Vingegaard muss bei Tour de France nach Sturz aufgeben | nachrichten360
Sturz auf der 15. Etappe beendet Vingegaards Tour – Pogacar baut Gesamtführung aus
Plateau de Solaison, 19. Juli 2026
René Hourdry / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Jonas Vingegaard ist nach einem schweren Sturz auf der 15. Etappe der Tour de France ausgeschieden und muss am Schlüsselbein operiert werden. Tadej Pogacar baute seinen Vorsprung im Gesamtklassement auf fünf Minuten aus, die Etappe gewann Remco Evenepoel.
Der dänische Radprofi Jonas Vingegaard ist auf der 15. Etappe der 113. Tour de France rund 20 Kilometer vor dem Ziel gestürzt und hat das Rennen wegen eines Schlüsselbeinbruchs aufgegeben, während Spitzenreiter Tadej Pogacar seinen Vorsprung auf fünf Minuten ausbaute.
Hergang des Sturzes
Der zweifache Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard ist bei der 15. Etappe der Frankreich-Rundfahrt gestürzt und hat das wichtigste Radrennen der Welt vorzeitig verlassen müssen. Der Däne rutschte in einer Rechtskurve mit hoher Geschwindigkeit vom Asphalt weg und löste damit eine Kettenreaktion aus, in deren Folge auch weitere Fahrer zu Fall kamen, darunter Pogacars Edelhelfer Isaac Del Toro, der allerdings schnell wieder auf sein Rad steigen konnte.
Wie Untersuchungen später ergaben, erlitt Vingegaard einen Schlüsselbeinbruch. Wie das Team Visma-Lease a Bike am Sonntagabend mitteilte, muss die Verletzung operativ behandelt werden. Vingegaard, der vor der Etappe im Gesamtklassement Zweiter hinter Tadej Pogacar (SLO) gelegen hatte, konnte selbst aufstehen und mit einer Schlinge um den rechten Arm in den Bus der Tour-Ärzte steigen.
Verletzungen und medizinische Versorgung
Die 15. Etappe führte durch die Alpen und wies fast 4.000 Höhenmeter auf. Der Schlussanstieg war 11,3 Kilometer lang und wies eine durchschnittliche Steigung von 9 Prozent auf, das Ziel lag auf dem Plateau de Solaison. Nach dem Sturz wartete das Hauptfeld auf die betroffenen Fahrer, ehe das Rennen fortgesetzt wurde.
Den Tagessprint auf der Etappe gewann Remco Evenepoel, der im Ziel vier Sekunden Zeitbonifikation erhielt und damit auch in der Gesamtwertung an Vingegaard vorbeizog. Tadej Pogacar erreichte das Ziel mit derselben Zeit wie Evenepoel auf Platz zwei, Isaac Del Toro wurde mit sechs Sekunden Rückstand Dritter.
Auswirkungen auf das Gesamtklassement
Durch Vingegaards Aufgabe vergrößerte sich der Rückstand des nun zweitplatzierten Evenepoel auf fünf Minuten gegenüber Pogacar, der zuvor bereits 4:30 Minuten vor dem Dänen gelegen hatte. Pogacar baute damit seine Gesamtführung weiter aus und liegt nun deutlich vor der Konkurrenz.
Im Gesamtklassement nach der 15. Etappe führt Pogacar in einer Gesamtzeit von 55:41:31 Stunden vor Evenepoel mit 5:00 Minuten Rückstand. Auf den weiteren Plätzen folgen Del Toro (+5:58), Seixas (+6:23), Florian Lipowitz (+6:48), Ayuso (+7:28), Skjelmose (+9:38), Martinez (+10:28), Pidcock (+11:19) und Jegat (+19:26). Lipowitz verbesserte sich damit vom sechsten auf den fünften Rang.
Dopingkontrollen vor der Etappe
Bereits vor dem Start der Etappe hatte es rund um die Spitzenfahrer ungewöhnliche Begleitumstände gegeben. Vingegaard und Pogacar mussten in der Nacht einer Dopingkontrolle unterzogen werden. Vingegaard sagte vor dem Start zu Eurosport: «Es ist gut, dass sie testen. Aber natürlich hat das einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit vor so einer Etappe.» Weiter ergänzte er: «Es ist gut, dass sie testen, aber wenn es die Leistung beeinflusst und deinen Schlaf, dann denke ich nicht, dass es so gut ist. Hoffentlich bin ich am Ende nicht der Einzige, denn am Ende sollte es für jeden gleich sein.» Um 2 Uhr nachts wurde der 29-Jährige von Dopingkontrolleuren geweckt.
Pogacar, der als Träger des Gelben Trikots rund um die Etappen ohnehin täglich getestet wird, berichtete, er sei um 5 Uhr morgens kontrolliert worden und habe nur vier Stunden Schlaf bekommen. Vingegaard kommentierte den späten Kontrolltermin mit den Worten: «Es ist nicht so schön um zwei Uhr.» Die Dopingkontrollen unmittelbar vor einer schweren Bergetappe sind ungewöhnlich und sorgen in der Radszene für Diskussionen.
