teamhotel „Ferme du Lac“ in Thyez eine kurze Erklärung ab. „Natürlich ist es sehr enttäuschend für uns, dass die Tour auf diese Weise endet. Aber so ist der Radsport nun mal. Zum Glück ist es nur ein Schlüsselbeinbruch“, sagte Vingegaard, der die Gesamtwertung vor der Etappe auf Rang zwei hinter Tadej Pogačar angeführt hatte.

Der zweimalige Toursieger hatte in der Nacht vor der Etappe gegen zwei Uhr morgens eine Dopingkontrolle der Internationalen Testagentur (ITA) erhalten. Vingegaard räumte im Gespräch mit dem dänischen Sender TV2 einen möglichen Zusammenhang ein: „Man kann wohl sagen, dass es sicher nicht förderlich war. Ob das der Grund ist, darüber wage ich nicht zu spekulieren. Es mag durchaus eine Rolle gespielt haben.“

Nächtliche Kontrollen in der Kritik

Nach Angaben des niederländischen Visma-Teams erfolgten die Kontrollen auf Anweisung oder mit Genehmigung der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD. Auch Spitzenreiter Tadej Pogačar, der sich einer ähnlichen Kontrolle um fünf Uhr stellen musste, brachte den gestörten Schlaf als mögliche Ursache ins Spiel.

Der Slowene sagte: „Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig.“ Pogačar betonte zudem die Bedeutung von Erholung für die Konzentration im Rennen und bezeichnete den Streckenabschnitt in der Ortschaft als „wirklich gefährlich“.

Auch der Etappensieger Remco Evenepoel übte scharfe Kritik an den nächtlichen Kontrollen. „Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen“, sagte der Belgier, der die 15. Etappe gewann. Er kündigte an, die Fahrergewerkschaft CPA einzuschalten. „Wäre mir das passiert, würde ich mein Team heute Nacht losschicken, um die Verantwortlichen ebenfalls um drei Uhr morgens zu wecken und ihnen am eigenen Leib spüren zu lassen, wie das ist – und ihnen mitten in der Nacht Blut abnehmen“, so der Doppel-Olympiasieger.

Prominente Unterstützung für die Fahrer

Evenepoel sprach von einer „Schande“ und forderte ein Ende der nächtlichen Testpraxis. „Kontrollen um 2.00 und 5.00 Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können“, sagte er. Auch der deutsche Radprofi Florian Lipowitz, Vorjahres-Dritter, kritisierte den Zeitpunkt: „Gestern kamen wir super spät ins Hotel, und dann zählt natürlich jede Minute Schlaf.“

Unterstützung erhielten die Fahrer von unerwarteter Seite. Lance Armstrong, gemeinsam mit dem früheren Toursieger Bradley Wiggins und Ex-Teamkollege George Hincapie auf dem Podcast „The Move“ zu hören, nannte die 2-Uhr-Kontrollen „eine Frage der Menschenrechte. Ich bin sprachlos“. Wiggins sagte: „Er war gerade erst eingeschlafen, und eine Stunde später wurde er wieder geweckt. Ich meine, wir sind uns doch alle einig, dass das nicht in Ordnung ist, oder?“

Regelwerk und Ausblick

Nächtliche Dopingkontrollen sind seit 2016 erlaubt, unterliegen aber strengeren Richtlinien, die einen konkreten Verdacht voraussetzen. Reguläre Tests finden zwischen 6.00 und 23.00 Uhr statt. Mit Vingegaards Aufgabe verlor Gesamtleader Pogačar seinen wichtigsten Rivalen im Kampf um das Gelbe Trikot.

Am Dienstag steht im Programm der Tour ein Einzelzeitfahren über 21,6 Kilometer von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains. Für Vingegaard, der den Kopf nicht hängen lassen will – „Es bringt nichts, den Kopf hängenzulassen. Das macht alles nur noch schlimmer“ –, ist die Rundfahrt nach dem Sturz beendet.