Vingegaards Sturzhistorie
Für den 29-jährigen Vingegaard ist es nicht der erste schwere Sturz in den vergangenen Jahren. Erst 2024 war er bei der Baskenland-Rundfahrt schwer gestürzt und kurz vor dem Start der Tour wieder fit geworden. Im vergangenen Jahr kam er beim Traditionsrennen Paris-Nizza zu Fall und musste aufgeben. Die erneute Verletzung am Oberkörper mit Schlüsselbeinbruch wiegt daher besonders schwer, zumal die Tour für ihn als einer der Mitfavoriten auf den Gesamtsieg bereits nach der zweiten Woche beendet ist.
Vingegaard galt vor dem Start der 113. Tour de France als einer der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg. Mit seinen bisherigen zwei Toursiegen zählte er gemeinsam mit Pogacar zum engeren Favoritenkreis. Mit seinem Ausscheiden ist das Duell der beiden Ausnahmefahrer um den Gesamtsieg entschieden, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten.
Team Visma-Lease a Bike kündigte an, dass Vingegaard so schnell wie möglich operiert werden soll. Über den genauen Zeitpunkt der Operation und die voraussichtliche Genesungsdauer wurde zunächst nichts bekannt. Klar ist, dass Vingegaard die zweite Woche der Tour de France komplett verpasst und auch beim abschließenden Zeitfahren am Dienstag nicht antreten wird.
Ausblick auf Zeitfahren und dritte Woche
Am Montag steht der zweite Ruhetag der diesjährigen Tour de France an. Am Dienstag folgt das einzige Einzelzeitfahren der 113. Austragung über rund 26 Kilometer zwischen Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains am Ufer des Genfer Sees. Pogacar geht als souveräner Spitzenreiter in diese entscheidende Phase, ohne dass ein Rivale auf vergleichbarem Niveau in Schlagdistanz ist.
Evenepoel, der nach Vingegaards Ausscheiden Zweiter ist, hatte bereits in den Vortagen mehrfach betont, dass er sich als Podiumskandidat sieht. Mit dem Etappensieg am Sonntag und der damit verbundenen Zeitbonifikation sicherte er sich seine Position im Gesamtklassement und liegt nun deutlich vor den Verfolgern um Del Toro. Die Frage, ob der Belgier den Gesamtsieg wird angreifen können, beantwortet sich angesichts des Fünf-Minuten-Rückstands auf Pogacar allerdings von selbst.
Die ZDF-Sendung «heute» wird am 19. Juli 2026 ab 19:00 Uhr ausführlich über den Vorfall und die Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Tour de France berichten. Auch die Nachrichtenagenturen SID und dpa haben den Sturz und seine Folgen als Aufmacher ihrer Sportberichterstattung aufgegriffen.
Insgesamt zeigt der Vorfall die Widersprüchlichkeit des Profiradsports: Einerseits zählt die Tour de France zu den am besten kontrollierten Sportveranstaltungen der Welt mit täglichen Dopingkontrollen für die Spitzenfahrer, andererseits ereignen sich immer wieder schwere Stürze, die nicht nur sportlich, sondern auch gesundheitlich weitreichende Folgen haben. Vingegaards dritter schwerer Sturz innerhalb weniger Jahre unterstreicht diese Risiken.
Für die verbleibenden Etappen der Tour bedeutet der Ausfall des Dänen, dass das Feld ohne den zweiten Top-Favoriten weiterfahren muss. Pogacar kann seinen bereits komfortablen Vorsprung in den kommenden Tagen verwalten und Kräfte für die Bergetappen in der dritten Woche schonen, sollte er dies angesichts der Gesamtsituation für nötig halten.
Fragen & Antworten
Wie kam es zum Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe?
Der zweifache Tour-de-France-Sieger rutschte in einer Rechtskurve mit hoher Geschwindigkeit vom Asphalt weg und löste damit einen Massensturz aus, in den auch Isaac Del Toro verwickelt war, der jedoch schnell wieder aufsteigen konnte.
Welche Verletzungen hat Vingegaard erlitten?
Wie sein Team Visma-Lease a Bike mitteilte, zog sich Vingegaard einen Schlüsselbeinbruch und mehrere Schürfwunden zu; die Verletzung am Oberkörper muss operativ behandelt werden.
Wie hat sich das Gesamtklassement nach Vingegaards Ausscheiden verändert?
Tadej Pogacar baute seinen Vorsprung von 4:30 auf fünf Minuten aus, Remco Evenepoel rückte durch den Tagessieg und die Zeitbonifikation auf Rang zwei vor, und Florian Lipowitz verbesserte sich vom sechsten auf den fünften Platz.